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Geschlechtsstereotype von Lehrpersonen und damit in Zusammenhang stehende Variablen
Nina Theresa Hesse
Art der Arbeit
Diplomarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Fakultät für Psychologie
Betreuer*in
Barbara Schober
DOI
10.25365/thesis.24365
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-29625.11193.131455-6
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Abstracts
Abstract
(Deutsch)
Nach wie vor herrschen eklatante Geschlechtsunterschiede im schulischen Bereich, die teilweise aufgrund von Unterschieden in nicht-kognitiven Variablen erklärbar sind. Eine wichtige Rolle bei der Entstehung dieser Unterschiede kommt den Lehrpersonen zu, die in Form einer sich-selbst-erfüllenden Prophezeiung bzw. einer Stereotypen-Bedrohung einen negativen Sozialisationseinfluss bewirken können. Studien zur Ausprägung von Geschlechtsstereotypen (GS) von Lehrpersonen zeigen häufig eine starke Ausprägung. Für Österreich liegen kaum Untersuchungen zu GS von Lehrpersonen vor. Deshalb ist ein zentrales Ziel dieser Arbeit einen Einblick in die Ausprägung von GS von österreichischen Lehrpersonen zu erhalten (1). Auch modern sexistische Einstellungen (Leugnung von Diskriminierung) von österreichischen Lehrpersonen werden als verwandtes Konstrukt zu GS in der vorliegenden Diplomarbeitsstudie erhoben und dargestellt (2). Ein Zusammenhang zwischen GS und modernen Sexismus (MS) wird zudem untersucht (3).
Ein weiteres zentrales Ziel dieser Arbeit ist es in Hinblick auf Präventionen und Interventionen zum Thema GS in der LehrerInnenaus-, -fort, und -weiterbildung Variablen ausfindig zu machen, die mit dem Ausmaß der Ausprägung an GS und modern sexistischen Einstellungen in Zusammenhang stehen. Als theoretische Grundlage zur Aufarbeitung dieses Forschungsanliegens dient das systemische „Aktiotop-Modell“ (Ziegler et al., 2006), das zur Beschreibung des Handelns einer Person entwickelt wurde und hierzu vier zentrale Komponenten definiert (Umwelt, Ziele, aktuelles Handlungsrepertoire und subjektiver Handlungsraum). GS und der MS sind hier im sog. „subjektiven Handlungsraum“ zu verorten, der alle einsatzfähigen und selbstbezogenen Kognitionen umfasst, die einer Person zur Verfügung stehen. Zu GS sowie zum MS existieren Studien, die individuelle Faktoren (Alter, Geschlecht) beim Auftreten von Stereotypen feststellen konnten. In dieser Studie wird untersucht, ob Geschlecht (4) und Alter (5) auch in der vorliegenden Stichprobe an österreichischen Lehrpersonen gefunden werden können.
Eine weitere Komponente des „Aktiotops“ einer Person stellt das „aktuelle Handlungsrepertoire“ dar, das alle objektiv erfassbaren Optionen für die Tätigkeiten einer Person meint. Hierunter ist das Wissen von Personen zu verorten. Studien zeigen, dass alleine eine Erhöhung des Wissens über ein Thema zu einer Reduktion von Stereotypen führen kann. Deshalb wird in dieser Arbeit die Hypothese aufgestellt, dass Lehrpersonen mit einem ausgeprägten Wissen über Gender-Themen auch geringere GS und weniger modern sexistische Einstellungen haben (6).
Ebenfalls im subjektiven Handlungsraum verortet ist die „Implizite Persönlichkeitstheorie“ (IPT) nach Dweck (2000), die die wahrgenommene Veränderbarkeit von Persönlichkeits-merkmalen fokussiert. In dieser Arbeit wird untersucht, ob eine ausgeprägte Entitätstheorie bei Lehrpersonen (sehen Persönlichkeitsmerkmale und somit das Verhalten von Personen als unveränderbar an) auch mit stärker ausgeprägten GS bzw. modern sexistischen Einstellungen in Zusammenhang steht (7).
Zur Beantwortung der Fragestellungen wurden Fragebogendaten von 262 österreichischen Lehrpersonen aus unterschiedlichen Schultypen der Sekundarstufe verwendet. Die Ergebnisse zeigen, dass GS bei österreichischen Lehrpersonen durchaus ausgeprägt sind (1). 16 Prozent der befragten Lehrpersonen konnten in einem durch zwei Messinstrumente gebildeten Index als „klar stereotyp“ klassifiziert werden, was bedeutet, dass sie stark von GS geprägte Einstellungen angaben. Die modern sexistischen Einstellungen sind mittelmäßig ausgeprägt (2). Die gemessenen GS (in Form des Index) und der MS zeigten keinen statistisch absicherbaren Zusammenhang, was bestätigt, dass GS und MS keine miteinander vergleichbaren Konstrukte darstellen (3). Unterschiede zwischen weiblichen und männlichen Lehrpersonen in der Ausprägung an GS wurden nicht gefunden (4), Altersunterschiede wurden lediglich in der Skala zur Erfassung des MS ausfindig gemacht (5). Das „Wissen über Gender“ verringerte die Ausprägung an GS (6). Wie auch in älteren Studien festgestellt wurde (Ziegler, 1999), zeigte sich, dass eine extreme Entitätsperspektive mit verstärkten GS in Zusammenhang stand. Es wurde auch ein Zusammenhang zwischen der Entitätsperspektive und dem MS gefunden (7).
Die Ergebnisse zeigen somit einen dringenden Handlungsbedarf in der LehrerInnenaus-, fort- und -weiterbildung zur Genderthematik auf, da GS bei österreichischen Lehrpersonen teilweise in extremem Maße vorliegen und kein ausgeprägtes Problembewusstsein für Diskriminierung in der Schule herrscht. Der positive Einfluss des Wissens über Gender als auch die Beeinflussbarkeit der IPT (Rydell et al., 2007) werden in Hinblick auf Präventionen und Interventionen abschließend diskutiert.
Schlagwörter
Schlagwörter
(Deutsch)
Geschlechtsstereotype Moderner Sexismus Schule LehrerInnen
Autor*innen
Nina Theresa Hesse
Haupttitel (Deutsch)
Geschlechtsstereotype von Lehrpersonen und damit in Zusammenhang stehende Variablen
Publikationsjahr
2012
Umfangsangabe
96 S.
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Barbara Schober
Klassifikation
77 Psychologie > 77.00 Psychologie: Allgemeines
AC Nummer
AC10747810
Utheses ID
21783
Studienkennzahl
UA | 298 | | |
