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"Die Kraft ist unsere Seel in unserem Körper"
Körper- und Seelendarstellungen in den Werken von J. M. R. Lenz
Peter Kurzmann
Art der Arbeit
Diplomarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Philologisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
Betreuer*in
Irmgard Egger
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Alle Rechte vorbehalten / All rights reserved
DOI
10.25365/thesis.20301
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-29777.14053.399860-0
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)

Abstracts

Abstract
(Deutsch)
Die vorliegende Diplomarbeit befasst sich mit den Körper- und Seelendarstellungen in den Werken Zerbin oder die neuere Philosophie, Der Hofmeister oder Vorteile der Privaterziehung und die Soldaten von Jakob Michael Reinhold Lenz. Anhand ausgewählter Beispiele werden einzelne Charaktere in den Mittelpunkt gerückt und auf ihre körperlichen und seelischen Merkmale untersucht. Im ersten Kapitel wird medias in res ein Einstieg in die Körper-Seele-Thematik gegeben. Dabei steht die Erzählung Zerbin im Mittelpunkt. Einerseits steht das Auslöschen der Seele, also der Tod, im Blickpunkt, andererseits die weibliche Physiognomie im Verhältnis zur männlichen Seele. Mithilfe des zweiten Kapitels wird ein theoretischer Zugang zu Lenz gefunden. Um seine Figuren richtig interpretieren zu können, ist es unerlässlich zu wissen, welche anthropologischen Denkmuster im 18. Jahrhundert im Allgemeinen bzw. bei Johann Caspar Lavater und Karl Philipp Moritz im Speziellen vorgeherrscht haben. Aus diesen Darlegungen wird versucht, eine Brücke zu Lenz zu bauen und seine Vorstellung von der Physiognomie zu besprechen. Weiters ist die Konkupiszenz, die menschliche Begierde, ein Besprechungspunkt, da viele der theoretischen Schriften Bezug darauf nehmen. Dass die Seele aber auch negativ konnotiert sein kann, belegt das Unterkapitel Die kranke Seele, wo von Selbstmord als letztem möglichem Ausweg die Rede ist. Abgerundet wird dieser Abschnitt mit den Lenz’schen Anmerkungen übers Theater, indem dargestellt wird, welche Charaktere seiner Meinung nach auf der Bühne zu sehen sein sollten. Das dritte Kapitel widmet sich den Soldaten im gleichnamigen Stück. Sie verkörpern einerseits den idealen, stattlichen Soldaten, lassen andererseits aber Abgründe erkennen, weil sie gewaltbereit und herzensbrecherisch ein harmonisches Miteinander unmöglich machen. Auch der Stellenwert der Ehe wird erläutert und die Kritiker aus dem eigenen Lager kommen ebenfalls zu Wort. Im vierten Abschnitt stehen jene männlichen Figuren im Fokus, die von anderen beherrscht werden. Es sind dies Stolzius und Läuffer und beide eint das Schicksal, keine freie, unbefangene Seele zu haben, da ihr Körper von anderen in Schach gehalten und deformiert wird. Den Höhepunkt der körperlichen Deformierung stellt zweifellos die Kastration Läuffers dar. Im fünften und somit vorletzten Kapitel dreht sich alles um die Väter. Sie wirken körperlich gefestigt und sind den Kindern und dem Hauspersonal gegenüber sehr dominant und bestimmend. Finden die mahnenden Worte kein Gehör und die Töchter widersetzen sich, so schrecken sie auch vor körperlichen Gewaltandrohungen nicht zurück. Der Verlust der ihnen sehr nahestehenden Töchter lässt ihre Fassade bröckeln und ihre fragile Seele tritt zum Vorschein. Im sechsten und letzten Kapitel wird der weibliche Körper auf der Bühne eingehend analysiert. Angefangen bei der verletzbaren Seele über eine angebliche Seelentrösterin bis zu einem ihrer Schwärmerei erliegenden Gustchen und zwei blinden Frauen – eine Blinde und eine vor Liebe Blinde – sind zahlreiche Facetten des Weiblichen dargestellt. Im Zuge der Analysen zeigt sich, dass Lenz schonungslos und wenn es sein muss mit radikaler Wort- und Körpergewalt die Missstände des 18. Jahrhunderts in seinen Charakteren aufzeigt. So benutzt er nicht nur eine Person als Sprachrohr, sondern wechselt zwischen sehr vielen Figuren aus unterschiedlichen Ständen hin und her. Der eingangs genannte Forschungsschwerpunkt wurde insofern richtig gewählt, da tatsächlich Konzepte der Körper entworfen werden können, die Rückschlüsse auf den jeweiligen seelischen Zustand zulassen. Außerdem ist eine derartige Dichte an ergiebigen Aussagen in der Primärliteratur enthalten, sodass die Sekundärliteratur eine bloße Ergänzung darstellt. Abschließend sei angemerkt, dass die Arbeit an diesem Thema eine große Herausforderung dargestellt hat, da im Laufe meines Studiums selten die enge Arbeit mit der Primärliteratur, das sogenannte close reading, verlangt worden ist. Es hat mir aber (oft) große Freude bereitet, die einzelnen Aussagen in Teile zu zerlegen, um sie im Anschluss daran wieder systematisch zusammenzusetzen. Ich kann daher nur jeder Autorin bzw. jedem Autor einer Diplomarbeit raten, in die Texte zu gehen und nicht von Seiten der Sekundärliteratur her Bezüge zum Basistext herzustellen. Es lohnt sich allemal, wie meine Arbeit hoffentlich zeigt.

Schlagwörter

Schlagwörter
(Deutsch)
Lenz Hofmeister Soldaten Zerbin Anthropologie Körper Seele
Autor*innen
Peter Kurzmann
Haupttitel (Deutsch)
"Die Kraft ist unsere Seel in unserem Körper"
Hauptuntertitel (Deutsch)
Körper- und Seelendarstellungen in den Werken von J. M. R. Lenz
Publikationsjahr
2012
Umfangsangabe
85 S.
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Irmgard Egger
Klassifikationen
08 Philosophie > 08.36 Philosophische Anthropologie ,
17 Sprach- und Literaturwissenschaft > 17.70 Literaturwissenschaft: Allgemeines ,
17 Sprach- und Literaturwissenschaft > 17.90 Literatur in Beziehung zu anderen Bereichen von Wissenschaft und Kultur ,
17 Sprach- und Literaturwissenschaft > 17.93 Literarische Stoffe, literarische Motive, literarische Themen
AC Nummer
AC09044452
Utheses ID
18157
Studienkennzahl
UA | 190 | 333 | 456 |
Universität Wien, Universitätsbibliothek, 1010 Wien, Universitätsring 1