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Analyse des politischen Diskurses von Marine Le Pen
die persuasive Strategie des Emotionalisierens zum Zweck des Motivierens
Stefanie Birschitzky
Art der Arbeit
Diplomarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Philologisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
Betreuer*in
Peter Cichon
DOI
10.25365/thesis.21449
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-30345.95830.724654-8
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)
Abstracts
Abstract
(Deutsch)
Marine Le Pen, Parteipräsidentin des Front National, erzielte bei den Präsidentschaftswahlen Frankreichs im Frühjahr 2012, mit 17,90 Prozent in der ersten Runde, das beste Resultat in der Geschichte der Partei. Ihr Erfolg wird auf die aktuellen Gegebenheiten in Frankreich und ihrer besonderen, politischen Kommunikation zurückgeführt. So hat sich diese Arbeit zur Aufgabe gemacht, die politische Kommunikation Marine Le Pens unter dem Aspekt der Persuasion zu untersuchen. Es wird angenommen, dass die Kandidatin des Front National das Ziel verfolgt, die französische Wählerschaft dazu zu bewegen die Ideologie der Partei anzunehmen und sie zur Präsidentin Frankreichs zu wählen. Präziser, beschäftigt sich die forschungsleitende Fragestellung damit, in welcher Weise Marine Le Pen persuasive Sprachstrategien der Kategorie der Emotionalisierung in den ausgewählten politischen Diskursen einsetzt, um die französische Wählerschaft auf einer emotionalen Ebene zu berühren, von der politischen Ideologie des Front National zu überzeugen und sie in weiterer Folge dazu veranlasst, Marine Le Pen zur Präsidentin Frankreichs zu wählen.
Unter dem Stichwort der persuasiven Strategie der Emotionalisierung, zeigt die vorliegende Arbeit Ergebnisse aus der Diskursanalyse von drei ausgewählten Diskursen. Dabei handelt es sich um den Discours du 1ermai, welcher Jeanne d’Arc, Leitfigur des Front National und Symbolfigur Frankreichs, gewidmet wurde. Des Weiteren wurden der Diskurs der Présentation du projet présidentiel vom 19.November 2011 und der Discours de clôture de Marine Le Pen, welcher ein Monat später im Rahmen des Meeting à Metz abgehalten wurde, untersucht.
Unter der persuasiven Strategie der Emotionalisierung wird eine Sonderform der Bewertung bzw. „Umbewertung“ von Weltwissen verstanden. Eine Bewertung erfolge demnach bei strittigen Sachverhalten mittels Bewertungsmaßstäben. Als Werkzeug der Bewertung gelten Emotionen. Dabei ist ausschlaggebend, dass Marine Le Pen eine Umbewertung der politischen Einstellung der WählerInnen zu induzieren versucht, welche durch das Referieren auf emotionale Bezugspunkte bewerkstelligt wird. Als Folge der Umbewertung werden die Rezipienten zur Wahl Marine Le Pens zur Präsidentin Frankreichs animiert.
Nach einer kurzen Einführung in die Arbeit, in der Hypothesen, Forschungsfrage und das symbiotische Verhältnis von Politik und Kommunikation erläutert werden, behandelt der instrumentelle Teil theoretische und methodische Grundlagen. Hier werden Basistheorien der Sprachwissenschaft, das Verhältnis von Sprache und Macht und jenes von Sprache und Kognition geklärt. Des Weiteren werden der Begriff und das Forschungsfeld der zugrunde liegenden Politolinguistik, ebenso wie die Theorie der Persuasion im Allgemeinen, die der Emotionalisierung und Diskurstheorien erläutert. Anschließend werden die kritische Diskursanalyse von Siegfried Jäger als Ausgangsmodell für das anzutreffende Analysemodell vorgestellt. Im empirischen Teil der Arbeit werden Untersuchungsmaterial, institutioneller Rahmen, Text-Oberfläche, sprachlich-rhetorische Mittel, inhaltlich-ideologische Aussagen und kontextuelle Interpretation erarbeitet.
Das Herzstück der Diskursanalyse entspricht jedoch der Darstellung der sprachlich-rhetorischen Mittel. Hier werden Resultate der Diskursanalyse nach folgenden drei Emotionalisierungsstrategien veranschaulicht. Die Emotionalisierung durch die Strategie des „Wir-Gefühls“ beinhaltet das Ansprechen von gemeinsamen Bezugspunkten wie Werte und Nationalsymbole, das Ansprechen der französischen Geschichte, ebenso wie die Abgrenzung zwischen der „Wir-Gruppe“ und der „Die anderen-Gruppe“ zum Zweck der Kollektivbildung und -stärkung. Die Emotionalisierung durch Schlagwörter basiert auf der Theorie von Konnotation und Anspielung. Sie soll folglich bewirken, dass die von Marine Le Pen genannten Begriffe wie zum Beispiel banlieue, Goldman Sachs, Gandrange etc. Bilder bzw. unter anderem angsteinflößende Assoziationen in den Köpfen der Rezipienten hervorrufen. Da sich Le Pen selbst als kompetenteste aller KandidatInnen präsentiert und gleichzeitig andere abwertet, werden die WählerInnen dazu motiviert, sie zu unterstützen. Des Weiteren, verfolgt das, in Summe 103 mal gezählte, Ideologiewort liberté, als Vertreter fundamentaler Werte und Handlungsorientierungen, das Verhalten der Adressaten im Zuge des Appells zu lenken und zu beeinflussen. Die Emotionalisierung durch Bedrohung und Vermittlung von Angst als Handlungsaufforderung meint die Kampfmetaphorik als Aufforderung und emotionelle Legitimation zum Widerstand. Das Schema Opfer-Feind-Retter erlaubt Marine Le Pen diese drei Rollen willkürlich zuzuordnen und „aufgeklärte“ WählerInnen zu mobilisieren. Demnach drängt sie das französische Volk und die Nation Frankreich in die Rolle der Opfer. Andere Parteien und die EU werden als Feinde dargestellt. Sie selbst präsentiert sich, nach dem Vorbild Jeanne d’Arcs, als Retterin der Nation. Folglich werden die WählerInnen auf emotionelle Weise vor die Wahl gestellt als Opfer zu reagieren und zwar dadurch, dass sie von der Begünstigung der Feinde abgehen und die Retterin Marine Le Pen unterstützen. Der direkte Appell fordert die Rezipienten in unverschleierter Form auf, die „candidate des oubliés et des invisibles“ zur Präsidentin zu wählen, um die aktuelle, prekäre Situation Frankreichs zu wandeln. Nach Besprechung der drei persuasiven Strategien der Emotionalisierung, erfolgt schließlich die Darstellung der inhaltlich-ideologischen Aussagen und die kontextuelle Interpretation, in der alle erbrachten Fakten im Zusammenhang gesehen werden.
Im letzten Teil der Arbeit, der Conclusio, werden die vorab aufgestellten Hypothesen verifiziert bzw. falsifiziert und die forschungsleitende Fragestellung wieder aufgegriffen.
Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die persuasive Strategie des Emotionalisierens zum Zweck des Motivierens als Besonderheit Marine Le Pens Wahlkampfkommunikation gesehen wird und sie möglicherweise für ihren Erfolg verantwortlich ist.
Schlagwörter
Schlagwörter
(Deutsch)
Diskursanalyse Politolinguistik Persuasion Emotionalisierung Wahlkampf Präsidentschaftswahlen 2012 Marine Le Pen
Autor*innen
Stefanie Birschitzky
Haupttitel (Deutsch)
Analyse des politischen Diskurses von Marine Le Pen
Hauptuntertitel (Deutsch)
die persuasive Strategie des Emotionalisierens zum Zweck des Motivierens
Publikationsjahr
2012
Umfangsangabe
190 S. : Ill.
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Peter Cichon
Klassifikation
05 Kommunikationswissenschaft > 05.12 Kommunikationsprozesse
AC Nummer
AC09423824
Utheses ID
19179
Studienkennzahl
UA | 190 | 347 | 477 |
