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"Reißt die Mauern nieder"
eine schier zeitlose Aufforderung an jede Generation, am Beispiel des 7. Oktober 1938 und 7. Oktober 1988
Andrea Moser
Art der Arbeit
Diplomarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Historisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
Betreuer*in
Wolfdieter Bihl
DOI
10.25365/thesis.2386
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-29318.43869.862554-3
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)
Abstracts
Abstract
(Deutsch)
In der vorliegenden Arbeit wurde versucht, die Ereignisse vom den 7. und 8.Oktober 1938 anhand von literarischen Zeugnissen und Erinnerungen von Zeitzeugen näherhin zu doku-mentieren. Aus der Gesamtschau der Ereignisse lässt sich ablesen, dass die spontane Ent-scheidung von Kardinal Innitzer, bekleidet mit den bischöflichen Insignien die Pilgramkan-zel zu besteigen, um zu den anwesenden Jugendliche zu sprechen, ursprünglich nicht vorge-sehen war. Der Inhalt der Predigt bestand in tröstenden Worten ob der Verbote aller katho-lischen Jugendverbände, in Dankesworten für ihr Erscheinen und Ermutigungen zum Fes-thalten am Glauben.
Der Inhalt der Rede war nicht vorbereitet, sondern liegt nur in einem Stenogramm vor, das im Erzbischöflichen Archiv einsehbar ist. Obwohl Zeitzeugen sich nicht erinnern können, ob Innitzer die Worte “Unser Führer ist Jesus Christus“ tatsächlich gesagt habe, lässt sich aus dem Stenogramm ablesen, dass er im Kontext tatsächlich gesagt hat, wir wollen (…) unseren Glauben bekennen, uns zu Christus bekennen, unserem Führer und Meister, aber ohne besondere Akzentsetzung.
Der Versuch von Msgr. Stur, die versammelten Jugendlichen eindringlich zu ermahnen, möglichst schnell und ohne Aufenthalt nach Hause zu gehen, wurde durch das Einsetzen der Orgel verhindert. Die Jugendliche verblieben nach der Feier noch am Stephansplatz, wo zunächst gesungen wurde. Später entwickelten sich Sprechchöre, des Inhaltes „Wir wollen unseren Bischof sehen!“, die Kardinal Innitzer letztlich zum Erscheinen an einem der Fens-ter des Erzbischöflichen Palais bewegten. Er versuchte die Jugendlichen zu beruhigen und bat sie ihren Heimweg anzutreten.
Am nachfolgenden Tag stürmten Jugendliche das Erzbischöfliche Palais, um Kardinal In-nitzers habhaft zu werden. Es gelingt nicht. Die Folgen der Erstürmung sind massive Zer-störungen an Einrichtung und Gebäude, sowie schwere Verletzungen eines Geistlichen. Die beim Anstürmen der Jugendlichen gerufene Polizei trifft erst ein, als das Zerstörungswerk vollzogen ist und die Jugendlichen das Palais verlassen haben. Mitglieder der Gestapo ver-langen von den zivilen Angestellten des Palais strenges Stillschweigen über die Ereignisse. Danach wird das Gebäude von der Umwelt hermetisch abgeriegelt.
Später wird bezeugt, dass an die Polizei Order ergangen war, nicht bzw. verspätet an den Ort der Ereignisse zu kommen.
Es handelte sich bei dem Sturm auf das Palais nicht um eine Spontanhandlung der Hitler Jugend, sondern um einen geplanten Einsatz der vom Führer des HJ-Banners Wien, Funk angeordnet wurde. Durch Melder wurden bestimmte HJ Mitglieder aufgefordert, in Zivil ohne Abzeichen oder Führerausweis, sich am 8. Oktober um 19.30 am Stephansplatz einzu-finden.
Um nicht beim historisch bewundernden Akt für die Jugend von 1938 stehen zu bleiben, wollten die Verantwortlichen der Kath. Jugend von 1988, den Jugendlichen von heute hel-fen, Mauern des Unrechts, der Angst, des Hasses, der Unterdrückung, in unserer heutigen Gesellschaft zu erkennen und aufzeigen, dass es zu allen Zeiten Sinn macht, im Namen un-seres christlichen Glaubens, dagegen anzukämpfen.
In der Planungsphase des Gedenkgottesdienstes für den 7. Oktober 1988 war man
bemüht, die Lebenssituation der (jungen) Menschen von heute, die gesellschaftlichen Ent-wicklungen und die Probleme des Glaubens und Lebens zu erfassen und aufzugreifen. Be-drohungen und Vorurteile erkennen zu helfen und Wege daraus aufzuzeigen
oder zumindest zu gemeinschaftlich zu suchen.
Durch die vorliegende Arbeit sollte die Planungsphase der Veranstaltung in kleinem Kreise, bis hin zum Ablauf der Großveranstaltung und deren Reflexion, dokumentiert werden.
Ein realer historischer Rückgriff bestand in der Methode der „Mundpropaganda“, die auch 1988 als Mittel eingesetzt wurde, um die Einladung. „Am 7. Oktober im Dom!“ zu verbrei-ten. Das Ergebnis zeigte, dass diese „Art der Werbung“ damals wie heute“ von großer Wirksamkeit war. So konnte auch der Gottesdienst am 7. Oktober 1988 ein eindrucksvolles Zeugnis lebendigen Glaubens der katholischen Jugendlichen in und um Wien werden.
Schlagwörter
Schlagwörter
(Deutsch)
Rosenkranzfest Kardinal Innitzer Sturm aufs Pallais Zeitzeugen 50-Jahr-Feier katholische Jugend der Erzdiözese
Autor*innen
Andrea Moser
Haupttitel (Deutsch)
"Reißt die Mauern nieder"
Hauptuntertitel (Deutsch)
eine schier zeitlose Aufforderung an jede Generation, am Beispiel des 7. Oktober 1938 und 7. Oktober 1988
Paralleltitel (Englisch)
"Pull down the walls"
Publikationsjahr
2008
Umfangsangabe
135 Bl. : Ill., graph. Darst.
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Wolfdieter Bihl
AC Nummer
AC07084266
Utheses ID
2032
Studienkennzahl
UA | 313 | 020 | |
