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Vom Heiland zum Hollywoodstar
Methoden der Darstellung Jesu Christi im populären Film
Claudia Maria Schuler
Art der Arbeit
Diplomarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Philologisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
Betreuer*in
Michael Gissenwehrer
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Alle Rechte vorbehalten / All rights reserved
DOI
10.25365/thesis.23707
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-30155.22983.826470-2
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)

Abstracts

Abstract
(Deutsch)
Die vorliegende Arbeit untersucht anhand von fünf sehr unterschiedlichen Werken welche Möglichkeiten das Genre „Jesusfilm“ bietet, um den Sohn Gottes von der Bibel auf die Leinwand respektive den Bildschirm zu bringen. Zunächst wird eine allgemeine Einführung ins Genre gegeben. Für den klassischen „Jesusfilm“ liegen einige Formkriterien zu Grunde, an die sich die Regisseure zumindest zum Teil halten müssen. Weiters müssen sich diese genau überlegen, wie ihr Christus aussehen sowie für welches Zielpublikum er sein soll und in Folge eine Vielzahl von Entscheidungen treffen. Ein wichtiger Aspekt hierbei ist Art der Herangehensweise an die literarische Vorlage, die Heilige Schrift. Die Filmschaffenden haben zwei Möglichkeiten: Den harmonisierenden und den alternativen Weg. Bei ersterem wird versucht alle vier Evangelien zu einem plausiblen Handlungsstrang zu vereinen. Beim zweiten Weg bildet entweder nur ein Evangelium oder sogar eine völlig andere Quelle die Grundlage für das spätere Drehbuch. Bereits die vier Evangelisten divergieren teilweise sehr in ihren Berichterstattungen über Jesus und die Geschehnisse zu dessen Zeit. Die individuelle Gewichtung der Evangelisten in den jeweiligen Skripts wirkt sich direkt auf den einzelnen kinematografischen Heiland, dessen Umfeld und die ganze Chronologie der Ereignisse aus. Das zweite Kapitel widmet sich bereits genau den fünf Filmbeispielen. Um der Unterschiedlichkeit dieser Werke gerecht zu werden, wird das Genre „Jesusfilm“ aufgebrochen und jeder Film einer Unterkategorie mit ihren jeweiligen Merkmalen zugeordnet. Das sind Norman Jewisons „Jesus Christ Superstar“ (1973), eine Musicalversion der Geschichte Christi; Franco Zeffirellis „Jesus von Nazareth“ (1977), ein Monumentalwerk in vier Teilen und der Repräsentant des klassischen Jesusfilms; Monty Pythons „Das Leben des Brian“ (1979), eine Satire auf die fanatische Messiasverehrung zur Zeit Christi; Martin Scorseses „Die letzte Versuchung Christi“ (1988), ein provokantes Drama über den Kampf des Menschlichen mit dem Göttlichen in Jesus und Mel Gibsons „Die Passion Christi“ (2004), das die körperlichen Qualen des Gottessohns in den Mittelpunkt rückt. Die Entstehungsgeschichten der Beispiele demonstrieren zum einen die Herausforderung, die die Behandlung des neutestamentarischen Stoffes darstellt und zum anderen welche Probleme und Kontroversen bereits in der Startphase solcher Projekte auftreten können, besonders, wenn das endgültige Werk vom klassischen Jesusfilm abweicht. Die genauere Untersuchung von filmformalen und inhaltlichen Kriterien sowie eine genauere Gegenüberstellung ausgewählter Szenen (Kreuzigung, Letzten Abendmahl) zeigen den hohen Grad der Verschiedenheit der fünf Beispiele. Ein Erklärung dafür sind die vielen verschiedenen Einflüsse und Quellen, die den Werken zugrunde liegen. Neben dem Neuen Testament dienen zum Beispiel profane literarische Werke, apokryphe Texte aber auch die bildnerischen Künste als Ursprung der Inspiration. Zusammen mit den religiösen Hintergründen und Intentionen der Regisseure sind das alles Gründe warum die jeweiligen filmischen Umsetzungen frappant divergieren. Durch all diese Divergenzen entstehen am Ende verschiedene Filme mit völlig verschiedenen Grundaussagen. Hier sei gesagt, Bibeltreue oder Historizität werden von den Regisseuren zwar immer wieder beteuert, wurden aber nie eingehalten. Betrachtet man in weiterer Folge die Figurenzeichnungen der Beispiele wird dieser Eindruck nur bestärkt. Fünf Filme, fünf Theologien. Diese fünf Theologien wurden vom Publikum unterschiedlich aufgenommen. Eine These besagt, dass Jesusfilme umso besser aufgenommen, desto mehr das Hauptaugenmerk auf Christi religiösem Sein und weniger auf dessen Menschlichkeit liegt. Diese Annahme bestätigt sich in den Filmbeispielen. Während Zeffirellis „Jesus von Nazareth“ oder Gibsons „Die Passion Christi“ finanziell äußerst erfolgreich waren, fiel Scorseses „Die letzte Versuchung Christi“ beim Publikum durch. In diesem Film steht der Mensch Jesus im Mittelpunkt. Seine Göttlichkeit empfindet er über weite Strecken als Bürde und nicht als vorherbestimmte Mission. Es lässt sich sagen, dass jeder filmische Heiland ein individueller ist. Der eine mehr als der andere. Ob es eine richtige und eine falsche Darstellung gibt lässt sich nicht sagen, denn auch die primären Quellen, die Evangelien, sind sich darüber nicht eindeutig einig. Das Genre „Jesusfilm“ hat somit keine künstlerischen Grenzen, dennoch ist es nicht schrankenlos. Denn Jesus Christus ist eine zentrale Figur einer der größten Religionsgemeinschaften der Welt und damit geht mit seiner Darstellung immer eine bestimmte moralische Verantwortung einher.

Schlagwörter

Schlagwörter
(Deutsch)
Jesusfilme Jesus von Nazareth von Franco Zeffirelli Jesus Christ Superstar von Norman Jewison Monty Pythons Das Leben des Brian Die letzte Versuchung Christi von Martin Scorsese Die Passion Christi von Mel Gibson Judas Maria Magdalena Pontius Pilatus Kaiphas und der Hohe Rat im Film
Autor*innen
Claudia Maria Schuler
Haupttitel (Deutsch)
Vom Heiland zum Hollywoodstar
Hauptuntertitel (Deutsch)
Methoden der Darstellung Jesu Christi im populären Film
Publikationsjahr
2012
Umfangsangabe
122 S. : Ill.
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Michael Gissenwehrer
Klassifikationen
11 Theologie > 11.00 Theologie, Religionswissenschaft: Allgemeines ,
24 Theater > 24.12 Regie, Dramaturgie ,
24 Theater > 24.32 Filmgeschichte ,
24 Theater > 24.34 Filmgattungen, Filmsparten
AC Nummer
AC10509669
Utheses ID
21198
Studienkennzahl
UA | 317 | | |
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