Detailansicht

Die kalten 20 Jahre in den deutsch-türkischen Beziehungen nach dem Zerfall des Ostblocks (1990–2010)
Kâşif Kaya
Art der Arbeit
Dissertation
Universität
Universität Wien
Fakultät
Fakultät für Sozialwissenschaften
Betreuer*in
Johann Wimmer
Volltext in Browser öffnen
Alle Rechte vorbehalten / All rights reserved
DOI
10.25365/thesis.21678
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-29457.53520.782059-5
Link zu u:search
(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)

Abstracts

Abstract
(Deutsch)
Wenn man die deutsch-türkischen Beziehungen im Lichte der Theorie des politischen Realismus betrachtet stellt man fest, dass sie schon in den Zeiten des Osmanischen Reichs und Preußens eine freundschaftliche Natur besitzen. Dies kulminiert in den goldenen Zeiten mit der Unterstützung Deutschlands für den Antrag der Türkei auf Mitgliedschaft in der EWG von 1959 und mit dem positiven Beitrag der türkischen Gastarbeiter für die deutsche Wirtschaft. Allerdings änderte sich die Natur der Beziehungen mit dem Ende des Kalten Krieges. Mit der Wiedervereinigung erfüllte Deutschland sein größtes Ideal und wuchs zur Führungskraft Europas mit weltweiten Vorstellungen. Anderseits bekam auch die Türkei mit der Unabhängigkeit der Staaten in Turkestan, im Schwarzmeer-Raum und im Balkan die Chance ein führender regionaler Akteur zu werden. Da die Interessen der beiden Staaten im Rest des Ostblocks teilweise entgegengesetzt waren, kam es zu Spannungen in den Beziehungen. Darüber hinaus befürchtete Deutschland mit einem türkischen EU-Beitritt die Veränderung der Machtbalance zu Gunsten der Türkei. So verwendete besonders Helmut Kohl jede Möglichkeit, die Türkei von der EWG/EU fernzuhalten. Als sich die deutsch-türkischen Beziehungen auf eine eiserne „Kälte“ hinzubewegen drohten, führte Deutschland unter der Regierung von Gerhard Schröder leichte Änderungen in der Türkeipolitik ein. Diese Entwicklung wurde allerdings rückgängig gemacht, als nach der Annäherung der Türkei unter der Erdoğan-Regierung an die EU, Angela Merkel ihren Vorschlag einer „privilegierten Partnerschaft“ propagierte. Erst als mit der weltweiten und europäischen Finanz- und Wirtschaftskrise von 2008-2010 die deutsche Wirtschaft in eine prekäre Situation geriet und die türkische Wirtschaft- und Politik in den letzten Jahren erstaunliche Verbesserung aufzeigte, kam ein gewisses Gleichgewicht in die Beziehungen, was die Spannungen milderte. Der Anfang der „Wärmephase“ in den Beziehungen wurde mit der Friedenstaube Merkels, die sie Erdoğan übergab, und der Haltung des neuen Bundespräsidenten Christian Wulff gegenüber den türkischstämmigen Bürgern in Deutschland symbolisiert. In dieser Studie wird versucht grundsätzlich mit qualitativer Inhaltsanalyse die vorübergehende „Spannungsphase“ der deutsch-türkischen Beziehungen nach dem Zerfall des Ostblocks darzustellen und sie der Diskussion der Politikwissenschaft zu öffnen.

Schlagwörter

Schlagwörter
(Deutsch)
Deutschland Türkei Internationale Beziehungen
Autor*innen
Kâşif Kaya
Haupttitel (Deutsch)
Die kalten 20 Jahre in den deutsch-türkischen Beziehungen nach dem Zerfall des Ostblocks (1990–2010)
Publikationsjahr
2012
Umfangsangabe
VIII, 210 S.
Sprache
Deutsch
Beurteiler*innen
Johann Wimmer ,
Ingfrid Schütz-Müller
Klassifikation
89 Politologie > 89.70 Internationale Beziehungen: Allgemeines
AC Nummer
AC09374816
Utheses ID
19376
Studienkennzahl
UA | 092 | 300 | |
Universität Wien, Universitätsbibliothek, 1010 Wien, Universitätsring 1