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Wie Blinde in der Dunkelheit
die utopischen Vorstellungen eines Leibeigenen und eines Aristokraten im Russland der nikolaitischen Ära
Florian Wilhelm Rinesch
Art der Arbeit
Dissertation
Universität
Universität Wien
Fakultät
Historisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
Betreuer*in
Andreas Kappeler
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Alle Rechte vorbehalten / All rights reserved
DOI
10.25365/thesis.21178
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-30103.60078.364870-9
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)

Abstracts

Abstract
(Deutsch)
In vorliegender Doktorarbeit werden zwei äußerst heterogene, im weitesten Sinne utopische Texte einander gegenübergestellt: „Novyj svet i zakony ego“ von Fëdor I. Podšivalov und „4338-j god“ von Vladimir F. Odoevskij. In beiden Texten wird auf sehr unterschiedliche Art und Weise ein utopisches Russland imaginiert, wie es sein sollte, wie es sein könnte. Die beiden Verfasser waren in etwa gleich alt; beide waren sie Russen von Geburt; beide schrieben sie ihre Texte in den dreißiger Jahren des 19. Jahrhunderts, in der Frühzeit der nikolaitischen Ära. Die soziale Herkunft beider Autoren aber war verschieden. Fëdor I. Podšivalov war ein leibeigener dvorovyj čelovek; arbeitete als Koch auf dem Landgut seines Herrn, Fürst Aleksandr Ja. Lobanov-Rostovskij. Vladimir Odoevskij hingegen entstammte einer alten russischen Adelsfamilie, bekleidete eine Vielzahl öffentlicher Ämter, tat sich als Schriftsteller hervor, wirkte als Philanthrop und Polyhistor. Vor diesem Hintergrund entfaltet sich unsere Arbeit, die im Wesentlichen drei Hauptzielen gewidmet ist: 1.) Es wird die Frage beantwortet, welche politischen, sozialen und sittlichen Desiderate ein Leibeigener und ein Aristokrat im Russland der nikolaitischen Ära für sich definieren. Dabei werden die textimmanenten Intentionen und Ideenwelten beider Autoren durch eine angemessene Kontextualisierung (Biographie, verwandte Texte, historische Wirklichkeit) rekonstruiert und miteinander verglichen. Gemeinsamkeiten und Unterschiede werden herausgearbeitet. Der doppelte Fokus hat den Zweck, die utopische Landkarte des nikolaitischen Russlands einer näheren Bestimmung zuzuführen, sie gleichsam über ihre sozialen Antipoden ideenhistorisch zu skizzieren. Um einen größeren Kontext zu schaffen, bietet der erste Teil unserer Arbeit einen Überblick zur russischen Utopiegeschichte unter Berücksichtigung des aktuellen Forschungsstandes. 2.) „Novyj svet i zakony ego“ ist von der internationalen Forschung bisher weitgehend ignoriert worden. Unsere Studie ist die erste wissenschaftliche Auseinandersetzung mit dieser Quelle seit 1966 und die erste ihrer Art außerhalb Russlands. Zum ersten Mal sind auch Podšivalovs Selbstzeugnis, seine Briefe an Zar Nikolaj I. Pavlovič und seine schriftlich fixierten Traumbilder Gegenstand wissenschaftlicher Betrachtung. 3.) Alle oben genannten (handschriftlichen) Texte Podšivalovs waren bisher nur auf Mikrofilm im Staatsarchiv der Russländischen Föderation (GARF) einsehbar. Um jene Elaborate einem breiteren Publikum zugänglich zu machen, finden sich diese im Anhang unserer Arbeit als Transkript veröffentlicht.
Abstract
(Englisch)
In this doctoral dissertation two utopian works are contrasted: “Novyi svet i zakony ego” by Fedor I. Podshivalov and “4338-j god” by Vladimir F. Odoevskiy. A utopian Russia is envisioned in both works, albeit in completely different ways. Both authors were approximately the same age; both Russian born and both wrote their works in the 1830s, in the early days of the regime of Nicholas I. However, the social origins of the two authors were different. Fedor I. Podshivalov was a serf dvorovyi chelovek; who worked as a cook on the estate of his master prince Aleksandr Ia. Lobanov-Rostovskii. Vladimir Odoevskiy, on the other hand, was descended from an old Russian royal family, held a number of public offices, gained a reputation as a writer and was an active philanthropist and polymath. Our dissertation, which focuses essentially on three main objectives, was developed against this background: 1.) An answer is given to the question as to how a serf and an aristocrat in Russia each define the political, social and ethical desideratum under the regime of Nicholas I. Whereby the text-immanent intentions and world of ideas of the two authors are reconstructed and compared with each other by means of an appropriate contextualisation (biography, related texts, historical background). Similarities and differences are identified. The purpose of the double focus is to assign a closer designation to the utopian map of the Russia of Nicholas I and to sketch it quasi in its history of ideas via its social antipodes. In order to create a wider context, the first part of our dissertation provides an overview of the Russian history of utopia taking into consideration the current state of research. 2.) „Novyi svet i zakony ego“ has to date been widely ignored in international research. Our study is the first scientific discussion pertaining to this source since 1966 and the first of its kind outside of Russia. For the very first time the self-testimony of Podshivalov, his letters to Tsar Nicholas I and the visions he penned have been made the subject of scientific study. 3.) Until now the above-mentioned (handwritten) texts of Podshivalov were only accessible on microfilm in the State Archive of the Russian Federation (GARF). We have published these texts in the annex of our dissertation in order to make them available to a broader public.

Schlagwörter

Schlagwörter
(Englisch)
Utopia Russia Nicholas I Vladimir Odoevskyi Fedor Podshivalov
Schlagwörter
(Deutsch)
Utopie Russland Nikolaj I. Vladimir Odoevskij Fedor Podshivalov
Autor*innen
Florian Wilhelm Rinesch
Haupttitel (Deutsch)
Wie Blinde in der Dunkelheit
Hauptuntertitel (Deutsch)
die utopischen Vorstellungen eines Leibeigenen und eines Aristokraten im Russland der nikolaitischen Ära
Publikationsjahr
2012
Umfangsangabe
364 S.
Sprache
Deutsch
Beurteiler*innen
Andreas Kappeler ,
Angela Rustemeyer
Klassifikationen
15 Geschichte > 15.71 Osteuropa ,
15 Geschichte > 15.74 Russland ,
18 Einzelne Sprachen und Literaturen allgemein > 18.50 Slawische Sprachen und Literaturen: Allgemeines
AC Nummer
AC09412531
Utheses ID
18944
Studienkennzahl
UA | 092 | 312 | |
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