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Das Framing chinesischer Medienereignisse im Vergleich
eine Analyse zu den Fällen Bo Xilai und Chen Guangcheng in den Medien "die Zeit", "der Standard", "Frankfurter Allgemeine Zeitung", "China Daily" und der "Xinhua News Agency"
Raffael Heiss
Art der Arbeit
Magisterarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Fakultät für Sozialwissenschaften
Betreuer*in
Alfred Thomas Bauer
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Alle Rechte vorbehalten / All rights reserved
DOI
10.25365/thesis.22935
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-29130.34161.933465-5
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Abstracts

Abstract
(Deutsch)
Diese Arbeit vergleicht die Berichterstattung zu zwei chinesischen Medienereignissen – dem politischen Sturz von Bo Xilai und die Flucht des Dissidenten Chen Guangcheng – in ausgewählten deutschen, österreichischen und chinesischen Medien. Dabei wird dem chinesischen Vorwurf nachgegangen, die westliche Berichterstattung würde ein verzerrtes Bild innerchinesischer Ereignisse zeichnen und würde damit die Öffentlichkeit fehlleiten. Ziel der Arbeit ist es, herauszufinden, ob tatsächlich ein Qualitätsmangel in der westlichen Chinaberichterstattung existiert oder ob die Vorwürfe auf systemisch-kulturellen Differenzen zwischen demokratisch und autoritär institutionalisierten Mediensystemen beruhen. Dafür wird im theoretischen Teil zuerst auf wirkungs- und nutzungstheoretische Ansätze eingegangen. Dabei wird der dynamisch-transaktionale Ansatz, der Medienwirkung als Resultat der Informationsinterpretation der RezipientInnen basierend auf ihrem existierenden Wissen definiert. Nach einer Erläuterung der Agenda-Setting Forschung, wird der ihr verwandte Framing Ansatz, der die Basis für die empirische Analyse bildet, vorgestellt. Der Ansatz behauptet, dass jedes Ereignis in den Medien aus einer bestimmten Perspektive präsentiert wird, die sich besonders durch einen spezifischen Kausalzusammenhang ausdrückt. Zudem wird der journalistische Qualitätsbegriff definiert und dabei verschiedene Sichtweisen vorgestellt. In einem Kapitel zum Verhältnis zwischen Medien und Politik wird der Frage der Medieninstitutionalisierung nachgegangen und die Konsequenzen des Verhältnisses zwischen Politik und Medien für die mediale Berichterstattung reflektiert. Die im empirischen Teil durchgeführte Framing Analyse zeigt, dass in der westlichen Berichterstattung die konflikthafte Dramatisierung eine dominante Rolle spielt. In der chinesischen Berichterstattung kommt hingegen der politische Einfluss stark zum Vorschein. So etwa beim Fall Bo Xilai, der in den westlichen Medien aus der Perspektive des Machtkampfes beleuchtet wurde, während ihn die chinesischen Medien aus einer rein kriminalistischen Perspektive diskutierten. Dieser Befund bekräftigt das Argument, dass systemische und medienkulturelle Gründe bei den Vorwürfen eine zentrale Rolle spielen. Die Analyse zeigt jedoch auch, dass die übermäßige Konfliktorientierung und die starke Thematisierungsbereitschaft von Menschenrechten, Pressefreiheit oder politischer Instabilität mit westlichen Stereotypen zusammenhängen, die sich trotz des Wandels Chinas als äußerst standhaft erweisen. Qualitätsmedien sind deshalb dazu angehalten, sensible chinesische Ereignisse nicht automatisch aus einer Konfliktperspektive zu präsentieren, sondern viele Perspektiven einzubeziehen und nicht mehr zeitgerechten Stereotypen entgegenzuwirken.
Abstract
(Englisch)
This thesis provides a comparative framing analysis of the media coverage of Bo Xilai`s political downfall and the case of the political dissident Chen Guangcheng in selected Austrian, German and Chinese media. Chinese media argue that the Western coverage of Chinese events is biased and therefore misleads the public. The goal of my thesis is to find out whether a media bias can be confirmed by an empirical analysis or if such accusations are related to differences in media institutions and culture. The theoretical part will first discuss theories concerning the influence of the media coverage on the public opinion. In doing so, I will especially dwell on the dynamic-transactional approach which argues that media effects result from users’ interpretations of the coverage based on their existing knowledge. After discussing the agenda-setting research tradition, I will review the related concept of framing. A media frame is the perspective from which events are presented by the media and is usually defined by the causal interpretation of the problem. The theoretical part also includes a discussion of media performance, since the Chinese accusations are directly related to this term. Furthermore, the relationship between politics and the media in different political systems (authoritarian vs. democratic) will be described. The relationship will also be analyzed in terms of the consequences for news media coverage. The empirical analysis shows that conflict and dramatization plays a major role in the Western media coverage. The Chinese coverage, on the other hand, is dominated by political interests and is thus much less dramatized. This reinforces the argument that the effect of media institutions and culture on the differences in coverage is strong and thus serves as an explanation for the accusations against the Western media coverage. However, the thesis also argues that the conflict orientation and the comparably strong focus on human rights, press freedom or political instability correspond with stereotypes existing in Western societies and which have proven to be resistant despite the huge changes within the Chinese society. Even though the western media coverage can hardly be described as biased, high quality media should be encouraged to cover politically sensitive cases not only from the perspective of conflict but from multiple perspectives and to counter stereotypes that no longer represent the realities of a rapidly changing China.

Schlagwörter

Schlagwörter
(Deutsch)
Frame Framing Analyse China
Autor*innen
Raffael Heiss
Haupttitel (Deutsch)
Das Framing chinesischer Medienereignisse im Vergleich
Hauptuntertitel (Deutsch)
eine Analyse zu den Fällen Bo Xilai und Chen Guangcheng in den Medien "die Zeit", "der Standard", "Frankfurter Allgemeine Zeitung", "China Daily" und der "Xinhua News Agency"
Publikationsjahr
2012
Umfangsangabe
303 S. : graph. Darst.
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Alfred Thomas Bauer
Klassifikation
05 Kommunikationswissenschaft > 05.30 Massenkommunikation, Massenmedien: Allgemeines
AC Nummer
AC11023178
Utheses ID
20497
Studienkennzahl
UA | 066 | 841 | |
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