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"Wenn Ihr Ärzte nicht achtet die Fingerzeige Gottes."
Medizin und Theologie bei Jeremias Gotthelf
Eva Gutknecht
Art der Arbeit
Diplomarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Philologisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
Betreuer*in
Irmgard Egger
DOI
10.25365/thesis.25060
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-30462.16073.573466-4
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)
Abstracts
Abstract
(Deutsch)
Die vorliegende Arbeit untersucht die Verschränkung der Diskurse der Medizin und Theologie bei Jeremias Gotthelf. Primäre Textgrundlage ist der 1843 und 1844 erschienene zweibändige Roman „Wie Anne Bäbi haushaltet und wie es ihm mit dem Doktern geht“. Das Werk, ursprünglich als kurze Aufklärungsschrift im Auftrag der Sanitätskommission des Kantons Bern gegen das Kurpfuscherwesen geplant, ist schließlich als zweibändiger Roman ausgeführt worden. Im Kontext umfassender politischer, gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Umbrüche in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts behandelt der Roman den Stellenwert der Religion und die Auswirkungen der Fortschritte in Medizin und Naturwissenschaften auf die Menschen. Der protestantische Pfarrer Gotthelf bildet dabei die theologischen, medizinischen und naturwissenschaftlichen Diskurse der Zeit ab und kontrastiert sie mit den Anschauungen der bäuerlichen Bevölkerung, in deren Umfeld der Roman angesiedelt ist. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wird die ärztliche Ausbildung akademisiert, die bis dahin im ländlichen Raum üblichen Handwerkschirurgen und Wundärzte werden durch die wissenschaftlichen Ärzte abgelöst. Die Humoralpathologie und die überlieferte Volksmedizin beginnen, ihre Bedeutung einzubüßen, die Medikalisierung der Landbevölkerung setzt ein. Zentrale Fragestellung des Romans ist vor diesem Hintergrund diejenige nach den Gründen, warum die ländliche Bevölkerung die Nichtärztlichen Heiler den wissenschaftlich ausgebildeten Ärzten in großem Ausmaß vorzieht. Am Beispiel der Pockenbehandlung und der Pockenimpfung wird der Konflikt einer vormodernen Gesundheits- und Krankheitsauffassung mit den sich etablierenden wissenschaftlichen Medizinkonzepten dargestellt. Jeremias Gotthelf erkennt in der Beliebtheit der Nichtärztlichen Heiler religiöse Gründe. Die Kurpfuscher stehen der bäuerlichen Bevölkerung soziokulturell näher, sie haben ähnliche Krankheits- und Gesundheits¬auffassungen und beziehen den Glauben in ihre Behandlungen ein. Die akademischen Ärzte als Vertreter der sich etablierenden Naturwissenschaften trennen Medizin und Religion, Vernunft und Gefühl, Leib und Seele, dies unterscheidet sie von ihren ländlichen Patienten. Die gegenseitige Abhängigkeit von Körper und Seele ist eine Konstante im Text, die zeitgenössische Anthropologie mit ihrem Leib-Seele-Diskurs findet im Roman Anne Bäbi Jowäger ihren Niederschlag. Neben medizinischen stellt Gotthelf einen geistlichen Pfuscher in Gestalt eines Vikars dar, dieser ist ein Anhänger der in den 1830/40er Jahren modernsten protestantischen Strömung, der Erweckungsbewegung. Genauso wie in den rationalen Naturwissenschaften erkennt Gotthelf auch in der Theologie das Übel im unbedingten Glauben an ein System, das nicht den Menschen einbezieht.
Schlagwörter
Schlagwörter
(Deutsch)
Jeremias Gotthelf Medizin Theologie 19. Jahrhundert Schweiz Körper-Seele Anthropologie
Autor*innen
Eva Gutknecht
Haupttitel (Deutsch)
"Wenn Ihr Ärzte nicht achtet die Fingerzeige Gottes."
Hauptuntertitel (Deutsch)
Medizin und Theologie bei Jeremias Gotthelf
Publikationsjahr
2013
Umfangsangabe
96 S.
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Irmgard Egger
Klassifikationen
AC Nummer
AC10713691
Utheses ID
22396
Studienkennzahl
UA | 332 | | |