Detailansicht
Psychologische Aspekte des Pensionsschocks
Sophia Wolf
Art der Arbeit
Diplomarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Fakultät für Psychologie
Betreuer*in
Brigitte Rollett
DOI
10.25365/thesis.24226
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-29723.12133.927861-6
Link zu u:search
(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)
Abstracts
Abstract
(Deutsch)
Seit Beginn des Lebens ist das Alt werden ein unausweichlicher Bestandteil der Geschichte. In vielen Aufzeichnungen der Antike und Geschichte, wird das Alt sein thematisiert und die Bedeutung alter Menschen postuliert. Während in der Antike und im alten Griechenland alte Menschen, als ehrbar und weise angesehen wurden, als Menschen deren Wissen von unschätzbarem Wert ist, welches an die Nachfahren weitergegeben werden muss, wandelte sich das Bild des alten Menschen im Laufe der Geschichte viele Male.
Eins blieb den Senioren im Lauf der Geschichte immer gleich. Die Sorge nach Verpflegung im Alter. Während in der einen Epoche die Kinder ganz selbstverständlich ihre Alten und Weisen verpflegten bis zum Tod, mussten sie in anderen Zeitaltern um ihre Existenz und ihre Pflege bis zum Ende fürchten.
Wie aber definiert sich nun Alter und welche Eigenschaften und Aspekte sind wichtig um ein erfolgreiches Altern zu sichern. Die Gerontologie hat zu Beginn des 17. Jahrhunderts begonnen Alterstheorien und wichtige Aspekte des Alterns zu definieren. So spielen die Persönlichkeit und das Selbst der jeweiligen Personen eine große Rolle im Umgang mit dem älter werden, auch Aktivitäten und Erwerbstätigkeit haben ihren Einfluss auf eine positive, gelungene Bewältigung des Alters. Für eben jene Bewältigung zeigten sich als wichtigste und einflussreichste Eigenschaften, Wohlbefinden, Zufriedenheit und die Gesundheit.
Dennoch lässt sich das Auftreten von Problemen beim Altern nicht verhindern, da sie unweigerlich mit dem Altwerden einhergehen, wie der Verlust der körperlichen und geistigen Fähigkeiten und der Wegfall sozialer Kontakte durch Exitus.
Eines dieser Probleme stellt der Übergang in die Pensionierung dar. Der Wegfall der täglichen Routine, sowie das „nicht mehr gebraucht“ werden und die Einbußen im sozialen Gefüge stellen einen wesentlichen Einschnitt im Leben eines Menschen dar. Er wird mit dem Eintritt in seinen letzten Lebensabschnitt mit einem Überangebot an Freizeit und Muße, aber auch unweigerlich mit seiner Endlichkeit konfrontiert und es ist an ihm alleine, ob er diesen Übergang positiv bewerkstelligt.
Durch vorliegende Untersuchung sollte der Frage nachgegangen werden, ob es den Pensionsschock in unserer heutigen, modernen Zeit noch zu finden gibt und wie es um die Zufriedenheit und Pensionsgewohnheiten heutiger Pensionäre gestellt ist. Befragt wurden 102 Personen, die sich bereits in Pension befanden. Die Stichprobe setze sich aus allen Berufsgruppen und Altersgruppen von 50 bis 86 Jahren zusammen. Die Erhebung wurde mittels einer Fragebogenbatterie durchgeführt, der sich sowohl aus bestehenden Fragebögen, als auch aus selbstgenerierten Fragen zusammensetzte. Diese Batterie enthält den Neo_FFI von Costa & McCrae (Borkenau & Ostendorf, 2008) in einer gekürzten Form nach Rollett (2008), um Persönlichkeitseigenschaften der Testpersonen näher zu beleuchten, den Fragenbogen zur Lebenszufriedenheit, FLZ (Fahrenberg et al., 2000), welcher Aufschluss über die Zufriedenheit der Pensionäre in diversen Bereichen des Lebens erläutern sollte und dem selbst generierten Fragebogen Pensionsschockfragebogen, PSF (Wolf, 2011), der sich genauer mit der Situation der Testpersonen nach der Pensionierung auseinander setze.
Den Ergebnissen ist zu entnehmen, dass der Pensionsschock, wie er kurz nach Kriegszeiten vermehrt zu finden war, nur mehr sehr selten auftritt. Es zeigt sich, dass Frauen bereits in dieser Altersgruppe auch sehr häufig einer Anstellung nachgingen und nicht rein mit dem Haushalt beschäftigt waren.
Das Einkommen spielt eine entscheidende Rolle, hinsichtlich der Bewältigung der Pensionierung, allerdings eher in die unerwartete Richtung, da der Zugang zu vielen Möglichkeiten nicht gleichzeitig mit einer hohen Zufriedenheit einher gehen.
Es macht einen Unterschied, in welchem Beschäftigungsverhältnis die Personen stehen, sind sie dem erhöhten Druck einer Selbstständigkeit ausgesetzt, so haben sie auch in ihrer Pensionierung vermehrt Probleme mit der neuen Situation zurecht zu kommen.
Eine äußerst entscheidende Rolle spielen Persönlichkeitseigenschaften, je reizbarer und depressiver eine Person ist, umso schwerer fällt ihr die Pensionierung, ebenso bei Personen, die sozial Befangen und verletzlich sind. Ist eine Person allerdings sehr umgänglich und hilfsbereit, dann ist auch der Übergang in die letzte Lebensphase nicht so ein einschneidendes Erlebnis und weniger pathologisch.
Es zeigte sich auch, der bereits aus der Theorie erwartete, starke Einfluss der Zufriedenheit auf die Pensionierung. Je zufriedener die Personen mit ihrem ehemaligen Beruf waren, je stolzer und glücklicher sie ihre Kinder und Enkelkinder betrachteten und je spannender ihre Sexualität ausgeprägt war, umso leichter und unkomplizierter erlebten sie die Pensionierung. Nicht näher aufgeschlüsselt konnte die Mask of Aeging Theorie nach Featherstone und Hepworth (Kapitel 3.3.2.8, Seite 23) werden, nach welcher eine Diskrepanz zwischen äußerer Erscheinung und dem Selbst entsteht und je nachdem wie ausgeprägt diese Diskrepanz ist, dies einen Einfluss auf die Zufriedenheit der Pensionisten habe. Die Zufriedenheit mit der eigenen Person war allgemein gut, wodurch kein Zusammenhang zum Pensionsschock festgestellt werden konnte.
Ebenfalls konnte ein Clustermodell erstellt werden, welches 4 Pensionstypen zu Tage brachte. Den „Pensionsglücklichen“, der seine Pension genießt, eine gute Partnerschaft führt und dem Pensionsschock fremd ist. Gefolgt vom „Pensionsgeschockten“, der schwer am Pensionsschock leidet und die Anpassung an seine letzte Lebensphase nicht gut bewerkstelligt hat, während er aber eine gut funktionierende Beziehung hat. Dem gegenüber steht das „harmoniebedürftige Arbeitstier“, der sich nicht mit einer guten Partnerschaft auszeichnen kann, jedoch sehr gut mit seiner ehemaligen Arbeit abschließen konnte und sich in seiner Pensionierung wohl fühlt. Zum Schluss noch der „endlich die Arbeit los werdende“, der froh ist, seine Arbeit nun endlich los zu sein und seine funktionierende Beziehung genießen kann, allerdings fällt ihm der Übergang in die Pension nicht so leicht, wie das Verlassen der Arbeit.
Diese Untersuchung macht deutlich, dass sich ein weiterer Wandel in der Bedeutung des Alt seins vollzieht. Der Pensionsschock ist vereinzelt noch vorhanden, allerdings wird durch das Überangebot und den guten Zugang zu Alternativen im Freizeitangebot, der Übergang vom Beruf in die Pensionierung wesentlich erleichtert. Auch das Ansehen der Alten in unserer Gesellschaft erlangt wieder mehr an Bedeutung, sie befinden sich nicht mehr im sozialen Exil, sind nicht mehr, aufgrund des Verlusts der Arbeit, aus dem Leben ausgegrenzt. Es kann beobachtet werden, dass das Alter in unserer heutigen Zeit den bedrohlichen und mortalen Charakter zunehmend verliert und die Pension per se den Beigeschmack einer schönen, urlaubsartigen Phase darstellt, in der der alte Mensch sich noch einmal neu erfinden kann und Dinge tun, die ihm bis dato verwehrt waren. Alles in Allem ist der Tonus der Pensionierung und des Alters ein zunehmend positiver und unbedrohlicher.
Abstract
(Englisch)
Since the dawn of time growing old is an inescapable part of history. Being old and its importance is part in many records of ancient world and history. Since in ancient times and old Greek the old were seen as wise and reputable, as people whose knowledge is of inestimate value, which was passed to their descendants. The symbol of the old man often changed in the course of time.
But one thing never changed. Their worries about their existance. Since in one epoche their children cared for their old and wise people without saying, they had to fear their existence in the other epoche.
At the beginning of the 17th century, Gerontology started to form itself as science. It also formed important aspects of growing old. Therefore personality and the self of each person started to play a big role in the handling of getting old. Activity and work also have a big influence for a positive and successful accomplishment of age. Most important for this accomplishment, well-being, satisfaction and health showed up.
But problems in getting old are not eliminated, because inevitably they accompany growing old, such as loss of physical and psychological health and abolition of social networks. One of these problems plays the crossover to annuity. The loss of routine, the „not being needed anymore“ and the loss of friends, and on the other hand the excess supply of spare time and leisure, but also the confrontation with their finiteness, decides about how that crossing is managed.
This study seeks for the question, wheter the shock of retirement is to be found and how it is to be with satisfaction and pensionhabits of nowadays retirees. There were 102 persons asked, who already found themselves retired, at the age of 50 t0 86 years. They belonged to all classes of population.
A questionaire was given, containing a short form of the Neo-FFI from Costa & McCrae (Borkenau & Ostendorf, 2008) by Rollet (2008), the FLZ (Fahrenberg et al., 2000) and the PSF (Wolf, 2011).
Results showed that there is no more shock of retirement as it used to be during the postwar period. Influencing factors are income, which was astonishing, because people with a higher income suffered more from the shock of retirement than others, although they had access to more possibilities due to their earnings. There was a difference between the employment relationship. Company owners suffered more from the shock of pension than clerks did. Also personality charakteristics showed up to have an influence of being shocked or not, depressive and fractious people tend to be more affected than for example satisfacted and helpful ones were.
The more happy people were with their jobs and their children and grand children and the happier they were with their sexuality, the more straightforward they experienced the crossover.
There was also a Clustermodel made, which brought 4 types of retirees, the „happy retiree“, „the shocked retiree“, „the peaceloving drudge“ and the „one that is reliesed to finally finish work“.
The study shows clearly, that nowadays there is another change in the meaning of growing old. There is still a shock of retirement, but due to the excess supply of leisure time facilities, the crossover to retirement is essentially alleviated. The reputation of the old achieves more and more importance. It can be seen, that growing old nowadays looses its drastic and mortal character and retirement plays a new role, a role in which the old can reinvent themselves. All in all the tone of retirement becomes positive and non-threatening.
Schlagwörter
Schlagwörter
(Englisch)
shock of retirement aging problems with getting older
Schlagwörter
(Deutsch)
Pensionsschock Alter Altern Probleme mit dem Älterwerden
Autor*innen
Sophia Wolf
Haupttitel (Deutsch)
Psychologische Aspekte des Pensionsschocks
Publikationsjahr
2012
Umfangsangabe
223 S.
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Brigitte Rollett
AC Nummer
AC10520039
Utheses ID
21660
Studienkennzahl
UA | 298 | | |
