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Mba'échapa
ein Beziehungsgefüge zwischen Guaraní sprechender europäisch-indigener Mehrheitsgesellschaft und den Mbyá als indigener Minderheit mit vergangenen und gegenwärtigen Bezügen in Paraguay
Marianne Knieling
Art der Arbeit
Diplomarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Fakultät für Sozialwissenschaften
Betreuer*in
Evelyne Puchegger-Ebner
DOI
10.25365/thesis.22130
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-29204.11826.473860-6
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Abstracts
Abstract
(Deutsch)
Ausgehend von den Missionsstrategien des Jesuitenordens unter der expandierenden Herrschaft der Spanier in Paraguay wird das Beziehungsgefüge einer kolonialen Siedlergemeinschaft zur indigenen Bevölkerung zunächst in ihren historischen Dimensionen dargestellt. Der Ansporn zum Aufbruch in die Neue Welt war gekennzeichnet durch die Suche nach asiatischen Handelszentren auf dem westlichen Seeweg. Das in der Neuen Welt vorgefundene und jeweils für den König in Besitz genommene Land betrachteten die conquistadores als menschenleer, da lange Zeit in Europa darüber diskutiert werden musste, ob die Autochthonen überhaupt Menschen seien. Die Indigenen wurden in den encomiendas, den an spanische Kolonisten zugewiesen Ländereien, in Form von versklavender Zwangsarbeit eingesetzt.
Das Gebiet des Rio-de-la-Plata-Raumes fiel durch den Teilungsvertrag von Tordesillas 1494 an Spanien, der östlichste Teil Südamerikas an Portugal. Zur Missionierung der Indigenen, den naturales de la tierra wurde das spanische Königshaus durch den Papst verpflichtet. Zuerst begann der Franziskanerorden mit einer Wandermission, später erhielten die Jesuiten den Missionsauftrag. Ihre besondere Missionsmethode sah das Zusammenziehen der nomadisch lebenden Bevölkerung in gesonderten Siedlungen vor, den reducciones. Von 1609 bis 1768 wurden dort Indigene „zivilisiert“ und evangelisiert. Zur effektiveren Christianisierung verfassten die Missionare von der gesprochenen Guaraní-Sprache nach europäischen Vorstellungen eine Grammatik, ein liturgisches Vokabular und entwarfen ein lateinisches Schriftbild.
Der überwiegende Teil der paraguayischen Bevölkerung spricht heute die Sprache der Autochthonen. Jedoch ist dadurch die nationale Identität mit einer widersprüchlichen Problematik behaftet. Die Spanier kamen ohne weibliche Begleitung nach Paraguay. Beinahe jeder spanische Kolonist hatte mehrere indigene Frauen und zeugte mit ihnen Kinder. Hier beginnt die Trennung zwischen einer neu entstehenden Mischgesellschaft und den sogenannten Indigenen, das heißt zwischen Nachkommen, die einen spanischen und solchen die einen indigenen Vater haben. Kinder spanischer Väter waren von Arbeitszwang und Tributpflicht befreit. Heute werden die Bewohnerinnen und Bewohner des Landes als paraguayos bezeichnet, die aus dieser Vermischung indigener und spanischer Vorfahren hervorgegangen sind.
Diese Arbeit befasst sich daher mit dem Diskurs zu Ethnizität und ethnischer Identität und den Zuweisungsmerkmalen einer heutigen nationalen Bevölkerung Paraguays zu den indigenen Gemeinschaften. Obwohl die paraguayische Mischgesellschaft indigene Wurzel hat und sich dies auch sprachlich manifestiert, ist das Nationalbewusstsein der Mehrheitsbevölkerung geprägt von einer widersprüchlichen Identität. Es drückt sich gegenüber der indigenen Bevölkerungsminderheit in einem respektlosen, wenn nicht gar feindlichen Verhalten aus.
Abstract
(Englisch)
The aim of this work is to present the inter-relationship between the Spanish conquerors and the natives in Paraguay particularly in its historical dimension with regard to the missionary strategies of the Jesuit order under the extending Spanish rule. The Iberians´ conquest of the South American continent was based on the desire for discovering rich trading regions.
As the conquistadores did not consider the inhabitants of the newly found land as human beings, a long lasting European discussion followed, whether autochthon Indians were “men of reason”. They were finally regarded as “men by law”. Although slavery was strictly forbidden and illegal by the Spanish Crown, they had to do forced labor on the royal feudal tenures, called ecomiendas. By the treaty of Tordesillas in 1494 the area of the Rio-de-la-Plata was governed by the Spanish viceroy, the Eastern part of South America became Portuguese territory. The Iberian kings were obliged by the Pope to convert the Indians to Catholicism. The first missionaries were itinerant Franciscan friars, later the Jesuits took over the mission work. Their specific method of doing mission was to gather the nomadic natives in separated and secluded settlements, so-called reducciones. From 1609 to 1768 Indians became “civilized” and convert to Christianity. Therefore the missionaries defined the oral Guaraní-language for record writing down vocabularies and grammar.
Today the majority of the Paraguayan population speaks Guaraní, the indigenous language of this region, which was used by the missionaries in Paraguay. Despite the fact of communicating in Guaraní, the present Paraguayans have problems with their identity. This is due to the women-less arrival of the Spaniards in Paraguay. By that time nearly every man possessed several indigenous wives and fathered a lot of children. The consequence was the segregation and discrimination between a new rising mixed society and the indigenous population. It was the origin of a new social class consisting of Spanish descendants. Important for social classification was whether the children had a Spanish or indigenous father. Children of Spanish fathers were neither forced to work as laborers nor to pay tribute.
Today they are the major inhabitants of the Paraguayan nation, they are called paraguayos, and as it explained their origin relationship between indigenous women and colonists.
This work deals with the question about ethnicity and ethnic identity concerning the Paraguayans´ approach toward the indigenous communities and their attitude to downgrade the native identity. The patriotism of the Paraguayan majority is defined by a contradictory and conflicting identity through their roots going back to the pre-columbian society of Paraguay. It manifests itself in the disrespectful and even hostile behavior against the indigenous minority.
Schlagwörter
Schlagwörter
(Deutsch)
Paraguay Kolonialismus Jesuitenmission Guaraní-Sprache Ethnizität Mehrheitsgesellschaft Guaraní-Minderheit
Autor*innen
Marianne Knieling
Haupttitel (Deutsch)
Mba'échapa
Hauptuntertitel (Deutsch)
ein Beziehungsgefüge zwischen Guaraní sprechender europäisch-indigener Mehrheitsgesellschaft und den Mbyá als indigener Minderheit mit vergangenen und gegenwärtigen Bezügen in Paraguay
Publikationsjahr
2012
Umfangsangabe
97 S. : Ill., Kt.
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Evelyne Puchegger-Ebner
Klassifikationen
73 Ethnologie > 73.64 Sprache, Kommunikation ,
73 Ethnologie > 73.74 Interethnische Beziehungen
AC Nummer
AC09588366
Utheses ID
19763
Studienkennzahl
UA | 307 | | |
