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Die Rezeption von Scripted-Reality Formaten durch Jugendliche und junge Erwachsene
Martina Kissenberth
Art der Arbeit
Magisterarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Fakultät für Sozialwissenschaften
Betreuer*in
Friedrich Hausjell
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Alle Rechte vorbehalten / All rights reserved
DOI
10.25365/thesis.23651
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-30026.69426.292165-4
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)

Abstracts

Abstract
(Deutsch)
Scripted-Reality Formate dominieren in den letzten Jahren das Programm des deutschsprachigen Privatfernsehens. Kaum ein Formattyp erzielt so hohe Einschaltquoten und wird gleichzeitig so kontrovers diskutiert. Ein zentraler Kritikpunkt ist das Spiel der Produzenten mit Realität und Fiktion. In einem dokumentarischen Stil werden nach Drehbuch inszenierte Alltagsgeschichten mit gecasteten Laiendarstellern inszeniert, um möglichst große Authentizität und Realitätsnähe zu erreichen. Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit der Rezeption von Scripted-Reality Formaten durch Jugendliche und junge Erwachsene. Der Fokus liegt dabei einerseits auf den Nutzungsmotiven der untersuchten Gruppe, andererseits auf der Vermittlung von Werten, Identitäts- und Gesellschaftsbildern in Scripted-Reality Formaten. Es wurde der Frage nachgegangen, welchen Einfluss die vermittelten Inhalte auf die Jugendlichen und jungen Erwachsenen haben. Ausgangspunkt waren dabei Formate im deutschsprachigen Fernsehen (Deutschland, Österreich). Als theoretischer Bezugsrahmen dienten verschiedenste Ansätze, die allesamt den Rezipienten als aktiven, kritischen und reflektierten Teil des Rezeptionsprozesses begreifen. Neben der Mediatisierungsthese, dem Uses and Gratifications approach, der sozial-kognitiven Lerntheorie nach Albert Bandura und unterschiedlichen Ansätzen zum Begriff „Unterhaltung“, stand dabei vor allem die triadisch-dynamische Unterhaltungstheorie nach Werner Früh im Vordergrund. Früh’s Theorie liefert einen Erklärungsrahmen für die Rezeption von Scripted-Reality Formaten durch die untersuchte Gruppe. Demnach basiert Unterhaltung auf vier grundlegenden Annahmen: 1. Unterhaltung ist keine dem Medienprodukt innewohnende Eigenschaft, sondern ein Rezeptionsphänomen. 2. Unterhaltung ist ein angenehmes Erleben. 3. Unterhaltung ist selbstbestimmt, der Rezipient besitzt Souveränität in Form von Entscheidungsfreiheit und Kontrolle über die Rezeptionssituation (Beherrschbarkeit und Überschaubarkeit). 4. Unterhaltung entsteht im Rahmen der Triade Stimulus, Person und Situation. Ziel der Arbeit war es einerseits, den Rezeptionsmotiven junger Zuschauer im Zusammenhang mit Scripted-Reality Sendungen auf den Grund zu gehen. Andererseits sollte ermittelt werden, welche Werte, Identitäts- und Gesellschaftsbilder den Jugendlichen und jungen Erwachsenen vermittelt werden und wie diese von ihnen angenommen werden. Es wurde zudem untersucht, welche Orientierungsfunktionen und Identifikationsleistungen die Sendungen für die Befragten übernehmen und welche Auswirkungen das haben könnte. Es sollte außerdem berücksichtigt werden, ob sich Unterschiede in der Rezeption zwischen verschiedenen Alters- und Bildungsschichten ergeben. Schlussendlich sollten folgende Fragestellungen beantwortet werden können: 1. Welche Motive stehen hinter der Rezeption von Scripted-Reality Formaten durch Jugendliche und junge Erwachsene? 2. Welche Werte, Identitäts- und Gesellschaftsbilder vermitteln Scripted-Reality Formate im deutschsprachigen Fernsehen? 3. Welchen Einfluss hat die Rezeption von Scripted-Reality Formaten auf die Werteentwicklung, Identitätsbildung und das Gesellschaftsbild Jugendlicher und junger Erwachsener? 4. Welche Orientierungsfunktionen und Identifikationsleistungen erbringen Scripted-Reality Sendungen für Jugendliche? 5. Welche Rolle spielen sozio-strukturelle Vorbedingungen der Jugendlichen bei der Rezeption von Scripted-Reality Formaten? Zur Beantwortung der Forschungsfragen wurden Leitfadeninterviews mit insgesamt zwölf Teilnehmern durchgeführt. Dieses qualitative Verfahren wurde aufgrund seiner relativen Offenheit gewählt, da angenommen wird, dass dadurch die Sichtweisen der Befragten besser zur Geltung kommen. Für die Interviews wurden Jugendliche und junge Erwachsene ausgewählt, die regelmäßig bis häufig Scripted-Reality Formate rezipieren. Es wurden dazu drei Altersgruppen gebildet: 12- bis 15-Jährige, 16- bis 19-Jährige und 20- bis 29-Jährige. Jede Gruppe bestand aus je zwei männlichen und zwei weiblichen Interviewpartnern, die wiederum jeweils als bildungsnah und eher bildungsfern eingestuft werden konnten. Die Interviews wurden mithilfe eines Leitfadens durchgeführt und aufgezeichnet, um im Anschluss Transkripte anzufertigen, die als Grundlage für die Auswertung und Interpretation dienten. Aufgrund der relativ kleinen Datenmenge wurde anstelle einer qualitativen Inhaltsanalyse auf eine thematische Auswertung zurückgegriffen, da dies unter Umständen zu spezifischeren Ergebnissen führen kann. Die Interviews mit den zwölf Befragten ergaben, dass die Hauptnutzungsmotive der 16- bis 29-Jährigen Abgrenzung und Selbsterhöhung auf Kosten der Darsteller der Scripted-Reality Sendungen sind. Das gemeinsame „Lästern“ mit Gleichaltrigen über die Geschichten und Charaktere sowohl vor als auch nach den Sendungen ist wichtiger Bestandteil der Rezeption. Bei den Jüngeren hingegen sind Sympathie und Langeweile ausschlaggebend Gründe für die Nutzung der Formate. Allen gemeinsam ist das Motiv „Mangel an Programmalternativen“, d.h. dass man sich die Sendungen anschaut, weil eben gerade „nichts besseres läuft“. Die wenigsten Jugendlichen können sich mit den Inhalten und auftretenden Personen identifizieren. Vielmehr findet eine starke Abgrenzung und Distanzierung davon statt. Sie bezeichnen die Inhalte als übertrieben, zu extrem und unrealistisch. Die Sendungen geben den Jugendlichen daher keine Orientierung im positiven Sinn, sondern dienen hauptsächlich als abschreckende Beispiele für das eigene Leben und als Motivation, es selbst besser zu machen. Von den vermittelten Werten und Identitätsbildern lassen sich die Jugendlichen ebenfalls kaum beeinflussen. Sie treten als starke Persönlichkeiten auf, die das gezeigte Geschehen sehr gut einordnen können. Da ihnen die meisten dargestellten Lebensentwürfe und –welten ohnehin fremd sind, reagieren sie eher ablehnend darauf. Sie erkennen außerdem größtenteils, dass es sich um eine einseitige und manipulative Darstellungsweise handelt. Es zeigte sich jedoch, dass vermittelte stereotype Bilder nicht immer erkannt werden und dadurch intolerantes Denken und Handeln möglicherweise gefördert wird.

Schlagwörter

Schlagwörter
(Deutsch)
Scripted-Reality Privatfernsehen Jugendliche junge Erwachsene Identität Werte Identifikation Nutzungsmotive Stereotypen Sozialisation Medienkompetenz Triadisch-dynamische Unterhaltungstheorie Leitfadeninterview
Autor*innen
Martina Kissenberth
Haupttitel (Deutsch)
Die Rezeption von Scripted-Reality Formaten durch Jugendliche und junge Erwachsene
Publikationsjahr
2012
Umfangsangabe
263 S.
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Friedrich Hausjell
Klassifikationen
05 Kommunikationswissenschaft > 05.20 Kommunikation und Gesellschaft ,
05 Kommunikationswissenschaft > 05.30 Massenkommunikation, Massenmedien: Allgemeines ,
05 Kommunikationswissenschaft > 05.36 Fernsehen
AC Nummer
AC11040705
Utheses ID
21143
Studienkennzahl
UA | 066 | 841 | |
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