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Herrschaft ohne Macht?
Herrschaftszustände und Machtbeziehungen in der DDR der Ära Honecker im Kontext von Ideologie, Gouvernementalität, Medienkultur und Mentalität
Sebastian Haller
Art der Arbeit
Diplomarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Philologisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
Betreuer*in
Ramón Reichert
DOI
10.25365/thesis.23556
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-29137.42352.668153-5
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Abstracts
Abstract
(Deutsch)
Die vorliegende Diplomarbeit stellt die weitverzweigte Frage, inwieweit die von der Sozialistischen Einheitspartei Deutschland (SED) kontrollierten Herrschaftszustände in der DDR mit dem Beginn der Ära Honecker (1971-1989) mit neuen, widerständigen Machtkonstellationen konfrontiert wurden und mit welchen gouvernementalen und (herrschafts-)diskursiven Strategien die DDR-Führung auf die schleichende Erosion der Macht reagierte. Methodische und terminologische Orientierungspunkte sind ausgewählte Aspekte der ‚Analytik der Macht‘ (Michel Foucault), in deren Zentrum etwa die binäre Differenzierung von Herrschaft/Macht, aber auch die komplementären Begriffe Diskurs/Dispositiv stehen, sowie Elemente der Mentalitäten-Geschichte der französischen Annales-Schule (Jacques LeGoff, Michel Vovelle u.a.), anhand welcher der Mentalitätsbegriff präzisiert wird. Ausgeweitet wird diese theoretische Perspektive durch das Konzept der Medienkultur (Andreas Hepp, Friedrich Krotz), das als die ‚Kultur mediatisierter Welten‘ zusammengefasst wurde, und welches im Zuge der vorliegenden Arbeit erstmals im Kontext der zeithistorischen DDR-Forschung in Betracht gezogen wird. Der Begriff der Medienkultur soll insbesondere darauf hinweisen, dass mit Beginn der 1970er Jahre das Informationsdispositiv (Johanna Dorer) und die sprachlich codierte Kommunikationsmacht der SED von den sich zunehmend internationalisierenden Kommunikationsnetzwerken unterminiert wurden. Eine weitläufige Analyse von Ideologie in der DDR, die mit der Genese des Ideologiebegriffs seit Marx/Engels ansetzt und zur konsolidierten Sekundärideologie (Peter-Christian Ludz) des Marxismus-Leninismus (ML) führt, leitet zur Diskussion des Begriffs des Herrschaftsdiskurses (Martin Sabrow) über: Dieser erfüllte nicht einzig die Funktion Ideologie und Ideologiebegriff in einen homogenen Diskurs zu transponieren, sondern konstruierte auch eine strategische ‚Harmonie‘ zwischen den diskursiven Elementen des Gesamtdispositivs (Markus Stauff). Abschließend soll ein Blick auf das Dispositiv der Sozialwissenschaft in der DDR darauf hinweisen, wie restriktiv im Sinne der sog. ‚revolutionären Wachsamkeit‘ mit Ergebnissen der Demoskopie verfahren wurde. Dass im Kontext der sozialwissenschaftlichen Aufarbeitung und Analyse von politischen und außer-politischen Mentalitäten auch ein ‚abweichendes Funktionieren‘ möglich war, soll anhand der Forschungspraxis des Leipziger Zentralinstituts für Jugendforschung (ZIJ) angedeutet und ausführlich in Bezug auf die Entwicklung der Filmsoziologie desselben Forschungsinstituts dargestellt werden; hier konnte vom Verfasser ein großes Konvolut an Archivalien gesichtet und analysiert werden, welches interessante und in der zeithistorischen Forschung bisher
kaum berücksichtigte Einsichten in ‚resistente‘ Mentalitäten der Jugendlichen in der DDR eröffnet.
Schlagwörter
Schlagwörter
(Deutsch)
Deutsche Demokratische Republik DDR SBZ SMAD SED Medienkultur Ideologie Ideologiekritik Gouvernementalität Sozialismus Medienkultur Dispositiv Diskurs
Autor*innen
Sebastian Haller
Haupttitel (Deutsch)
Herrschaft ohne Macht?
Hauptuntertitel (Deutsch)
Herrschaftszustände und Machtbeziehungen in der DDR der Ära Honecker im Kontext von Ideologie, Gouvernementalität, Medienkultur und Mentalität
Publikationsjahr
2012
Umfangsangabe
207 S.
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Ramón Reichert
AC Nummer
AC10509493
Utheses ID
21062
Studienkennzahl
UA | 317 | | |
