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Era lengua d'usatge preferent
aktuelle Sprachpolitik in und rund um die Val d'Aran
Florian Lehne
Art der Arbeit
Diplomarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Philologisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
Betreuer*in
Peter Cichon
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Alle Rechte vorbehalten / All rights reserved
DOI
10.25365/thesis.26032
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-30199.15861.149161-5
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Abstracts

Abstract
(Deutsch)
Die Arbeit zeigt, dass geographisch-politische Gründe in der Val d’Aran zur einer historisch über Jahrhunderte hinweg stabilen tetraglossischen Situation geführt haben, in welcher kastlisch katalansich und französich als zwar als A- Sprachen fungierten aber der gaskognische Dialekt des Aranesischen dennoch die überwiegend von der Bevölkerung verwendete Sprache bleiben konnte. Die Bewohner des Tales standen trotz der frühen administrativen Eingliederung in Spanien weiterhin in Kontakt mit dem übrigen Okzitanien. Doch im Gegensatz zu Frankreich wurde die Sprache in der Val d’Aran nicht mit der gleich brutalen Konsequenz unterdrückt, auch weil es lange seine politische Unabhängigkeit behaupten konnte. Mit dem Aufkommen des katalanischen Nationalismus ergab sich für die Aranesen erneut die Chance auf eine Besserstellung ihrer rechtlichen Situation als Minderheit in der Minderheit, auch wenn diese Forderungen in der zweiten Republik nicht berücksichtigt wurden. Dass sprachenpolitische Forderungen zu diesem Zeitpunkt nicht vorgetragen wurde, lag an der nach wie vor stabilen Sitaution des Aranesichen, an dem auch die Franco Diktatur im zunächst nichts änderte. Die soziolinguistische Sitation sollte sich jedoch mit der endgültigen Erschließung der Verkehrswege und der nunmehr ganzjährigen Anbindung an die iberische Halbinsel ändern. Mit dem Bau von Wasserkraftwerken und dem Aufkommen des Schitourismus war eine starke Immigration vornehmlich kastilischsprachiger ArbeiterInnen verbunden, so dass der Substitutionsdruck auf die örtliche B-Sprache größer wurde. Die nach der Franco Diktatur vorgenommende Anerkennung nichtkastilischer Sprachen schuf keine umittelbare Besserstellung für das Araneischen. Es war infolge der unklaren Auslegung des Artikel 3 der spanischen Verfassung von 1978 zunächst ungewiss, ob ein ausreichender rechtlicher Schutz für die aranesische Sprache erlangt werden könnte. Diese Unklarheit wurde auch nicht mit dem katalanischen Autnomiestatut beseitigt, weil zum Zeitpunkt seiner Erlassung die katalanischen Parteien hauptsächlich mit der Konsolidierung der eigenen Sprach befasst waren und die Aranesen noch über keine eigene politische Vertretung verfügten. Es ist der Initiative der frisch geschaffenen Direcció de Política Lingüística unter dem Vorsitz von Aina Moll zu verdanken, dass dennoch auch eine Normaliserungspolitik für das Aranesische lanciert werden konnte. Denn mit der Kodifizierung der aranesischen Schriftform wurde eine Grundlage für das Einführen des Aranesischen als Unterrichts- und Amtssprache geschaffen, die in der endgültigen Anerkennung des Aranesischen als Amtssprache im katalanischen Autonomiestatut gipfelte. Aranesisch wurde sozusagen im Windschatten des Katalanischen zur lengua propia der Val d‘Aran und gar – in wenn auch in eingeschränktem Ausmaß- zu dritten Amtssprache Kataloniens. Ein eigenes Gesetz für das Aranesisch wurde notwendig. Vor diesem Hintergrund lagen unterschiedliche Vorstellungen über die zukünfitge Sprachenpolitik, die unter anderem mit dem Gesetz fixiert werden sollte, vor. Einerseits verfolgte die katalonische Regierung insbesondere die von Vertretern der ERC geleitete Sprach-und Kulturabteilung eine betont panokzitanische Politik, wobei sogar überlegt wurde die languedoquische Referenzvarietät als Amtssprache zu normieren. Hingegen wollte die politischen Vertreter des Val d’Aran hauptsächlich ihre eigene Varietät geschützt wissen. Trotzdem gab es auch im Tal Bestrebungen, stärker an der Kodifizierung des Okzitanischen teilzunehmen, was jedoch nicht als rechtliche Frage betrachtet wurde. Dies manfestiert sich im Streit um die Bezeichnung des Gesetzes. Die Entscheidung des Verfassungsgerichts STC 31/2010 zum katalanischen Autnomiestatut mit seiner einschneidenden Auslegung des Begriffs lengua propia fiel genau zu einem Zeitpunkt, als die Debatte über das Sprachengestz eigentlich schon beendet war und gewissermaßen ein Kompromiss erreicht worden war. Damit ist dieses Konzept ins Wanken geraten und seine rechtlichen Garantien scheinen instabil geworden zu sein. Trotzdem behielten CiU und die Linkskoalition die davon betroffenen Regelungen bei, obwohl ein Rechtsgutachten des Consell de Garanties Estatuáries besonders zu einer Wegnahme des Begriffes «preferent» riet. Es war damit eine Anfechtung des Gesetzes nicht auszuschließen. Sie erfolgte mit fast einjähriger Verspätung im Sommer 2011 durch die Regierung Zapatero. Diese Anfechtung führte zur Enrüstung in der Val d’Aran und trübte für viele Aranesen das Verhältnis zur spanischen Zentralregierung, welches im restlichen Katalonien schon aufgrund des Urteils STC 31/2010 einen Tiefpunkt erreicht hatte.

Schlagwörter

Schlagwörter
(Deutsch)
Minderheiten Sprachenpolitik Sprachgesetzgebung Katalonien Val d'Aran Aranesisch
Autor*innen
Florian Lehne
Haupttitel (Deutsch)
Era lengua d'usatge preferent
Hauptuntertitel (Deutsch)
aktuelle Sprachpolitik in und rund um die Val d'Aran
Publikationsjahr
2013
Umfangsangabe
93 S.
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Peter Cichon
Klassifikation
17 Sprach- und Literaturwissenschaft > 17.22 Sprachlenkung, Sprachpolitik
AC Nummer
AC10811263
Utheses ID
23258
Studienkennzahl
UA | 236 | 352 | |
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