Detailansicht
Der Diskurs der Nachhaltigkeit und seine Manifestation im zertifizierten Kaffeeanbau in Peru
Iris Männig
Art der Arbeit
Diplomarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Philologisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
Betreuer*in
Peter Cichon
DOI
10.25365/thesis.26008
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-30063.71144.224561-0
Link zu u:search
(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)
Abstracts
Abstract
(Deutsch)
Der ursprünglich aus der Forstwirtschaft stammende Begriff der Nachhaltigkeit hat sich vor allem während der letzten Jahre immer mehr in unserer täglichen Sprache manifestiert. Heutzutage wird er in verschiedenen Kontexten gebraucht, vor allem, wenn es um Gütesiegel geht, die eine nachhaltige Produktionsweise garantieren sollen. Diese Arbeit beschreibt den Werdegang des Begriffs selbst und seiner jeweiligen Definition und Funktion. Der Fokus liegt dabei auf verschiedenen internationalen und nationalen Berichten. Dazu zählen die Definitionen und Aussagen von denen im Diskurs häufig erwähnten Texte: Sylvicultura Oeconomica, der Bericht des Club of Rome – Limits to growth, der Bericht der Brundtland-Kommission, die Rio-Deklaration und der Bericht der Enquete-Kommission. Nachhaltigkeit wird in diesen Berichten jeweils unterschiedlich, aber gleichermaßen sehr allgemein definiert. Dieser Mangel an Eindeutigkeit und Genauigkeit kann als Grund dafür gesehen werden, dass der Begriff bis heute nicht eindeutig wissenschaftlich definiert ist. Dieser Umstand prägt den gesamten Diskurs und offenbart gleichermaßen, dass jegliches Konzept als nachhaltig präsentiert werden kann. Die weit verbreitete Vorstellung der drei Säulen der Nachhaltigkeit: Ökologie, Ökonomie und Gesellschaft, durchzieht diese Arbeit. Anhand ihrer werden die Probleme und Herausforderungen im Kaffeesektor beschrieben, vor denen ProduzentInnen und Vertreiber stehen. Anschließend werden repräsentativ für die verschiedenen Zertifizierungen im Kaffeesektor Organisationen und Standards von C.A.F.E. Practice (Starbucks Coffee Company), Rainforest Alliance sowie Fairtrade International dargestellt. Ihre Definitionen von nachhaltiger Kaffeeproduktion scheinen zunächst ähnlich. Bei genauerer Betrachtung und tiefergehender Analyse zeigt sich jedoch, dass die Auswirkungen und die tatsächliche Umsetzung der Konzepte im Kaffeeanbau höchst unterschiedlich sind.
Im Teil der empirischen Studie, für die zwei Monate lange Daten aus den verschiedenen Teilen Perus zusammengetragen wurden, werden drei Kooperativen, zwei Kooperativenverbände, eine private Firma und ein staatliches Projekt beschrieben. Die Daten entstammen größtenteils aus Interviews der Autorin mit MitarbeiterInnen der Kooperativen, ProduzentInnen, anderweitig involvierten Personen sowie Experten im Kaffeeanbau- sowie in der -produktion. Die Arbeitsweise und Struktur der Kooperativen werden beschrieben. Ausführlich betrachtet wird ein Teilaspekt aus dem gesamten Spektrum der sehr komplexen Kaffeeherstellung: der biologische Anbau. Die Lebenssituation der Kleinbauern und –bäuerinnen im Kaffeeanbau werden dargestellt sowie die Auswirkungen der Zertifizierungen auf ihre Lebensumstände. Es zeigt sich, dass weniger Zertifizierungen die Einkünfte der ProduzentInnen bestimmen, als die von ihnen produzierte Menge und zu einem großen Teil die Preise, die an und von der Börse bestimmt werden. Die Anforderungen der Zertifizierungen helfen jedoch direkt und indirekt dabei, die allgemeinen Lebensumstände der ProduzentInnen zu verbessern. Den Kooperativen kommt hier eine große Bedeutung zu, da sie Schulungen organisieren und durchführen in welchen die Mitglieder der Kooperativen in diese Anforderungen unterrichtet werden. Des Weiteren bieten sie ProduzentInnen die Möglichkeit, gemeinsam Forderungen an lokale Regierungen zu stellen, Zugang zu Krediten zu erhalten, sowie vieles mehr, was für Kleinbauern und –bäuerinnen sonst nicht möglich ist. Die Herausforderungen der Kooperativen sind zahlreich und die beste Art und Weise mit diesen umzugehen ist nicht immer bekannt.
Wie sich letztlich Nachhaltigkeit in den Kooperativen manifestiert, bildet den Abschluss der empirischen Untersuchung. Schließlich werden Kooperationen zwischen großen Firmen und Zertifizierungen beleuchtet, um die Bedeutung der KonsumentInnen kurz zu veranschaulichen. Dabei zeigt sich, dass ein großer Absatz nachhaltig zertifizierten Kaffees dazu führt, dass der Druck auf andere Anbieter von Kaffee zunimmt. In wie fern die Lebens- und Arbeitsbedingungen von Kleinbauern und –bäuerinnen durch diese Zertifizierungen wirklich verbessert werden, kann nicht eindeutig gesagt werden. So führen die Anforderungen der diversen Zertifizierungen im ersten Schritt übergreifend zu besseren Umständen. Jedoch zeigt sich auch, dass der Preis des Kaffees an der Börse zum Großteil bestimmt, wie viel die ProduztenInnen verdienen. Da sich diese in einer äußerst vulnerablen Situation befinden – KaffeeproduzentInnen gehören zu den ärmsten Bevölkerungsschichten weltweit – sind sie diesen Schwankungen ausgeliefert, ohne ein Mittel zu haben diesen entgegenwirken zu können oder sich von diesen unabhängig zu machen. Ein zentraler Bestandteil, wie sich die ökonomische Komponenten der Nachhaltigkeit im Kaffeebau manifestiert, nämlich eine Absicherung der ProduzentInnen gegenüber einem Preisverfall, wird von der Mehrheit der Zertifizierungen nicht praktiziert. Sollten die Preise erneut einen solchen Verfall erleben wie Ende der 90er Jahre, wird sich zeigen, ob die zertifizierten Händler bereit sind einen höheren Aufpreis für den Kaffee zu zahlen und damit der von ihnen dargestellten Behauptung der Bezahlung eines „fairen“ Preises gerecht zu werden. Bei den derzeitigen Börsenpreisen sind jedoch nicht gewillt mehr zu zahlen als das was teilweise an einem Tag an Schwankungen an der Börse zu verzeichnen ist.
Schlagwörter
Schlagwörter
(Deutsch)
Nachhaltigkeit Zertifizierungen Peru Kaffee
Autor*innen
Iris Männig
Haupttitel (Spanisch)
Der Diskurs der Nachhaltigkeit und seine Manifestation im zertifizierten Kaffeeanbau in Peru
Publikationsjahr
2013
Umfangsangabe
130 S. : Ill., Kt.
Sprache
Spanisch
Beurteiler*in
Peter Cichon
Klassifikation
71 Soziologie > 71.38 Soziale Bewegungen
AC Nummer
AC10759957
Utheses ID
23235
Studienkennzahl
UA | 236 | 352 | |
