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Geographische Namen als Mittel raumbezogener Identitätsbildung
Teresa Hofer
Art der Arbeit
Diplomarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Fakultät für Geowissenschaften, Geographie und Astronomie
Betreuer*in
Peter Jordan
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Alle Rechte vorbehalten / All rights reserved
DOI
10.25365/thesis.20747
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-30206.51059.137454-7
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Abstracts

Abstract
(Deutsch)
Raumbezogene Identität bezeichnet lt. WEICHHART ET AL. (2006:21) „die persönliche und emotionsbezogene Bindung von Menschen an bestimmte Orte oder Gebiete“. Dabei spielen Werte, Einstellungen, Erinnerungen, Gedanken, Bedeutungen und Verhalten, die sich auf einen bestimmten Ort/ein Gebiet beziehen eine Rolle. Die raumbezogene Identität beinhaltet die physische, soziale und kulturelle Umwelt ebenso, wie die personale Identität. Sie ist einerseits Teil der Identität des Individuums, spielt andererseits aber eine wichtige Rolle für Gruppenidentitäten. Sie drückt sich in Diskursen aus, kann aber auch durch Symbole (z.B.: Gebäude) manifestiert werden. In erster Linie besteht sie aber in den Köpfen der Menschen und in sozialen Prozessen, in denen dem Raum und seinen Elementen Bedeutungen zugeschrieben werden. Sie ist keine Eigenschaft des Raumes an sich. Für die Menschen ist die raumbezogene Identität in vieler Hinsicht nützlich. Sie bietet psychische Sicherheit in täglichen Umwelterfahrungen, weil die Welt für die/den EinzelneN durch ihre/seine Interpretation der räumlichen Umgebung strukturierbar und leichter handhabbar wird. Die Heimat stellt als Ankerpunkt eine Vergleichsebene und Beurteilungsgrundlage für Vorgänge aus anderen Umgebungen dar. Vor allem in der heutigen Zeit, in der realräumliche Grenzen durch Internet & Co immer unwichtiger werden, ist dies von großer Bedeutung. Die Heimat bietet für das Individuum auch jene Umgebung, in der es sich selbst verwirklichen kann und selbst bestimmt handeln kann. Für soziale Systeme wirken raumbezogene Identitäten als Stabilisatoren. Sie bilden eine Bezugsbasis für die Kommunikation und stellen einen Rahmen für die soziale Interaktion dar. Damit in einer Gruppe ein Zusammengehörigkeitsgefühl entstehen kann, ist eine gemeinsame Bezugsgröße notwendig, und diese bietet die raumbezogene Identität. Geographische Namen sind im Zusammenhang mit raumbezogener Identität vor allem dahingehend von Bedeutung, als dass sie den Ort an dem man wohnt definieren und Assoziationen und Gedanken auslösen, die man damit verbindet. Sie fungieren außerdem als „Marke“ und transportieren damit jene Inhalte, die mit der Region verbunden werden, nach außen. Die Zips, eine Kulturlandschaft in der östlichen Slowakei, wurde in ihrer Geschichte etwa 800 Jahre lang (Anfang 12.Jahrhundert bis zum 2.Weltkrieg) von Deutschstämmigen besiedelt. Diesen war es zu verdanken, dass die Zips im Mittelalter zu einem europäischen Handels- und Kulturzentrum aufgestiegen ist. Eine wirtschaftliche Sonderstellung des Zipser Städtebundes war mit ein Grund dafür, dass sich die Identität der Bevölkerung lange Zeit geschützt vor äußeren Einflüssen festigen konnte. Schließlich gingen aber auch Reformation, Slawisierung und Magyarisierung nicht spurlos an der Kulturlandschaft vorbei. Diese prägten die Identität der ZipserInnen nachhaltig, hatten aber keine Zerbrechen der Kulturlandschaft in einzelne Teile zur Folge. Das Zipsertum bzw. die Identifikation mit der Landschaft Zips blieb, trotz der Weltkriege und politischen Umbrüche, bis heute bestehen. Und obwohl sie heute keine administrative Einheit mehr ist (sie wird sogar von einer wichtigen administrativen Grenze zwischen zwei slowakischen Regionen durchschnitten), die einstige „deutsche Elite“ nicht mehr vorhanden ist und auch die wirtschaftliche und kulturelle Vormachtstellung gänzlich verloren gegangen ist, kann man noch eine Identifikation der Bevölkerung mit dieser Kulturlandschaft feststellen. Sie drückt sich unter anderem in der häufigen Verwendung des Ausdrucks „Zips“ aus. Unternehmen, Institutionen und Tourismuswerbung tragen dazu bei, dass der geographische Name der Kulturlandschaft ständig präsent ist und die raumbezogene Identität gefestigt und stabilisiert wird.

Schlagwörter

Schlagwörter
(Deutsch)
Raumbezogene Identität Identität Geographische Namen Zips Zipser Deutsche
Autor*innen
Teresa Hofer
Haupttitel (Deutsch)
Geographische Namen als Mittel raumbezogener Identitätsbildung
Publikationsjahr
2012
Umfangsangabe
106 S. : graph. Darst., Kt.
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Peter Jordan
Klassifikationen
74 Geographie, Anthropogeographie > 74.09 Sozialgeographie ,
74 Geographie, Anthropogeographie > 74.11 Kulturlandschaft
AC Nummer
AC09385054
Utheses ID
18550
Studienkennzahl
UA | 190 | 406 | 456 |
Universität Wien, Universitätsbibliothek, 1010 Wien, Universitätsring 1