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Die Entstehung öffentlicher Kulte im westlichen Mittelitalien
Tina Mitterlechner
Art der Arbeit
Dissertation
Universität
Universität Wien
Fakultät
Historisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
Betreuer*in
Luciana Aigner-Foresti
Alle Rechte vorbehalten / All rights reserved
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-30160.43601.756563-7
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)

Abstracts

Abstract
(Deutsch)
Die Dissertation widmet sich der Fragen, ab wann öffentliche Kulte im westlichen Mittelitalien nachweisbar sind und welche ihre Vorstufen sind. Öffentliche Kulte werden als Kulte, die von einer über familiäre Strukturen hinausgehenden Siedlungsgemeinschaft einer bestimmten Stadt auf Befehl des Staates zu bestimmten Zeiten an bestimmten Orten zum Wohle der Gemeinschaft praktiziert werden, definiert bzw. als Kulte, deren Einrichtung und Durchführung durch staatliche Strukturen dauerhaft gefördert werden. Die Einleitung der Arbeit widmet sich neben Fragestellung, Forschungsstand sowie Definitionen und Begriffsabgrenzungen in erster Linie methodischen Überlegungen zum Phänomen und zur Identifikation öffentlicher Kulte. Im Rahmen des ersten Kapitels werden Indikatoren ausgearbeitet, um die Existenz öffentlicher Kulte untersuchen und nachweisen zu können. Zu den gewählten Indikatoren zählen monumentale öffentlich-sakrale Bauwerke, die Existenz von Stadtschutzgottheiten, das Vorhandensein eines institutionalisierten Kultpersonals, Hinweise auf die Existenz öffentlicher Kulthandlungen (z.B. Feste oder Opfer) sowie auf institutionalisierte Divinationstechniken. Diese Indikatoren wurden gewählt, da sie eine starke identitätsstiftende und integrierende Funktion besitzen, welche für staatlich angeordnete oder geförderte Kulte charakteristisch sind. Das zweite Kapitel thematisiert die Entwicklung und Institutionalisierung von religiösen Systemen. Es werden vor allem jene Faktoren, die einen Religionswandel bedingen und die Ausbildung von institutionalisierten Religionsformen fördern können, analysiert, um so die religionswissenschaftliche Basis für die nachfolgende konkrete Untersuchung darzulegen. Das folgende Kapitel „Hütten und Residenzen als Kultorte?“ beleuchtet frühere Formen kommunaler Kultausübung im westlichen Mittelitalien. Es wird der Frage nachgegangen, in welchem Umfeld gemeinschaftliche Religionsausübung vor der Entstehung öffentlicher Kulte praktiziert wurde. Dabei wird zum einen untersucht, welche Rolle unüberdachte Kultorte bei der Entstehung öffentlicher Kulte spielten und zum anderen, ob die sogenannten Residenzen, denen in der Vergangenheit oft eine religiöse Funktion zugesprochen wurde, tatsächlich eine solche hatten und daher als Vorgänger öffentlicher Kulte im westlichen Mittelitalien interpretiert werden können. Während unüberdachte Heiligtümer in vielen Fällen als Vorläufer öffentlicher Kulte angesprochen werden können, ist im Gegensatz dazu ein Anteil der sogenannten Residenzen an der Entstehung öffentlicher Kulte kaum nachweisbar. Das vierte Kapitel stellt den Schwerpunkt der Studie dar; in diesem Abschnitt wird die Existenz öffentlicher Kulte in verschiedenen Städten Mittelitaliens (Vulci, Caere, Tarquinia, Veji, Rom, Lavinium und Satricum) anhand der oben erwähnten Indikatoren untersucht. Die beschriebenen Indikatoren werden im westlichen Mittelitalien im Laufe des 6. Jh. v. Chr. greifbar, wobei starke Unterschiede – vor allem chronologischer Natur - zwischen den verschiedenen Städten deutlich werden: So weist Caere bereits ab der ersten Hälfte des 6. Jh. v. Chr. Hinweise auf ausgeprägte religiöse Strukturen auf, während Indizien für eine öffentliche Kultausübung in Vulci erst ab dem Ende des 6. Jh. v. Chr. greifbar werden. Im Rahmen der Dissertation wurde außerdem die Frage untersucht, ob öffentliche Kulte aus privaten Kulten hervorgegangen sind oder ob sie auf gemeinschaftlichen Kulten basieren. Als Ergebnis ist festzuhalten, dass die meisten öffentlichen Kulte entweder auf älteren Kulten basieren, welche bereits von einer Gemeinschaft praktiziert wurden, oder aber auf Neugründungen zurückgehen. Ein privater Ursprung öffentlicher Kulte ist vor dem Hintergrund des archäologischen Materials nicht nachweisbar. Das Quellenmaterial lässt – zusammenfassend betrachtet – einen graduellen Entwicklungsprozess erkennen, welcher ohne Zäsuren und abrupte Wechsel verlief, und führt somit zum Schluss einer endogenen Entwicklung: Viele sakrale Errungenschaften – schriftlich fixierte Kalender, monumentale Heiligtümer, sakrale Positionen oder Formen der Kultpraxis – gehen in ihrem Kern auf ältere Institutionen zurück, sind aber in vielen Fällen erst ab dem 6. Jh. v. Chr. greifbar. Die These der endogenen Entwicklung wird auch durch das Fehlen von Fremdbezeichnungen für sakrale Ämter und Feste bestätigt. Die Institutionalisierung religiöser Spezialisten und Kulte im westlichen Mittelitalien ist somit in erster Linie als eine eigenständige Entwicklung zu definieren.
Abstract
(Englisch)
The thesis investigates from what time in history there is proof for civic cults in the Western part of Central Italy and what had led to them. Civic cults are defined as cults of a certain city celebrated at defined times and defined locations on public decree by a community wider than the family for the communal good; they can also be described as cults that are established and fostered by civic entities. The introduction deals with the definition of the problem, research to date, important definitions and methodical approaches regarding the phenomenon and identification of civic cults. Part of the chapter is devoted to the designation of indicators of the existence and nature of civic cults. Among the indicators chosen are monumental public sanctuaries, the existence of patron deities, the presence of cult functionaries, evidence of public worship (e.g. festivals, sacrifices), as well as institutionalised forms of divination. These indicators prove the performance of civic cults and give social groups cohesion and identity, typical for civic cults established and fostered by civic entities. The second chapter deals with development and institutionalisation of religion. Factors that might lead to a change in religion and promote the establishment of institutionalised forms of religion are being analysed to demonstrate the religious basis for the following investigation. The next chapter titled “huts and residences as places of worship?” looks into early forms of communal performance of cults in the Western part of Central Italy. A key question is in what environment early communal cults were celebrated and which types of celebrations form the basis for the establishment of civic cults. The role of open air sancuaries and whether so called residences had any significance in the evolution of civic cults in the Western part of Central Italy is investigated. While open air places of worship are in many cases the precursor of civic cults, residences don’t have any significance in the development of civic cults. The fourth chapter represents the key part of the thesis. The existence of civic cults in a few Central Italian cities (Vulci, Caere, Tarquinia, Veio, Rome, Lavinium and Satricum) by use of above described indicators is examined. The indicators are obvious from the 6th century BC but it can be assumed that they go back further. There exist, however, significant differences between the analysed cities, in particular regarding the chronology. Furthermore it is analysed whether public cults were established as common cults or whether they evolved from private ones. The thesis demonstrates that most civic cults are either based on older, established and communally celebrated ones or are newly founded. Private origins of civic cults can not be proven with investigated archaeological material. Moreover, the factors that led to the institutionalisation of religious specialists and cults are studied and whether this development was influenced by external factors or represents a process of its own. The source materials suggest a gradual development, without any sudden changes, hence an endogenous process of evolution can be assumed. Many religious institutions, such as festival calendars, temples, religious functionaries, etc, are based on older institutions but can be demonstrated from the 6th century BC onwards only. The thesis of an endogenous development is confirmed further by the lack of foreign titles for religious specialists and celebrations.

Schlagwörter

Schlagwörter
(Englisch)
Etruscology Etruscan religion Etruscan sanctuaries public cults
Schlagwörter
(Deutsch)
Etruskologie etruskische Religion etruskische Heiligtümer öffentliche Kulte
Autor*innen
Tina Mitterlechner
Haupttitel (Deutsch)
Die Entstehung öffentlicher Kulte im westlichen Mittelitalien
Paralleltitel (Englisch)
The evolution of public cults in the western part of central Italy
Publikationsjahr
2008
Umfangsangabe
V, 280, 31 S. : Ill., graph. Darst., Kt.
Sprache
Deutsch
Beurteiler*innen
Luciana Aigner-Foresti ,
Hans Taeuber
Klassifikation
15 Geschichte > 15.25 Alte Geschichte
AC Nummer
AC05039046
Utheses ID
1979
Studienkennzahl
UA | 092 | 312 | |
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