Detailansicht

Ars oblivionalis
die Kunst des Vergessens in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur
Nathalie Bouteiller-Marin
Art der Arbeit
Diplomarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Philologisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
Betreuer*in
Annegret Pelz
Volltext in Browser öffnen
Alle Rechte vorbehalten / All rights reserved
DOI
10.25365/thesis.26330
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-29097.16286.118661-0
Link zu u:search
(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)

Abstracts

Abstract
(Deutsch)
Vergessen heißt gelöscht, absent. Es sollte nicht möglich sein, über etwas nicht Vorhandenes zu schreiben und dennoch liegen uns zahlreiche wissenschaftliche und literarische Texte vor, die uns das Gegenteil beweisen. Der Grund ist der, dass das Vergessen nie einfach nur alleine stehen kann. Denkt man das Vergessen, muss man immer auch das Erinnern mitdenken, nicht als sein Gegenteil, sondern als seine Bedingung. Wir können nur erinnern, was wir bereits vergessen haben. Unser Gedächtnis leistet beachtliche Arbeit, schon im Vorfeld auszusortieren, welche Informationen wichtig sind und welche getrost vergessen werden können. Dieser Selektionsprozess geschieht unwillkürlich und ist notwendig, da er uns hilft, unsere Erinnerungen mit Bedeutungen aufzuladen. Im Endeffekt sind es die Spuren des Vergessens, die unsere Erinnerungen und somit unsere persönliche Identität formen. Oder um es bildlich auszudrücken, unsere Erinnerungsinseln werden vom Meer des Vergessens umspült und erst durch das Wasser als Inseln erkennbar. Die Spielformen des Vergessens sind zahlreich und nur ein paar können im Zuge der Arbeit behandelt werden. Über Vergessen zu schreiben, heißt immer auch, dieses Vergessen auf mindestens zwei Ebenen zu transportieren. Zum einen kennt die Vergessensliteratur zahlreiche Metaphern, um dieses Paradox greifbar zu machen und viele Vergessenstexte verdeutlichen ihre Thematik durch Lückenhaftigkeit und Inkohärenz im Text selbst. Auf einer zweiten Ebene wird das Vergessen in verschiedensten Formen inhaltlich behandelt. Heilvolles Vergessen, Selbstvergessenheit, Identitätsverlust und Gedächtnisverlust sind nur ein paar Richtungen, die in den vorliegenden Kapiteln behandelt werden. Vergessen ist dabei nicht immer nur eine persönliche Angelegenheit. Die Geschichte zeigt zahlreiche Beispiele kollektiven Vergessens, sei es durch vom Staat verpflichtete Amnesien, um den Frieden zu wahren oder um als Nation die schambehaftete Vergangenheit zu verdrängen. Doch gerade schuldbehaftetes Vergessen hat die Tendenz immer wieder an die Oberfläche zu kommen. Der Mensch ist ein animal obliviscens, ein von Natur aus vergessendes Wesen. Wir vergessen nicht nur, um zu verdrängen, wir vergessen auch, um Ballast abzuwerfen, um – ganz im Sinne Friedrich Nietzsches – nicht in unseren Taten gelähmt zu sein von der Last der Vergangenheit. Auf diese Wichtigkeit vergessen zu dürfen, muss sich die Gesellschaft heute im 21. Jahrhundert, wieder besinnen, wenn es um die Entscheidung geht, bewusst zu selektieren, was wir im digitalen Zeitalter für unsere Nachwelt bewahren wollen. Was ist in Zeiten des Informationsüberflusses wert, erinnert zu werden?

Schlagwörter

Schlagwörter
(Deutsch)
Vergessen neuere deutsche Literatur Martin Suter Katharina Hagena Alexander Pechmann Walter Benjamin Ilse Aichinger Monika Maron Friedrich Nietzsche Sigmund Freud Verdrängen Metaphorik digitales Vergessen
Autor*innen
Nathalie Bouteiller-Marin
Haupttitel (Deutsch)
Ars oblivionalis
Hauptuntertitel (Deutsch)
die Kunst des Vergessens in der deutschsprachigen Gegenwartsliteratur
Publikationsjahr
2013
Umfangsangabe
87 S.
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Annegret Pelz
Klassifikationen
10 Geisteswissenschaften allgemein > 10.99 Geisteswissenschaften allgemein: Sonstiges ,
17 Sprach- und Literaturwissenschaft > 17.93 Literarische Stoffe, literarische Motive, literarische Themen
AC Nummer
AC10744520
Utheses ID
23536
Studienkennzahl
UA | 332 | | |
Universität Wien, Universitätsbibliothek, 1010 Wien, Universitätsring 1