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Hänsel und Gretel im zeitgenössischen Märchenbilderbuch
Analyse, Interpretation und Verortung der Werke Lorenzo Mattottis, Květa Pacovskás, Susanne Janssens und Katrin Brandts
Madelaine Neumayr
Art der Arbeit
Diplomarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Philologisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
Betreuer*in
Roland Innerhofer
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Alle Rechte vorbehalten / All rights reserved
DOI
10.25365/thesis.21201
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-30006.76411.190053-5
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)

Abstracts

Abstract
(Deutsch)
Die Grimm’schen Kinder- und Hausmärchen gehören zu den bekanntesten Texten unserer Kultur. Im Laufe der Jahre wurden sie unzählige Male künstlerisch, literarisch oder musikalisch, aber auch wissenschaftlich aufgegriffen und bearbeitet. So auch Hänsel und Gretel: Als eines der berühmtesten Märchen der Sammlung verfügt es über enormen kulturellen Wert, was sich u.a. darin äußert, dass seit dem Jahr 2006 allein im deutschsprachigen Raum vier Bilderbücher erschienen sind, die den ungekürzten Originaltext von 1857 auf völlig unterschiedliche Weise aufgreifen und visuell umsetzen. Gemeint sind die Werke Lorenzo Mattottis, Květa Pacovskás, Susanne Janssens und Katrin Brandts. Sie stehen im Fokus der vorliegenden Arbeit und werden darin einer fundierten Analyse und Interpretation unterzogen sowie miteinander in Bezug gesetzt und schließlich im aktuellen Forschungsdiskurs verortet. Um für die ausführlichen Einzelanalysen der Bilderbücher auf ein solides Fundament zurückgreifen zu können, bedarf es zunächst einer genauen Betrachtung des Textes selber: Nachdem im ersten Kapitel die Voraussetzungen und Ziele der Untersuchung zu klären sind, wird im zweiten Kapitel des Märchens Faszinationspotenzial diskutiert sowie nach seinen Wurzeln in uralten Riten und literarischen Vorläufern gesucht. Weiters werden seine diversen Ausdeutungen durch repräsentative Vertreter_innen verschiedener Fachrichtungen vorgestellt: literaturwissenschaftliche, psychologische, sozialgeschichtliche und anthroposophische Zugänge ebenso wie religiöse, pädagogische und schließlich feministische Betrachtungsweisen. Das dritte und umfangreichste Kapitel befasst sich eingehend mit den konkreten Werken, wobei nicht nur die Bilder selber einer Auseinandersetzung sowie einer (kunst)-geschichtlichen Kontextualisierung unterzogen werden, sondern auch jeweils das äußere Erscheinungsbild des gesamten Buches, der typografische Satz sowie das gattungskonsti-tutive Zusammenspiel von Text und Bild einen wesentliche Parameter für die Analyse bildet. Während Mattottis düstere Illustrationen von den Emotionen Angst und Verlorenheit bestimmt sind, ist für Pacovskás stilistisch der europäischen Avantgarde verpflichtete Arbeit prägnant, dass sie weniger auf der Ebene der figürlichen Abbildung denn mithilfe von farblichen und formalen Kontrasten die Abgrenzung von Gut und Böse sowie die Entwicklung der Kinder darstellt. Janssens Werk besticht mit seiner psychologischen Vielschichtigkeit, die sowohl mittels komplexer Bildkomposition als auch durch Hinzufügung allegorisch und/oder symbolisch zu ‚lesender’ Bildelemente erreicht wird. Katrin Brandts Buch schließlich zeichnet sich durch seine reduzierte und stark archetype Darstellungsweise aus. Die Zusammenfassung und Auswertung der Analysen im vierten Kapitel zeigt, dass viele der im zweiten Kapitel dargelegten Deutungsmöglichkeiten auch in den Bilderbüchern angelegt sind, insbesondere was die psychologischen Zugänge betrifft, die sich in jedem der behandelten Werke in unterschiedlicher Ausprägung widerspiegeln. Alle vier Bücher lenken zudem den Fokus (zumindest vorübergehend) auf Gretel als Heldin der Geschichte und stellen gleichzeitig die Geschwister so dar, dass den Betrachter_innen die Möglichkeit der Identifikation eröffnet wird. In sämtlichen behandelten Werken wird außerdem die Ambivalenz zwischen Sein und Schein des Hexenhauses visualisiert und interessanterweise zeigen auch alle Bilderbücher die Ente, welche die Kinder am Ende der Geschichte über den Fluss bringt, während die für die Handlung essenziellen Szenen der Feistprobe und der Hexenverbrennung lediglich in den Büchern Mattottis und Janssens illustriert werden. Markant ist in diesem Zusammenhang noch, dass nur zwei Bücher ein eindeutiges Happy End darstellen (Mattotti und Brandt), und dass Květa Pacovská die einzige ist, die in ihrer Darstellung eine klare Trennung von Gut und Böse vollzieht; in den anderen drei Werken weist jeweils mindestens eine der abgebildeten Figuren Ambivalenzen auf. Im Ausblick wird zuletzt noch einmal der Wert des Märchens aufgegriffen, unter Heranziehung der Theorie des New Historicism als ‚kulturelle Energie’ klassifiziert und auch für die Bildebene fruchtbar gemacht. Dies führt dazu, dass für das Medium Märchenbilderbuch durch die Synthese der beiden Faktoren Text und Bild eine richtiggehende Kumulation an kultureller Energie konstatiert werden kann. Eine ähnliche Steigerung findet auch im Zusammenhang mit der Frage nach der Mehrfachadressierung der Bilderbücher statt, da das Hinzufügen von Illustrationen die grundsätzliche Möglichkeit birgt, die dem Märchentext an sich bereits inhärente Doppeladressierung auf der visuellen Ebene weiter zu verstärken. Inwiefern dies bei den behandelten Werken der Fall ist, muss zwar im Bezug auf die Bilder Mattottis und Brandts offen bleiben, doch für die Bücher Pacovskás und Janssens konnte festgestellt werden, dass diese, da deren Illustrationen sowohl für Kinder als auch für Erwachsene relevant sind, als Crossover-Medien im doppelten Sinn zu behandeln sind.

Schlagwörter

Schlagwörter
(Englisch)
Crosswriting Picturebook
Schlagwörter
(Deutsch)
Hänsel und Gretel Grimm Bilderbuch Märchenbilderbuch Lorenzo Mattotti Květa Pacovská Susanne Janssen Katrin Brandt
Autor*innen
Madelaine Neumayr
Haupttitel (Deutsch)
Hänsel und Gretel im zeitgenössischen Märchenbilderbuch
Hauptuntertitel (Deutsch)
Analyse, Interpretation und Verortung der Werke Lorenzo Mattottis, Květa Pacovskás, Susanne Janssens und Katrin Brandts
Publikationsjahr
2012
Umfangsangabe
155 S. : Ill.
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Roland Innerhofer
Klassifikationen
17 Sprach- und Literaturwissenschaft > 17.10 Sprache in Beziehung zu anderen Bereichen der Wissenschaft und Kultur ,
17 Sprach- und Literaturwissenschaft > 17.84 Sonstige literarische Gattungen ,
20 Kunstwissenschaften > 20.05 Kunst in Beziehung zu anderen Wissenschaftsgebieten ,
20 Kunstwissenschaften > 20.07 Kunstkritik, Kunstinterpretation ,
20 Kunstwissenschaften > 20.10 Kunst und Gesellschaft ,
20 Kunstwissenschaften > 20.31 Bildende Künstler ,
77 Psychologie > 77.55 Kinderpsychologie
AC Nummer
AC09394537
Utheses ID
18967
Studienkennzahl
UA | 332 | | |
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