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Migration in Lateinamerika
Wandlung vom Einwanderungs- zum Auswanderungskontinent
Sara Sorger
Art der Arbeit
Diplomarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Fakultät für Sozialwissenschaften
Betreuer*in
Gernot Stimmer
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Alle Rechte vorbehalten / All rights reserved
DOI
10.25365/thesis.22553
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-30127.07768.990954-3
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)

Abstracts

Abstract
(Deutsch)
Migration betrifft weltweit Millionen von Menschen und die unterschiedlichsten Gründe veranlassen diese dazu, ihre Heimat zu verlassen (DGB Bildungswerk 2007). Migration ist eine der größten gesellschaftlichen Herausforderungen unserer Zeit (Düvel 2006: 2). Sie war schon immer Teil der Menschengeschichte und seit dem 20. Jahrhundert konnte kein Staat diesen massiven Menschenbewegungen entweichen. In den letzten Jahrzehnten erscheint die Migration immer häufiger auf nationalen und internationalen Agenden. Migration kann die demographischen, ökonomischen und sozialen Strukturen ändern sowie zur neuen kulturellen Vielfalt beitragen. Seit der Eroberung Lateinamerikas 1492 prägen Wanderungsbewegungen den gesamten amerikanischen Kontinent. Die „indigene“ Bevölkerung wurde unter der Kolonialherrschaft vielfach zwangsumgesiedelt oder zur Flucht gezwungen. Sklaven aus Afrika wurden auf die Plantagen in der Karibik und Lateinamerika verschleppt. Mitte des 19. Jahrhunderts setzte die große Einwanderungswelle Europäischer SiedlerInnen ein (Wetzlar 2003). Die größten Wanderungsbewegungen des 20. Jahrhunderts fanden gerade innerhalb Lateinamerikas statt, so sind heute etwa 10 Prozent aller internationalen MigrantInnen (vgl. Portes 2004). Lateinamerika erfuhr am Ende des 20. Jahrhundert eine Transformation: der Subkontinent wurde von einer Einwanderungs- zu einer Auswanderungsregion. Die massiven Emigrationsströme aus Lateinamerika Richtung Norden und Süden, lösten soziale, wirtschaftliche und kulturelle Veränderungen aus und hinterließen ernste Konsequenzen sowie im Aufnahme- als auch im Heimatland. Historisch gesehen wurden Sprachen, Religionen, Wirtschaft, Politik, Kultur und die demographische Struktur Lateinamerikas durch einen großen Zufluss von internationalen MigrantInnen geprägt. Politische und wirtschaftliche Krisen und Instabilitäten, immer präsente Umweltprobleme, die soziale Situation (die hohe Korruptionsrate, ungebremste Zunahme von Gewalt, Drogenhandel und organisierter Kriminalität) sowie vereinzelt gefährdeten Demokratien entwurzeln viele ausgebildete, arbeitsame sowie arme und wohlhabende Menschen, die auf der Suche nach einem besseren und sichereren Leben sind. Sie versuchen dieses Leben im Ausland zu finden, dort viel Geld zu verdienen und damit daheimgebliebene Familien finanziell zu unterstützen. Und wer weiß, vielleicht kehren sie eines Tages wieder zurück. Ein erheblicher Anteil der lateinamerikanischen MigrantInnen weltweit besitzt keinen regulären Aufenthaltsstatus. Durch den Anstieg von undokumentierten bzw. irregulären MigrantInnen aus Lateinamerika wurde das Vorurteil über diese Gruppe von ImmigrantInnen höchstwahrscheinlich noch verfestigt: die LateinamerikanerInnen besitzen ein niedriges Bildungsniveau und einen niedrigen sozialen Status. Inzwischen wurden die ImmigrantInnen allmählich als wichtige Akteure bei der Entwicklung ihrer Herkunftsländer anerkannt, vor allem wegen ihrer Geldrücküberweisungen, aber auch wegen der soziokulturellen Transformationen durch die Einführung von neuen Lebensformen, Werten, Verbrauchsgewohnheiten und -strukturen (vgl. Guarnizo 2004). Die (regelmäßigen) Geldüberweisungen bzw. Remesas von Ausgewanderten sind für viele lateinamerikanische Haushalte ein wichtiger Teil ihres Einkommens. In den letzten Jahrzehnten stiegen die Beträge weltweiter Rücküberweisungen sowohl nominal als auch relativ stetig an. Heute stellen die Remesas für viele Entwicklungsländer eine bedeutende Einkommensquelle dar. Die Remesas deuten unter anderem auf eine enge Bindung der EmigrantInnen an ihre Familien (Hertlein/ Vadean 2006: 1). Aus der transnationalen Perspektive ermöglichen die modernen Kommunikationstechnologien und billige Transportmöglichkeiten den MigrantInnen einen ständigen Kontakt mit ihren Familienmitgliedern, Verwandten und Freunden aufrechtzuerhalten (vgl. Glick Schiller, Basch, Blanc-Szanton 1997). Die bisherigen Vorstellungen und klassische Typen von Migration und MigrantInnen sind heutzutage unzureichend, da heute die MigrantInnen immer mehr dazu neigen, Netzwerke, Aktivitäten und Lebensmuster zu schaffen, die sowohl ihre Gast- als auch ihre Heimatgesellschaften umfassen (vgl. Glick Schiller, Basch, Blanc-Szanton 1997: 81). Die TransmigrantInnen „pendeln“ häufig zwischen Heimat- und Zielland hin und her und erhalten, ungeachtet von ihrer Niederlassung im Ausland, starke Verbindungen zu ihrem Herkunftsort. „Während unterschiedlichste Formen von Beziehungen der Migrant/innen zu ihrem Heimatland historisch betrachtet schon immer existierten, haben die heutigen Beziehungen gänzlich andere Voraussetzungen und eine neue, intensivere Qualität erlangt. [...] Ebenso haben transnationale Beziehungen sichtbare ökonomische, politische und sozio-kulturelle Auswirkungen auf die Migrant/innen, deren Familien oder Kollektivitäten: Dazu gehört beispielsweise die Auswirkung von Geldüberweisungen oder nicht monetären Gütern auf die lokalen Ökonomien und Arbeitsmärkte, ebenso wie die sozio-kulturellen Einflüsse auf die Verhandlung von Identitäten durch transkulturelle Ehen, religiöse Aktivitäten oder Medien. Auf politischer Ebene spielt etwa die Frage der „multiple citizenship“ eine wichtige Rolle“ (vgl. Luethi 2005). Nach meiner Erkenntnis bilden die Migranten und Migrantinnen Netzwerke, schließen sich in Organisationen zusammen, gründen Kultur- und Informationszentren, sorgen für Radiosendungen und TV-Programme auf lokaler Ebene, geben gelegentlich oder regelmäßig Zeitungen heraus, bewegen Gemeindeverwaltungen bzw. Regierungen sowie des Heimat- als aus des Aufnahmelandes sie bei ihren Projekten und Veranstaltungen zu unterstützen. MigrantInnen bilden Brücken zwischen ihren Heimatort und Aufenthaltsort bzw. zwischen ihrer Heimat und dem Aufnahmeland. Damit schaffen sie es ihre Kultur, Werte und Lebensphilosophie ihrer Gemeinschaft und KameradInnen näher zu bringen, und ihr altes Leben hinter sich zu lassen.

Schlagwörter

Schlagwörter
(Deutsch)
Lateinamerika Migration Brazucas
Autor*innen
Sara Sorger
Haupttitel (Deutsch)
Migration in Lateinamerika
Hauptuntertitel (Deutsch)
Wandlung vom Einwanderungs- zum Auswanderungskontinent
Publikationsjahr
2011
Umfangsangabe
156 S. : graph. Darst., Kt.
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Gernot Stimmer
Klassifikation
89 Politologie > 89.90 Außenpolitik, Internationale Politik
AC Nummer
AC08952424
Utheses ID
20133
Studienkennzahl
UA | 300 | | |
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