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Österreich und die DDR 1949 - 1989/90
Beziehungen - Kontakte - Wahrnehmungen
Maximilian Graf
Art der Arbeit
Dissertation
Universität
Universität Wien
Fakultät
Historisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
Betreuer*in
Arnold Suppan
Alle Rechte vorbehalten / All rights reserved
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-29149.86953.349665-8
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)

Abstracts

Abstract
(Deutsch)
Bei der vorliegenden Dissertationsschrift handelt es sich um die erste auf breiter Quellenbasis fußende Analyse der Beziehungen zwischen Österreich und der DDR von 1949 bis 1989/90. Archivquellen aus elf Archiven in Österreich und Deutschland wurden im Zuge der Analyse des vielschichtigen Verhältnisses ausgewertet. In drei Erzählsträngen werden die Bereiche Politik und Diplomatie, Wirtschaft sowie die Parteibeziehungen zwischen KPÖ und SED dargestellt. Nach einer kurzen Vorgeschichte zu den Entwicklungen in Österreich und Deutschland nach 1945 gliedert sich die Arbeit in zwei Hauptabschnitte. Der erste nimmt die Periode der Nichtanerkennung von 1949 bis 1972 unter die Lupe, der zweite fokussiert auf die Entwicklung der bilateralen Beziehungen nach der diplomatischen Anerkennung der DDR durch Österreich 1972. Den Ereignissen in den Jahren 1989/90 ist ein separates Schlusskapitel gewidmet, in dem die Erzählstränge ineinander verschmolzen werden. Jeweils zu Beginn eines Abschnitts wird auf die wechselseitigen Wahrnehmungen, primär auf Basis diplomatischer Quellen, eingegangen. Von der Gründung der DDR 1949 bis zum Abschluss des Österreichischen Staatsvertrags 1955 waren offizielle bilaterale Beziehungen in Ermangelung der nötigen Souveränität unmöglich. Danach bildeten die Hallstein-Doktrin und Österreichs Bedachtheit auf das Verhältnis zur BRD die Hinderungsgründe, allem Streben der DDR nach Anerkennung zum Trotz. Dennoch entwickelten sich inoffizielle diplomatische und politische Kontakte, die sich teilweise in Unkenntnis der BRD vollzogen, und gelegentlich wurden die Grenzen der Hallstein-Doktrin ausgelotet. Der bundesdeutschen „Neuen Ostpolitik“ stand Österreich positiv gegenüber und diese ermöglichte schließlich auch die Anerkennung der DDR, die von Österreich auch bereits am Tag der Unterzeichnung des Grundlagenvertrages am 21. Dezember 1972 vollzogen wurde. Daraufhin behandelte Österreich die DDR, auch wenn gewisse Rücksichten auf die Problematik der deutsch-deutschen Beziehungen genommen wurden, wie die übrigen realsozialistischen Staaten Europas im Rahmen seiner „Nachbarschaftspolitik“, der österreichischen Form der „Ostpolitik“, die stets vom Streben nach Entspannung im Kalten Krieg aber auch zum österreichischen Vorteil getragen war. Ein derartiges Verhalten kam der auf internationales Ansehen abzielenden DDR entgegen, sodass sich rasch ein gut ausgebautes und von beiden Seiten durchaus geschätztes bilaterales Verhältnis ausbilden konnte, das zunächst sowohl die Führung der DDR als auch Teile der österreichischen Regierung durchaus auch nach dem Fall der Mauer gerne beibehalten hätten. Die Wirtschaftsbeziehungen zwischen den beiden Staaten waren in ihrer Qualität, zumindest in Zahlen gemessen, ein Kind der Entwicklung der politischen Beziehungen, wenngleich das Engagement der KPÖ-Wirtschaftskreise bereits Anfang der 1950er Jahre einsetzte und bis heute seine Nachwirkungen hat. Bis zur Anerkennung wurde der offizielle Handel auf der Grundlage von Kammerabkommen abgewickelt. Erst 1973 wurde das erste staatliche Handelsabkommen geschlossen. Den Schwerpunkt im Bereich der Wirtschaft, die eine tragende Säule der Entwicklung der bilateralen Beziehungen wurde, bildeten österreichische Kreditvergaben an die DDR, für die im Gegenzug Großaufträge an die verstaatlichte Industrie Österreichs vergeben wurden. Die Beziehungen zwischen KPÖ und SED gerieten nach deren problemfreien Aufbau und dem Verlust der innenpolitischen Bedeutung der österreichischen Kommunisten in den 1960er Jahren in eine schwere Krise. Erst 1971 waren die Wogen wieder geglättet. Die KPÖ kehrte auf eine den sozialistischen Staaten genehme Linie zurück. Fortan pflegten die beiden „Bruderparteien“ ein enges und weitgehend problemfreies Verhältnis. Bei der Beurteilung des „Eurokommunismus“ aber auch der Reformpolitik Gorbačevs stimmte man mit der SED in hohem Maße überein. Das Jahr 1989 war für die KPÖ ein Schock.
Abstract
(Englisch)
This dissertation provides the first detailed analysis of relations between Austria and the German Democratic Republic (GDR) from the early postwar period until the end of the Cold War. It is based on extensive research in eleven Austrian and German archives. Until recently, little research had been done on this topic. Based on the latest available archival sources (of Austrian, East and West German provenience) several new insights may be offered. With respect to Austrian-East German relations we can distinguish two stages; 1) the period of non-recognition (1949/55-1972), when the West German “Hallstein doctrine” hindered official relations and 2) the period of bilateral relations that developed fairly well between 1973 and 1990. Each of these two stages is broken down in this study into separate chapters on diplomacy and politics, economics as well as relations between the Austrian and the East German communists. Additionally, the final chapter dealing with the events of 1989/90 (the revolution in the GDR, the final phase of Austrian-East German relations and the Austrian position on German reunification) brings all the fields of study together again. At the beginning of each section a brief summary of (mainly diplomatic) perceptions of the other state is given. Due to the lack of sovereignty, it was impossible to establish official relations between Austria and the GDR until the signing of the Austrian State Treaty in May 1955, which finally marked the complete restoration of Austrian independence. Thereafter the West German “Hallstein doctrine” and the importance of good relations with the Federal Republic of Germany (FRG) discouraged Austria from recognizing the GDR. All East German efforts to gain recognition remained without success. Nevertheless, hitherto little known but quite intense unofficial diplomatic and political contacts characterized the first period. However, despite these apparent East German successes and more intense diplomatic and political contacts after the FRG implemented its “Neue Ostpolitik”, which was welcomed by Austria, the Viennese government continued its policy of non–recognition of the GDR until the signing of the German–German Basic Treaty in 1972. After 1972, on the other hand, Austria acted as a diplomatic “ice breaker” for the GDR in accordance with its standard policy towards the east European Socialist states, even though the complexity of German-German relations remained. East Berlin honoured this help in several ways. Within a short period, a good relationship developed that many Austrian politicians would have liked to maintain, even after the fall of the Berlin wall. The hard data indicate that economic relations were a function of improved political relations. The main reason for the expanding economic ties after 1972 were Austrian credits given to the GDR, for which Austria’s nationalized industries in return received large orders from the GDR. These contacts became an important factor in further improving Austrian-East German relations. Additionally economic activities by the Austrian communists in connection with the GDR dated to the early postwar period and their aftermath is still being felt today. The postwar relationship between Austrian and East German communists evolved without any severe problems over almost two decades. However, in the mid-1960s a crisis broke developed. The reason was that the East Germans strictly opposed all reformist ideas within the Austrian party. Only after the Muscovite wing within the Austrian party won the inner-party struggle, did relations again improve. They proved to be very close. The understanding of so-called “eurocommunism” and Gorbachev’s reforms turned out to be very similar in both parties. Additionally, there were strong economic and financial ties between the Austrian and the East German communists. Hence, it is no surprise that the events in 1989 were a shock for the Austrian communists.

Schlagwörter

Schlagwörter
(Englisch)
Austria GDR International relations 1945 - 1990 Cold War KPÖ SED East-West-relations bilateral foreign trade
Schlagwörter
(Deutsch)
Österreich DDR Internationale Beziehungen 1945 - 1990 Kalter Krieg KPÖ SED Ost-West-Beziehungen bilaterale Handelsbeziehungen
Autor*innen
Maximilian Graf
Haupttitel (Deutsch)
Österreich und die DDR 1949 - 1989/90
Hauptuntertitel (Deutsch)
Beziehungen - Kontakte - Wahrnehmungen
Paralleltitel (Englisch)
Austria and the GDR 1949 - 1989/90 ; contacts -relations - perceptions
Publikationsjahr
2012
Umfangsangabe
874 S.
Sprache
Deutsch
Beurteiler*innen
Arnold Suppan ,
Oliver Rathkolb
Klassifikationen
15 Geschichte > 15.06 Politische Geschichte ,
15 Geschichte > 15.09 Wirtschaftsgeschichte ,
15 Geschichte > 15.38 Europäische Geschichte nach 1945 ,
15 Geschichte > 15.43 Deutsche Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts ,
15 Geschichte > 15.49 Ostmitteleuropa ,
15 Geschichte > 15.60 Schweiz, Österreich-Ungarn, Österreich
AC Nummer
AC10503475
Utheses ID
20823
Studienkennzahl
UA | 092 | 312 | |
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