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Theater unter Ausschluss der Öffentlichkeit?
Besitz und Bildung als theatersignifikante Ausgrenzungsmechanismen von der Aufklärung bis zur Postmoderne
Sabrina Schneid
Art der Arbeit
Diplomarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Philologisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
Betreuer*in
Stefan Hulfeld
DOI
10.25365/thesis.21310
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-30182.27037.378170-7
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Abstracts
Abstract
(Deutsch)
Basierend auf empirischen Beobachtungen wird zu Beginn der vorliegenden Diplomarbeit die These formuliert, dass das gegenwärtige Theaterpublikum als soziologisch erfassbare Gruppe nicht die Öffentlichkeit im Sinne eines gesellschaftlichen Kollektivs repräsentiert, sondern eine habituell distinktive, ausgrenzungsimmanente und somit spezifische Öffentlichkeit darstellt, deren Ein- respektive Ausschluss durch die sozial anerkannten Kapitale Besitz und Bildung bestimmt wird. Neben der thetischen, sich im kulturellen Selbstverständnis der deutschsprachigen Bevölkerung widerspiegelnden Aktualität des bürgerlichen Theaterbegriffs im anything goes der postmodernen Theaterlandschaft, wird zudem die These formuliert, dass sich diese spezifische Öffentlichkeit im Kontext postdramatischer Theateraufführungen bildungssignifikant dezimiert. Aufgrund entwicklungsgeschichtlicher, ästhetischer und phänomenologischer Zusammenhänge zwischen dem kontemporären und dem vergangenen Theater beschäftigt sich diese theaterwissenschaftliche Untersuchung zuerst mit den gesamtgesellschaftlichen Wirkungszusammenhängen und den theaterkennzeichnenden Reformbestrebungen zur Zeit der Aufklärung. Im Zuge dieser Auseinandersetzung kann konstatiert werden, dass entsprechend dem von Norbert Elias beschriebenen Prozess der Zivilisation in den Nati-onaltheatern des 18. Jahrhunderts diszipliniertes Verhalten zu einer sozialen Größe wurde, das nicht nur Rückschlüsse auf die Stellung innerhalb der Gesellschaft zuließ, sondern als Instrument der Distinktion fungierte und in folgerichtiger Konsequenz zum habituellen Ausgren-zungsmechanismus avancierte. Unter Berücksichtigung weiterer Ausgrenzungsmechanismen kann im Hinblick auf das 18. Jahrhundert zusammenfassend festgehalten werden, dass sich im Kontext der Nationaltheaterbewegung, welche die Institutionalisierung, Subventionierung und Professionalisierung von Theater zur Folge hatte, und mit der Etablierung des bürgerlichen Theaterbegriffs, der für eine literarisierte, reglementierte, rollenrepräsentative, entsinnlichte und zivilisierte Produktionsästhetik sowie für eine körperlich fixierte, kontemplative, aufmerksame und disziplinierte Rezeptionsästhetik steht, eine spezifische Öffentlichkeit generierte, deren Ein- respektive Ausschluss durch ökonomische, kulturelle und soziale Ressourcen reglementiert wurde. Das gängige Theaterpublikum der Nationalschaubühnen verkörperte somit nicht die Öffentlichkeit im Sinne eines gesellschaftlichen Kollektivs, sondern eine soziale Minderheit. Unter Einbeziehung dieser Forschungsergebnisse und unter Rekurs auf die Habitustheorie von Pierre Bourdieu werden dann die formulierten Thesen im Rahmen einer empirischen Untersuchung auf ihre Gültigkeit hin überprüft. Die Ergebnisse der quantitativen Online-Umfrage belegen nicht nur die Aktualität des bürgerlichen Theaterbegriffs, sondern verifizieren die Vermutung, dass sich das gegenwärtige Theaterpublikum vorrangig aus den bildungs-, kulturnahen und sozial gut situierten Gesellschaftsschichten zusammensetzt, folglich nicht gesellschaftsrepräsentativ ist und als soziologisch erfassbare Gruppe den geschmacksspezifischen, habituellen und somit schichtspezifischen Ausschluss der bildungs- und kulturfernen, sozial schwachen Bevölkerungsschichten impliziert. Darüber hinaus bestätigen die empirischen Daten der Online-Erhebung, dass sich die theaterspezifische Öffentlichkeit im Kontext postdramatischer Theateraufführungen bildungssignifikant dezimiert, da sich sein Publikumskreis vornehmlich aus dem akademischen, bildungsbürgerlichen und intellektuellen Milieu rekrutiert. Die vorliegende Forschungsarbeit zeigt auf, dass das egalitär-idealistische Credo Theater für alle nicht nur zur Zeit der Aufklärung eine unerreichte Maxime blieb, sondern auch im Zeitalter der Postmoderne eine Utopie darstellt, qoud erat demonstrandum.
Schlagwörter
Schlagwörter
(Deutsch)
Theatersignifikante Ausgrenzungsmechanismen Aufklärung /Postmoderne spezifische Öffentlichkeit
Autor*innen
Sabrina Schneid
Haupttitel (Deutsch)
Theater unter Ausschluss der Öffentlichkeit?
Hauptuntertitel (Deutsch)
Besitz und Bildung als theatersignifikante Ausgrenzungsmechanismen von der Aufklärung bis zur Postmoderne
Publikationsjahr
2012
Umfangsangabe
228 S. : graph. Darst.
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Stefan Hulfeld
AC Nummer
AC10896827
Utheses ID
19062
Studienkennzahl
UA | 317 | | |
