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Das Herz im medizinisch-kulturellen Kontext
Herzgesundheit bei Österreichern und türkischen Migranten
Marianne Gwechenberger
Art der Arbeit
Diplomarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Fakultät für Sozialwissenschaften
Betreuer*in
Herman Mückler
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Alle Rechte vorbehalten / All rights reserved
DOI
10.25365/thesis.24083
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-29858.49061.459661-9
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Abstracts

Abstract
(Deutsch)
Das Herz hat auch heute noch einen besonderen Stellenwert in der Vorstellung bei Österreichern und türkischen Migranten. Vor allem in der türkischen Bevölkerung gilt es als Sitz der Seele. Es existieren in der Betreuung von türkischen Migranten deutliche Besonderheiten bzw. Probleme. Einerseits hinsichtlich der sprachlichen Kompetenz von türkischen Zuwanderern, andererseits gibt es durchaus kulturelle Missverständnisse, sowie Unterschiede in der Symptompräsentation. Dies kann zu Fehleinschätzungen mit vermehrten diagnostischem Aufwand und zu verspäteten oder falschen Diagnosen führen. Das Wissen um Herz-Kreislauferkrankungen, Risikofaktoren und Präventionsverhalten scheint bei Österreichern und im besonderen Ausmaß bei türkischen Migranten verbesserungswürdig. Während zumindest die KHK und der Herzinfarkt noch in einem bestimmten Ausmaß den Österreichern im Bewusstsein verankert sind, ist dies bei der pAVK und cAVK bereits deutlich seltener der Fall. Vor allem für Risikofaktoren, die im Einflussbereich jedes Einzelnen liegen-wie Rauchen, Übergewicht und mangelnde Bewegung- existiert bei Österreichern ein ausgeprägtes Bewusstsein. Alle anderen Risikofaktoren werden deutlich weniger oft mit dem Auftreten einer Herz-Kreislauferkrankung assoziiert. Das Wissen über diese Thematik ist besonders bei Zuwanderer aus der Türkei deutlich weniger ausgeprägt. Auch war in dieser Studie der Anteil an Rauchern bei Türken signifikant höher als bei Österreichern. Zusätzlich machten sie signifikant weniger Bewegung und waren öfter übergewichtig. Beide Gruppen unterschätzten ihr Risiko für eine Herz-Kreislauferkrankung. In einer Studie konnte gezeigt werden, dass türkische Patienten mit KHK deutliche Besonderheiten der krankheitsrelevanten Faktoren aufwiesen. So haben türkische Patienten eine deutlich pessimistischere Krankheitsvorstellung und haben eine wesentlich schwächer ausgeprägte Überzeugung vom eigenen Einfluss auf die Krankheit. Dies ist möglicherweise auf religiöse Einflüsse zurückzuführen. Magische Ursachen kommen bei der KHK mit somatischen Schwerpunkt vermutlich nicht zum Tragen (Lujic 2008). Dies passt auch zu unserer Beobachtung, dass nur jeweils ein türkischer Migrant an eine höhere Macht bzw. Schicksal als Ursache von Herz-Kreislauferkrankungen glaubt. Die Kombination aus mangelnden Wissen über Herz-Kreislauferkrankungen, verminderten Bewusstsein für deren Risikofaktoren und der schwach ausgeprägten Überzeugung vom eigenen Einfluss stellt eine Herausforderung in der Aufklärung und Motivation für Prävention dar. Auch wenn das Thema der kultursensiblen Patientenbetreuung meistens im klinischen Alltag nicht beachtet wird, so hat es doch Bemühungen in diese Richtung gegeben, die teilweise auf freiwilliges Engagement beruhten (vgl. auch Moscheenkampagne). Zahlreiche Initiativen werden und wurden gesetzt, um das Wissen über ein Bewusstsein für Risikofaktoren zu schaffen und gezielte Präventionsmaßnahmen zu setzen. So ist es eines der Hauptziele der Vorsorgeuntersuchung, diese Risikofaktoren zu entdecken, um gegebenenfalls frühzeitig intervenieren zu können. Auf der homepage des Gesundheitsministeriums werden sehr detaillierte Angaben über Ziele und Ablauf der Vorsorgeuntersuchung gegeben, allerdings nur in deutscher Sprache (Gesundheitsministerium für Gesundheit 14.10.2012: Internet). Es gibt aber durchaus Bemühungen Menschen mit Migrationshintergrund verstärkt zur Vorsorgeuntersuchung zu motivieren. In einem Pilotprojekt der Stadt Wien mit dem Veranstaltungstitel „Ich bleibe gesund-Sağliki kalacağim“ wurde versucht türkischen Migranten und vor allem Migrantinnen zur Vorsorgeuntersuchung zu motivieren. Dieses Programm wurde gut angenommen und danach weiter fortgesetzt, unter der operativen Leitung von FEM (San 2009). Eine weitere Bemühung in dieser Richtung wurde mit der Moscheekampagne umgesetzt (Bader 2006). Wenn man aber einerseits das mangelnde Bewusstsein über die Risikofaktoren der Personen in der vorliegenden Studie betrachtet, andererseits die sehr niedrige Anzahl an Patienten berücksichtigt, die sich bereits einmal einer Abklärung der Risikofaktoren unterzogen haben, scheint es unerlässlich weitere Präventionsprogramme in türkischer Sprache flächendeckend zu initiieren. Die Moschee nicht nur als religiöses, sondern auch als soziales und kulturelles Zentrum, scheint ein idealer Ort für die Initiierung kultursensibler Programme zu sein. Diese sollten einerseits durch Vorträge in der Muttersprache der Migranten begleitet werden, andererseits durch Informationsmaterial in türkischer Sprache komplettiert werden. Eine wertvolle Bereicherung wäre die vermehrte Einbindung von Personen mit Migrationshintergrund in das Gesundheitssystem.

Schlagwörter

Schlagwörter
(Deutsch)
Migration Gesundheit Kultur
Autor*innen
Marianne Gwechenberger
Haupttitel (Deutsch)
Das Herz im medizinisch-kulturellen Kontext
Hauptuntertitel (Deutsch)
Herzgesundheit bei Österreichern und türkischen Migranten
Publikationsjahr
2012
Umfangsangabe
120 S. : graph. Darst., Kt.
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Herman Mückler
Klassifikation
73 Ethnologie > 73.79 Ethnologie: Sonstiges
AC Nummer
AC10507599
Utheses ID
21534
Studienkennzahl
UA | 307 | | |
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