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Die satzinterne Majuskel als Grenzsignal im Dienste der Erfassungsfunktion
zur Rolle der Substantivgroßschreibung beim Dekodieren komplexer Nominalklammern
Katharina Anderl
Art der Arbeit
Diplomarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Philologisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
Betreuer*in
Alexandra Lenz
DOI
10.25365/thesis.23725
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-30458.51712.989769-4
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)
Abstracts
Abstract
(Deutsch)
Meine Diplomarbeit mit dem Titel -"Die satzinterne Majuskel als Grenzsignal im Dienste der Erfassungsfunktion: Zur Rolle der Substantivgroßschreibung beim Dekodieren komplexer Nominalklammern" hatte sich zum Ziel gesetzt, die satzinterne Großschreibung des Deutschen in seiner Funktion als Grenzmarkierung und damit als ein die Funktionsweise der Nominalklammer unterstützendes Phänomen zu präsentieren sowie deren Hilfsfunktion für den Leseprozess und das Textverständnis einer praktischen Überprüfung zu unterziehen.
Sowohl die Nominalklammer als auch die Substantivgroßschreibung – deren wortartenbasierte Ausrichtung durchaus als problematisch einzustufen ist; eine Neuausrichtung zugunsten einer mehr syntaktischen Perspektive, welche mit dem Konzept der satzinternen Großschreibung bereits vorliegt, würde dem Majuskelgebrauch im Satzinneren womöglich mehr entsprechen – lassen sich unter das im Deutschen sehr wichtige Prinzip der Grenzmarkierung subsumieren: Zwei in Distanzstellung befindliche Grenzsignale umschließen einen klar abgegrenzten, durch Kongruenzbeziehungen charakterisierten und hinsichtlich der Serialisierung strikt organisierten Bereich und unterstützen so den Lesenden beim Dekodieren der unter Umständen stark gefüllten Nominalklammer. Die Substantivgroßschreibung hebt darüber hinaus potentielle Kerne von Nominaphrasen und damit das Ende eben dieser Nominalklammern für das Auge optisch gut sichtbar hervor.
Die diachrone Perspektive zeigt, dass sich diese beiden Phänomene erst über die unterschiedlichsten, auf den ersten Blick völlig zusammenhanglosen Veränderungen und Bewahrungen im Sprachsystem im Laufe der Sprachgeschichte herausbilden und festigen mussten. Interessant ist, dass die jeweils entscheidenden Entwicklungen, nämlich zum einen der Ausbau der nominalen Klammer und zum anderen die rasante Ausweitung des Majuskelgebrauchs im Satzinneren, im Frühneuhochdeutschen, also parallel stattgefunden haben. Für eine dezidierte gegenseitige Beeinflussung gibt es bis dato zwar keine stichhaltigen Beweise, doch vor allem ihr gemeinsamer Nutzen für den Leser lässt einen Zusammenhang vermuten.
Die Substantivgroßschreibung, die im Grunde seit ihrem Bestehen ständigen Anfeindungen ausgesetzt war und noch immer ist, hat sich allen Reformversuchen zum Trotz bis heute behaupten können und wird, wie meine Studie belegt, hoch geschätzt. Ihre leserunterstützende Funktion durch ihre Fähigkeit, das Geschriebene fürs Auge optisch zu gliedern und übersichtlicher zu machen, wird nicht nur rein subjektiv als solche erkannt, sondern lässt sich auch objektiv anhand eines von mir durchgeführten Lesetests an insgesamt 118 Studierenden der Universität Wien – die zum Großteil mit der Kleinschreibung gut vertraut waren – belegen. So konnten jene Personen, die einen Text in Substantivgroßschreibung vor sich hatten und unter Zeitdruck die Antworten auf zuvor gestellte Verständnisfragen darin suchen mussten, bessere Ergebnisse erzielen (durchschnittlich 3,43 richtig unterstrichene Antworten) als die Vergleichsgruppe, deren Text in totaler Kleinschreibung abgefasst war (im Durchschnitt 2,65 richtig erkannte Antworten) – in das Ergebnis mit eingeflossen ist die extrem hohe Ausfallquote auf beiden Seiten, bedingt durch das Missachten der Handlungsanweisung oder aufgrund falscher Beantwortung der Fragen: in der KS-Gruppe kam es zu einem Ausfall von gar 62 %, in der SGS-Gruppe zu „nur“ 41 %: Das schlechtere Zurechtkommen mit dem Text und der Aufgabenstellung lässt sich womöglich durch die erschwerten Bedingungen durch die totale Kleinschreibung erklären, womit gezeigt wurde, dass mithilfe der Substantivgroßschreibung ein optimaleres Lesen und Arbeiten mit dem Text ermöglicht wird. Rückschlüsse auf die konkrete Gliederungsfunktion der Majuskeln in komplexen Nominalklammern lassen sich u.U. insofern ziehen, als der dem Experiment zugrunde liegende Text durch eben solche charakterisiert war.
Meine These, die Majuskel habe einen nachweislich positiven Effekt für den Dekodierungsprozess komplexer Nominalphrasen, konnte daher nicht zur Gänze bestätigt, doch zumindest mittels objektiver Zahlen sowie aufgrund der subjektiven Empfindungen der Probanden eindeutig gestützt werden.
Schlagwörter
Schlagwörter
(Deutsch)
Substantivgroßschreibung satzinterne Majuskel Dekodierungsprozess Nominalklammer Erfassungsfunktion klammerndes Verfahren Grenzmarkierung
Autor*innen
Katharina Anderl
Haupttitel (Deutsch)
Die satzinterne Majuskel als Grenzsignal im Dienste der Erfassungsfunktion
Hauptuntertitel (Deutsch)
zur Rolle der Substantivgroßschreibung beim Dekodieren komplexer Nominalklammern
Publikationsjahr
2012
Umfangsangabe
145 S.
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Alexandra Lenz
AC Nummer
AC10676747
Utheses ID
21214
Studienkennzahl
UA | 332 | | |
