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Radiotheorie und extended performance im Vergleich
theatrale Körperlichkeit in Zweiwegmedien
Michaela Rischka
Art der Arbeit
Diplomarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Philologisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
Betreuer*in
Monika Meister
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Alle Rechte vorbehalten / All rights reserved
DOI
10.25365/thesis.2170
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-30280.45671.170654-6
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Abstracts

Abstract
(Deutsch)
TITELBLATT: nur in PRINTAUSGABE -- Interaktion ist eine Grundlage sozialer Systeme. Überall, wo Menschen wechselseitig aufeinander einwirken, wird interagiert. Der Körper ist dabei ein integraler Bestandteil sozialen Handelns. Anhand von Brechts Hörspiel „Ozeanflug“ und der extended performance „Murmuring Fields“ der Medienkünstlerin und -theoretikerin Monika Fleischmann soll theatrale Körperlichkeit in Zweiwegmedien als Teilaspekt der Interaktion belegt werden. Als Zweiwegmedien werden jene Massenmedien verstanden, die die technische Möglichkeit bieten, zu senden und zu empfangen. Ausgehend vom handlungstheoretischen Zugang kann das Theater als Modell für die soziale Welt heran gezogen werden. Denn der Weltbühne und der Theaterbühne gemeinsam ist die Bedingung für Interaktion, die körperliche Präsenz der AkteurInnen. Demgegenüber stehen so genannte Zweiwegmedien wie der Rundfunk und das Internet. Eine weitere Gemeinsamkeit ist die Absenz unmittelbarer Körperlichkeit. Während im Hörspiel als der künstlerischen Ausdrucksform des Rundfunks die Stimme für den Körper bzw. für die Vorstellung vom Körper konstitutiv ist, wird für Netzkunstwerke der körperliche Ausdruck in Daten übersetzt, die mit anderen Datenquellen kombiniert werden, um schließlich als Datenanhäufung dargestellt zu werden. Der Handlungsvollzug, der auf materiellen und körperlichen Voraussetzungen basiert, ist im Theater mit dem Begriff „Verkörperung“ definiert, die wiederum in der Regel an eine leibliche Präsenz des/der Darstellenden als Wirkungsmoment im Theater gebunden ist. Die Distanz des Individuums zu seiner Umwelt führt zur endgültigen Mediatisierung des Körpers und macht die theatrale Haltung zu einer alle Bereiche der Kultur durchziehende Haltung zur Welt. Der Rundfunk als ein Medium des Austauschs entspricht dem epischen Theater und dessen Forderung nach einer unmittelbaren Auseinandersetzung mit den gesellschaftlichen Verhältnissen. Doch die Idee vom Rundfunk als Zweiwegmedium blieb Utopie. Der Körper wird zum Medium um im gleichen Moment seiner Mediatisierung zu unterliegen. Durch diese Mediatisierung verändern sich die repräsentativen Aspekte des Körpers und des Raum-Zeit-Gefüges. Zeit und Raum werden entgrenzt zu simultanen, delinearen Zeit- und Erzählsträngen. Die virtuelle Bühne ist durch den konstanten Kreislauf zwischen Körperlichkeit und Virtualität geprägt. Künstlerisch ist so die Abspaltung zwischen DarstellerIn und Dargestelltem gelungen. Aber auch wenn die Körperlichkeit im Netz anderen Bedingungen der Konstitution unterliegt, bleibt sie doch eng an die bisher vermittelten Rollenvorbilder gebunden. „Murmuring Fields“ beschäftigt sich in diesem Zusammenhang mit den Themen Präsenz und Repräsentation. Zwar konnte auch das Internet das Ziel von Brecht, die Gleichstellung der Gesellschaft durch eine Gleichstellung der Produktionsverhältnisse, bisher nicht verwirklichen. Aber veränderte gesellschaftliche Bedingungen, von der Industriegesellschaft zur Informationsgesellschaft, von der Sozialgesellschaft zur Zivilgesellschaft, ermöglichen veränderte Einschreibungen in den repräsentierenden Körper. So war die theatrale Körperlichkeit im „Ozeanflug“ der Besonderheit der Radiotechnik unterworfen und konnte keinen spezifischen Gestus entwickeln. Im Gegensatz dazu kann die extended performance „Murmuring Fields“ ihren Handlungs-raum (fast) unbegrenzt erweitern, solange die Software nur regelmäßig aktualisiert wird. Am ehesten lassen sich die aktuellen Kommunikationsstrukturen als moderne Oralität beschreiben, die Ähnlichkeiten mit der präliteraten Oralität aufweist. So stehen heutigen Kommunikationsformen mehrere kulturell verfügbare und gesellschaftlich akzeptierte Kommunikationskanäle in Form von Techniken des Informationstransfers in gleichrangiger Koexistenz zur Verfügung. Brecht inszenierte mit seiner Gemeinschaftsleistung des „Ozeansflugs“ das körperliche Repräsentationsmodell der ArbeiterInnengesellschaft, die sich gesellschafts- und demokratiepolitisch zu positionieren trachtete. Denn er sieht in diesem neuen Medium die Möglichkeit zur Demokratisierung der Gesellschaft und nicht zuletzt eine Gelegenheit die sozialistische Botschaft weiter zu geben. Fleischmann und Strauss bewegen sich mit „Murmuring Fields“ vor dem Hintergrund der Zivilgesellschaft, in der jede/jeder in möglichst kleinen Einheiten maßgeschneiderte Repräsentationsmodelle in die demokratische Landschaft einbringt. In einer (westlichen) Gesellschaft, in der Individualität und Freiheit als zentraler Wert gilt, gibt es keine großen politisch-gesellschaftlichen Utopien mehr. Der Körper dient nun als Projektionsfläche für Zukunftsvision.

Schlagwörter

Schlagwörter
(Deutsch)
Brecht Radiotheorie Netzkunst extended performance Körperkonzepte
Autor*innen
Michaela Rischka
Haupttitel (Deutsch)
Radiotheorie und extended performance im Vergleich
Hauptuntertitel (Deutsch)
theatrale Körperlichkeit in Zweiwegmedien
Publikationsjahr
2008
Umfangsangabe
105 S. : Ill.
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Monika Meister
Klassifikationen
24 Theater > 24.03 Theorie und Ästhetik des Theaters ,
24 Theater > 24.08 Theatersoziologie, Theaterpsychologie
AC Nummer
AC07106095
Utheses ID
1822
Studienkennzahl
UA | 317 | 301 | |
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