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Multimedialer Aspekt im Werk von Dušan Radović
Multimedialni aspekt u delu Dušana Radovića
Biljana Gratt
Art der Arbeit
Diplomarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Philologisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
Betreuer*in
Katja Sturm-Schnabl
DOI
10.25365/thesis.26347
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-29549.77944.718361-8
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Abstracts
Abstract
(Deutsch)
Das heutige Alltagsleben läßt sich schwer vorstellen ohne die Anwesenheit von
Massenmedien. Sowohl Rundfunk, als auch Zeitungen, Fernsehen, Film und Internet sind
Bestandteil der Arbeit, der Bildung, der Freizeit und des Amüsements geworden. Man muß
bemerken, daß auch die Kultur Massenmedien benötigt, damit sie sich auf die beste Weise
einer so groß wie möglichen Zahl von Benutzern vorstellen könnte. Auf der anderen Seite
können gerade Massenmedien ein Prisma sein, wodurch man die Kultur falsch deutet und ihr
dadurch die Qualität mindert. Die Entwicklung der Technik und das Auftreten einer großen
Zahl von Anbietern auf dem Markt führte zu einem gegenseitigen Kampf unter den
Konkurrenten im Gebiet der Medien und der Massenkommunikation, deren Ziel darin besteht,
so viel wie möglich Zuschauer anzuziehen. Im Angebot stehen verschiedene Programme,
sowohl für Erwachsene als auch für Kinder, aber ihre Quantität garantiert keine Qualität.
Unter dem Medium Massenkommunikation verstehen man ein bestimmtes Mittel,
womit man eine bestimmte Botschaft überträgt, d.h. in der Mitteilung einer Information
vermittelt. Heute gibt es besondere Wissenschaften, die sich mit Kommunikationen und
Massenmedien befassen, es werden die unterschiedlichsten Aspekte neuer Errungenschaften
untersucht. Am meisten befürchtet man die übergroße und schwer kontrollierbare Macht der
Medien, zunächst des Fernsehens, dann auch der übrigen. Der Einfluß auf alle
Gesellschaftsteile, und am meisten auf die Kinder, ist groß. Es gibt schon lange Gesetze, die
versuchen, die Menge der Gewalt und anderer schädlichen Inhalte im Programmschema zu
regeln.
Einst war das nicht so, denn einst waren Massenmedien wie Fernsehen oder Rundfunk
selten. Es gab nicht nur keine breite Auswahl, d.h. verschiedene Medienhäuser, sondern auch
die Haushalte, die sich Apparate für die Übertragung des Fernseh- und Rundfunkprogramms
leisten konnten, waren selten.
Seit der Zeit des Lebens und des Werks von Dušan Radović bis zu den heutigen Tagen
hat sich viel im Medienbereich verändert, aber ihre Bedeutung blieb die gleiche, d.h. sie hat
sich in Einklang mit der Entwicklung der gesamten Gesellschaft selbst erhöht. In den
siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts befand sich das Fernsehen noch in Entwicklung,
während Rundfunk, Film und Bücher noch die häufigsten Wege zur Massenübertragung von
Informationen waren. Informationen hatten damals einen primär informativen, und dann
sekundär auch einen Charakter der Bildung und des Amüsement.
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Dušan Radović hat selbst die Bedeutung der Medien und die Kraft ihres Einflusses auf
breite Volksmassen bemerkt. Sehr bald hat er sich mit ihnen "befreundet", er arbeitete
während eines großen Teils seines Lebens gerade für den Rundfunk und das Fernsehen. Er
bemühte sich, das schriftliche Werk für den Bedarf eines bestimmten Mediums zu gestalten,
ohne dabei die Qualität desselben zu verlieren.
Nach Meinung von Miroslav Maksimović war Radović der erste serbische
Schriftsteller, der rechtzeitig und ernsthaft die Massenmedien verstanden und einen
professionellen Ansatz zu ihnen hatte. "Wenn man seine Arbeit statistisch messen würde,
dann würde sich herausstellen, daß er viel mehr für Zuschauen und Zuhören geschrieben hat
als für Lesen".187
Anhand eines solchen ernsthaften Ansatzes war Radović literarischer Weg durch die
Medien sehr erfolgreich, denn bei ihm handelte es sich um eine "Meinungsart und kindische
Anhänglichkeit zu technischen Erfindungen und modernen Medien, die Dušan Radović mehr
gewürdigt, tiefer verstanden und glücklicher genutzt hat als irgend ein anderer unser
Schriftsteller."188
In der Zeit, als Dušan Radović seine Werke schuf, und wir denken da an den Zeitraum
nach dem Zweiten Weltkrieg bis zu den achtziger Jahren des 20. Jahrhunderts, war die
Auswahl an Medien, die den breiten Massen im damaligen Jugoslawien zugänglich waren,
sehr klein. Besser gesagt, viele Jahre lang gab es keine Auswahl. Es gab nur ein Haus, das
Jugoslawische Rundfunk und Fernsehen, das in Unterstationen der Republiken und Provinzen
der damaligen Sozialistischen Föderativen Republik Jugoslawien unterteilt war. Darunter war
auch der Rundfunk und das Fernsehen Belgrad, das am 23. August 1958 mit der Arbeit
begann.
Die Tatsache, daß es einerseits das einzige im Angebot war, brachte für dieses
Medienhaus eine große Verantwortung und Verpflichtung, ein qualitatives Programm
auszuwählen, andererseits ermöglichte eine solche Art Monopol das Auftreten und die
Wiederholung von Fehlern. Die Programmschemata waren relativ mager und waren
hauptsächlich auf Information und Amüsement reduziert. Ungeachtet dessen war die
Zuschauerzahl groß.
Die Beziehung der Nation zum damaligen Rundfunk und Fernsehen wird am besten
durch den Text über das Fernsehen der damaligen Zeit veranschaulicht: "Als das Fernsehen
Belgrad mit der Arbeit begann, lebten wir in der Zeit des Staatssozialismus (...) Für viele war
187 Radovid Dušan, Baš svašta, Zavod za udžbenike, Belgrad, 2008, Nachwort
188 Bedkovid Matija, Priznati genije nepriznate knijževnosti, im Vorwort zu Na ostrvu pisadeg stola, Mascom
EC/Booking, 2010, Belgrad
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dieses Fernsehen das erste Wort oder das erste Fenster zur Welt. Jeden Abend versammelten
sich die Familien, und die Intensität dieses Gefühls war eine Verbundenheit, die später nie
übertroffen wurde. Groß war das Vertrauen in die Worte, Bilder und Menschen, die die
Nachrichten gelesen oder die Programme geführt haben, und noch größer war die Verbindung
zwischen den Zuschauern und den Fernsehhelden. (...) Das war eine Zeit der Macht einer
Ideologie, einer Botschaft, eines Programms und eines Staats."189
Aufgrund dieser Worte kann man sagen, daß der durchschnittliche Zuschauer den
Rundfunk und das Fernsehen als sein wirkliches "Fenster zur Welt" ansah, daß er
freundschaftlich und mit viel Vertrauen die erhaltenen Informationen akzeptierte, ohne einen
Verdacht, daß ihm irgend etwas davon schaden könnte. Allein dadurch nahmen die
Redakteure und Autoren von Sendungen auf eine unmittelbare Art an der Schaffung der
allgemeinen Meinung, und teilweise auch der Bildung teil.
Dušan Radović hat oft kommentiert, daß die Arbeit im Rundfunk und Fernsehen
mühsam ist, denn es gibt wenige qualitative Menschen, die die Arbeit kennen und wollen, und
es gibt viele Angebote, die keinen künstlerischen Inhalt haben. Er sagte, in der Zeit, als er im
Fernsehen Belgrads arbeitete, gab es nur wenige Angestellte für einen großen Arbeitsumfang:
"In der Redaktion für Kinder arbeiteten zwei-drei von uns, und wir machten 150 Sendungen
jährlich (...) wir haben alles versammelt, was in Belgrad versprach, etwas schriftlich und
intelligent zu machen. Mehr als fünfzig Autoren waren beteiligt."190
Erst im Jahr 1970 kommt es zur Gründung noch eines Rundfunkhauses auf dem Gebiet
Belgrads. Studio B war damals die erste und einzige Rundfunkstation in Jugoslawien
außerhalb des Systems des staatlichen Rundfunks und Fernsehens Belgrad. Sie wurde von
einigen Kollegen, Journalisten der damaligen populären Zeitungen Borba und Jugoslovenska
revija gegründet. Dušan Radović begann in einem Moment eine Zusammenarbeit mit ihnen
und blieb im Rundfunk Studio B ganze sieben Jahre.
Die Massenmediendimension von Radovićs Kunst ist wichtig, denn er "ist ein
Schriftsteller, der sofort die neuen Medien akzeptiert hat. Er war kein Schriftsteller, dessen
Werk zum Beispiel für das Fernsehen adaptiert wird, sonder schrieb als ein Fernsehmensch.
Nicht ein Schriftsteller für das Fernsehen, sondern ein Fernsehschriftsteller. Er wußte, wie
man in der Literatur mit dem Medienkopf denkt. Und aus diesem Grund war er ein
Reformator, ein Mensch der Zukunft. Ein begeisterter Anhänger der Medien, aber auch ein
Kritiker von Büchern. Aber in dieser Zukunft stellte er mit seinem Werk nicht die Literatur,
189 http://www.rts.rs/page/rts/ci/javniservis/RTS+50/story/248.html
190 Radovid Dušan, Na ostrvu pisadeg stola, Mascom EC/Booking, Belgrad, 2010, S. 217
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sondern die Medien in die Frage. Was waren sie ohne Kreativität und Verantwortung der
Kunst?191
Die Art und Weise des Denkens von Radović, bezüglich der Medien und ihrer
Perzeption, ist bereits in seinem Essay Dete i knjiga192 bemerkbar, als Radović wortwörtlich
gesagt hat, daß Kinderbücher wie die wunderbarsten Spielzeuge sind und daß sie schon
immer den Kindern das beste Vergnügen bereitet haben. Als solche mußten sie, seiner
Meinung nach, auch so aussehen, was bereits bei seinen ersten Sammlungen, Poštovana
deco193 und Smešne reĉi194 bemerkbar ist. Beide sind größtenteils mit Illustrationen verziert,
und sind mehr Bilderbücher als klassische Bücher. Schon da bemerkt man seine Tendenz, zur
Visualisierung des geschriebenen Worts zu gelangen, und allein dadurch die Assoziation
anzuspornen, die eine große Rolle in den Liedern von Dusan Radovic hatte.
Mit einem Buch begann er im Jahr 1952 sein künstlerisches Werk, und mit einem Buch
schloß er es ab195, und inzwischen war er auch für und im Fernsehen tätig, für und im
Rundfunk, in Zeitungen, im Film, Theater, im Bereich der Kinderbildung, bei gesellschaftlich
nützlichen Aktionen, wie auch bei anderen Medien, die in dieser Arbeit vertreten sein werden.
Bei der Beobachtung des literarischen Werks von Dušan Radović können wir sagen,
daß es von einem kräftigen Charakter des Intermedialen dominiert wird, aber wenn man die
Bedeutung dieses Termins besser analysiert, bemerkt man, daß ein Großteil seines Werks
diese Eigenschaft technisch nicht besitzt.
Die Intermedialität impliziert eine Beziehung zwischen dem literarischen Werk und der
Medien, d.h. die Bearbeitung dieses Werks in einem der Medien (Film, Fernsehen, Rundfunk,
Theater). Das Werk von Radović ist teilweise eine klassische Poesie, und wenn sie als solche
in einem der Medien bearbeitet wurde, kann sie in die bereits erwähne Eigenschaft der
Intermedialität eingegliedert werden. Der größere Teil seines Schaffens wurde, wie schon
vorher im Text erwähnt, zweckgebunden für das Medium geschrieben, und als solches wurde
es nicht verarbeitet, sondern originell kreativ für die Medienbenutzung gestaltet.
Was man mit Sicherheit behaupten kann ist, daß Dušan Radović in allen Richtungen
seines literarischen Werks in der Kurzform schuf. Dazu kommt noch eine wichtige
Eigenschaft, und zwar, daß er mit Absicht oder durch Zufall den sprachlichen Eigenschaften
und den Stilformen einen leichten Übergang seines Texts von Medium zu Medium ermöglicht
191 http://www.novosti.rs/vesti/kultura.71.html:408413-Bio-jednom-jedan-Dušan-Radovid
192 Radovid Dušan, Na ostrvu pisadeg stola, Mascom EC/Booking, Belgrad, 2010, S. 65
193 Die erste Ausgabe aus dem Jahr 1954 in Belgrad erschien im Verlag Dečije knjige, Bem. d. Aut.
194 Die erste Ausgabe aus dem Jahr 1961 in Belgrad erschien im Verlag Mlado pokolenje, Bem. d. Aut.
195 Unvollendete Ausgabe der Poesie- und Prosasammlung in vier Büchern Ponedeljak, Utorak, Sreda, Četvrtak,
posthum veröffentlicht in Belgrad im Jahr 1983 in der Ausgabe von BIGZ – Narodna knjiga, Bem. d. Aut.
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hat, vom Buch zur Rundfunksendung und umgekehrt, von der Rundfunksendung zum
Theater. Wenn wir all dem hinzufügen, daß Radović ein "Meister der Serialisierung war, der
ein Maximum aus dem Minimum der gegebenen kleinen Formen gewann, ein Meister der
Wiederholung und der Ausschöpfung einer Anfangslage"196, dann können wir schlußfolgern,
daß gerade diese seine Talente eine großartige Gestaltung der Literatur in den Rahmen der
vorgegebenen Themen eines bestimmten Mediums ermöglicht haben.
Bemerkbar ist sein visionärer Blick in die Zukunft der modernen
Medienkommunikation: "Wir leben in einer Zeit, in einer Zivilisation, die immer weniger
redet und sich immer mehr der Symbole bedient. (....) Wir leben in einer Zeit von Bildern und
Symbolen, die romantische Zeit der Worte ist eine Vergangenheit"197.
Vielleicht klingt der oben angeführte Text zu kritisch, aber wenn man seine
Kommentare zum Thema neuer Technologien liest, kommt man zweifellos zur
Schlußfolgerung, daß Radović über sie einen sehr positiven Standpunkt hatte.
In dieser Arbeit werde ich das Werk von Dušan Radović sowohl allumfassend
darstellen, als auch durch das Prisma der Medien, in denen sein Werk dargestellt wurde. Mit
Absicht oder nicht, für ein bestimmtes Medium bestimmt oder nicht, wir werden sehen, daß
der Schriftsteller selbst mit neuen Technologien Kontakt hatte und daß er sie auf die richtige
Weise ausgenutzt hat, um mit seinen Lesern und Zuhörern in einem so unmittelbar wie
möglichen Kontakt zu sein. Es wird sich zeigen, daß es ihm gelungen ist, die Qualität des
Texts zu bewahren, ungeachtet dessen, in welcher Form er aufgeführt und für welche
literarische Gattung er geschrieben wurde.
Dušan Radović kann auf der Szene der serbischen Literatur des 20. Jahrhunderts schwer
nur in einen literarischen Gleis klassifiziert, nur einem literarischen Genre zugeordnet, und
noch weniger nur in eine literarische Richtung klassifiziert werden. Er war nicht nur ein
Dichter und Prosaschriftsteller. Er sah sich überhaupt nicht als modern an, aber er lehnte sich
auch nicht an eine traditionelle Ausdrucksweise.
Er begann sein Schaffen mit der Poesie, und zwar für Kinder. Aleksandar Vuĉo war ein
Zeitgenosse von Radović, der, zwar zwanzig Jahre früher, auch das Schreiben für Kinder
berührte, wenn man berücksichtigt, daß die anderen Literaten jener Zeit sich mehr literarische
Richtungen und Genres wandten, die nicht so sehr auf die Kinderliteratur orientiert waren,
sondern unmittelbar nach dem Krieg auf die sozial engagierte Literatur.
196 Pavkovid Vasa, Moderni duh Dušana Radovida in Dušan Radovid i razvoj moderne srpske književnosti,
Učiteljski fakultet, Belgrad, 2008
197 Radovid Dušan, Baš svašta, Zavod za udžbenike, Belgrad, 2008, S. 379
90
Radović selbst gelang es bereits mit der ersten Sammlung, die Aufmerksamkeit des
Publikums und der Kritik auszulösen. Er wird als der Vater der neuen, modernen Welle des
Schreibens der Kinderliteratur angesehen, und diese erste Sammlung von Liedern Poštovana
deco erhielt von vielen Kritikern den Status eines Wendepunkts im Schreiben der Poesie,
nicht nur der Kinderpoesie, sondern überhaupt. Bei der Untersuchung der Art und Weise des
Schreibens eines Literaten trifft man nicht selten auf Vergleiche. Im Falle von Dušan Radović
sind die Berührungspunkte mit den anderen Schriftsellern ein häufiges Thema der Texte über
seine Poesie. Am meisten Ähnlichkeit trifft man bei der Ableitung der Parallele mit Jovan
Jovanović Zmaj als seinem Vorgänger und Vasko Popa als seinem Zeitgenossen. Der
Vergleich von Radovićs Poesie mit Zmaj gründet auf der Tatsache, daß sowohl Zmaj als auch
Dušan Radović für die Kinder auf eine einfache und den Kindern nahe Weise geschrieben
haben, mit Elementen und einer Sprache, die ihre Inspiration in der Volksliteratur und in der
Folklore findet, mit dem Unterschied, daß bei Zmaj die didaktische Komponente
unumgänglich war, während Dušan Radović die Verknüpfung seiner Poesie mit klassischen
Belehrungen mied. Der zweite Vergleich von Dušan Radović mit seinem Zeitgenossen Vasko
Popa ist einerseits durch die gleiche oder zumindest sehr nahe Entstehungszeit ihrer Werke
bedingt, und andererseits auch durch den Stil und die Art des Akzeptierens der Umwelt.
Radović befaßte sich auf seine charakteristische Weise auch mit der Literaturkritik,
vorrangig mit künstlerischen Texten, die provokativ und mit viel Parodie alles berührten, was
veraltet und durch Klischees begrenzt war. Er führt sehr präzise Komponenten an, die ein
gutes Lied besitzen muß, und das sind die Heiterkeit des Geistes, die Intelligenz, die
Konkretheit, die Präzision und die Verständlichkeit. Betont wird auch die obligatorische
Beobachtung des Lieds vom Standpunkt der allgemeinen literarischen Einschätzung, d.h. daß
das Lied die Grenzen der Kinderliteratur überschreitet. Was die Heiterkeit und die Intelligenz
betrifft, müssen wir sein Nachdenken über das Thema dieser wichtigen
Charaktereigenschaften bemerken. Radović war der Meinung, daß wir selbst das sein müssen,
was wir von unseren Kindern erwarten: "Also, wollen wir, daß unsere Kinder heiter sind?
Dann müssen wir es auch selbst sein. Möchten wir, daß sie klug, aber auch temperamentvoll
sind? Laßt uns mit ihnen zusammen träumen und klug sein."198
Nicht nur, was die Kinderliteratur betrifft, sondern auch im allgemeinen war die
Beziehung von Dušan Radović zur Kunst sehr innovativ für die Zeit, in der er lebte. Den
Standpunkt, daß die sogenannte "angewandte" Kunst ebenfalls eine Kunst hoher Qualität ist,
obwohl sie für bestimmt Bedürfnisse geschaffen wird, hat er oft durch Aussagen bekräftigt,
198 Radovid Dušan, Na ostrvu pisadeg stola, Mascom EC/Booking, Belgrad, 2010, S. 67
91
und am meisten durch die Qualität seine Texte, die er auf Bestellung schrieb. Er sagte oft über
sich, er sei "ein Schneider, der in den Häusern schneidert"199, und ein angewandter
Künstler.200 Sein Werk ist in Bezug auf Genres divers, und die meisten Texte sind auch
flexibel in Bezug auf die Genres, d.h. man kann sie leicht der gewünschten Funktion
anpassen.
Was die Poesie betrifft, so war Radović der Ansicht, daß das Lied die bündigste und die
kürzeste Form des Gesprächs ist, und er hat es für die Kommunikation mit den Jüngeren
benutzt. Man sollte einfach reden, einfache Worte und Phrasen aus dem Alltagsleben
benutzen. Das schriftliche Wort von Dušan Radović folgte seinem Standpunkt, daß das
Wesen der Einfachheit in der Wörtlichkeit ihrer Ausgangsbedeutung liegt. Diese Einfachheit
wird auch die Haupteigenschaft seines Werks für die Erwachsenen bleiben.
Der Humor ist ein unumgängliches Element jedes Lieds von Radović. Auf dem Humor
gründete er seine Poesie, und der Humor war auch der Drehpunkt des Werks dieses Autors für
Erwachsene. Es handelt sich, wie auch bei allem anderen, um einen einfachen, klaren und
offensichtlichen Humor, der niemanden gleichgültig ließ. Bei Kindern ist es nicht leicht, mit
einem Lied ihr Lächeln herauszulocken, mit einem Lied, das keine audiovisuelle Begleitung
hat, und Radović gelang dies fast regelmäßig.
Breiter betrachtet kann ein großer Teil des Stoffs, den Dušan Radović für die Kinder
schrieb, als ein sehr qualitatives edukatives Material angesehen werden, obwohl das meiste
davon offiziell diese Rolle nicht erhielt. Bekannt sind seine Standpunkte über die Didaktik in
der Kinderliteratur, und andererseits über die Bedeutung der Kinderliteratur in der Bildung.
Sein großer Wunsch, einige poetische Lehrbücher für Vorschulkinder zu schreiben, wurde
leider nicht verwirklicht. Er hat versucht, etwas ähnliches in der berühmten Kinderzeitschrift
Poletarac zu verwirklichen, und aus dieser zeitlichen Distanz können wir sicher sagen, daß
ihm das gelungen ist. Die gesammelten Ausgaben der Zeitschrift Poletarac können als ein
ausgezeichnetes Abc-Buch benutzt werden und würden in vielem den Weg zur
Schriftkundigkeit erleichtern, viel besser als einige offizielle Abc-Bücher.
Neben der genannten Zeitschrift erlang eine große Beliebtheit auch die Fernsehsendung
Na slovo, na slovo, die nach dem großen Erfolg im Fernsehen auch im Theater aufgeführt
wurde, und zwar zeit Lebens von Dušan Radović. Was den Rundfunk betrifft, so begann er
seine Karriere mit dem Schreiben des Radiodramas Kapetan Dţon Piplfoks. Damit gelang es
ihm, viel Heiterkeit und Humor in die Heime in ganz Serbien zu bringen, denn es handelt sich
199 Radovid Dušan, Na ostrvu pisadeg stola, Mascom EC/Booking, Belgrad, 2010, S. 165
200 Radovid Dušan, Na ostrvu pisadeg stola, Mascom EC/Booking, Belgrad, 2010, S. 166
92
um einen zwangslosen Humor und um ein Thema, das sehr entfernt ist von den bisherigen
Leiden und Qualen, verursacht durch den Krieg, der nur ein paar Jahre zuvor zu Ende ging.
Andererseits waren bis dahin Radiodramen und Dramen für die Kinder überhaupt eigentlich
nur schlecht nacherzählte Märchen oder moralisch-pädagogische Predigten, die sehr
ungeschickt in die dramatische Form überführt wurden. Die Frische, die das erste Drama von
Radović mit sich bringt, ist ein Samen, der zur Geburt einer ganz authentischen dramatischen
Kunst für die Kinder verhalf.
Neben der Poesie und der Prosa für Kinder nimmt einen bedeutenden Platz in seinem
Werk das Schreiben von Aphorismen. Der Charakter der so geschriebenen Texte von Radović
wurde bis zum heutigen Tag nicht mit Sicherheit in ein literarisches Genre klassifiziert.
"Vielleicht dadurch, daß er in seinem reichen und unumgänglichen Opus fast auf dem Rand
des Genres balanciert, glaube ich, daß die Inventionsgabe im Schaffungsopus von Dušan
Radović einen großen Einfluß haben wird auf die Entwicklung der serbischen Satire im
allgemeinen, auf tapferere und originellere Forschung im Bereich der Form, auf das
Überkommen von klischeehaften Ausdrucksverfahren"201 Was man jedoch mit Sicherheit
behaupten kann ist, daß diese Texte alle Elemente der Satire hatten.
Entgegengesetzt zu allen Kommentaren der literarischen Kritik, der Zeitgenossen und
der Kollegen sah Radović sich selbst nicht als einen Aphoristiker an, und sagte, daß das, was
er mache, "einige mit Aphorismen verwechseln, und ich würde nie gerne ein Autor von
Aphorismen sein. (...) Bevor man das Recht bekommt, kurz und weise zu schreiben, muß man
jahrelang sowohl den Geist als auch den Körper trainieren."202
Radović blieb bei den Erwachsenen in Erinnerung vor allem wegen seiner
Rundfunksendung, die den Status eines Kults hatte, Beograde, dobro jutro. Seine Beziehung
zu Belgrad war voller Sorge, einer Art Vaterliebe, aber auch kräftiger Kritik, wenn es um
ungelöste Probleme der Stadt ging. Er war besorgt, daß das alte Belgrad zerstört wurde, um
Wohngebäude zu bauen203, er empörte sich, daß die Städteplaner sich nicht mit Bürgern über
neue Pläne für den Bau und das Einreißen204 beraten, er versuchte, die Mängel von
Hochhäusern am Ufer von Zemun aufzuzeigen205. Über das Belgrad seiner Kindheit, die
Siedlung Lisiciji potok, wo er aufwuchs, sagt er: "Wir hatten alles: einen Fußballplatz, einen
Volleyballplatz, zwei Bäckereien, zwei Gaststätten, drei Kolonialwarenläden, eine Frau, die
Sauermilch machte. (...) Jetzt verschwindet diese Siedlung. Von Kanarevo Brdo fließen die
201 http://www.aforizmi.org/zasto/lekiotrov.htm
202 Radovid Dušan, Na ostrvu pisadeg stola, Mascom EC/Booking, Belgrad, 2010, S. 376-377
203 Radovid Dušan, Baš svašta, Zavod za udžbenike, Belgrad, 2008, S. 869
204 Radovid Dušan, Baš svašta, Zavod za udžbenike, Belgrad, 2008, S. 869
205 Radovid Dušan, Baš svašta, Zavod za udžbenike, Belgrad, 2008, S. 870
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Hochhäuser - Riesen hinab und zerstören die kleinen Häuser. Die Städteplaner haben kein
Herz, keine Seele, und nicht sehr viel Intelligenz. (....) Ich hasse sie."206
Der größte Opus der Texte über Belgrad setzt sich sicherlich aus seinen Grüßen an die
Belgrader von der Spitze des BeograĊanka Hochhauses, aus dem Rundfunkstudio Studio B,
zusammen. Belgrad wurde darin auf eine sehr reale Weise dargestellt, so daß keine
literarische Romantik und stilistische Bearbeitung zum Thema Belgrad vorhanden sind. Sie
können nicht mehr als kurze Berichte angesehen werden, die in öffentlichen
Informationsmitteln gesammelt und in der Volkssprache nacherzählt wurden. In den Worten
von Dušan Radović war Belgrad "tastbar", gehörte jedem, und konnte im gleichen Moment
live betrachtet werden, falls Sie sich zufällig am gleichen Ort befinden, über den er im
Moment redet. Obwohl er auf den ersten Blick einfach ist bis zur Gewöhnlichkeit, hat der
Text von Dušan Radović einen kräftigen poetischen Zug, der allgegenwärtig ist, wenn es um
seine Texte über die Stadt, in der er lebte, geht. Was man aus den vielen Texten von Radović
schließen kann, ist, daß der Autor eigentlich den alten Geist Belgrads bewahren wollte, aber
nicht zum Preis der Veralterung, und ihn modernisieren wollte, aber nicht zum Preis des
Erstickens zwischen den Hochhäusern.
Er wollte alle Bürger, wie auch die Zuständigen in der Stadtregierung beraten, wie sie
sich gegenüber ihrer Stadt verhalten sollen, um in ihr das schönste zu bewahren. Er war
besorgt, denn "Belgrad sieht den Belgradern nicht ähnlich, sondern denen, in deren Händen
jahrzehntelang die Entscheidungsmacht lag207", und daher wünschte er, daß mit Belgrad das
geschehen solle, was geschehen muß, "aber in einer schöneren und zahmeren Version. Es soll
um sein Schicksal ein bißchen feilschen und nicht mit allem einverstanden sein. Es soll sich
nach der neusten Mode kleiden, wie das Zentrum von New York, aber es soll in seinem
Greenwich Village seine Seele bewahren"208
Wegen einigen Aphorismen, die die Vertreter der serbischen politischen Szene kritisiert
haben, wurde Radovićs Sendung vom Programm abgesetzt. Es blieben Erinnerungen an sie
und drei Bücher, die eine Sammlung der interessantesten Morgenbotschaften sind. Radović
hat seine große, genauer gesagt bedingungslose Liebe gegenüber Belgrad in eine dieser
Botschaften überführt, und sie wurde inzwischen ein Motto aller jener, die Belgrad als ihr
Heim ansehen, ungeachtet dessen, in welchem Teil der Welt sie sich befinden:
206 Radovid Dušan, Na ostrvu pisadeg stola, Mascom EC/Booking, Belgrad, 2010, S. 369
207 Radovid Dušan, Na ostrvu pisadeg stola, Mascom EC/Booking, Belgrad, 2010, S. 398
208 Radovid Dušan, Na ostrvu pisadeg stola, Mascom EC/Booking, Belgrad, 2010, S. 412
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"Wer heute morgen das Glück hatte, in Belgrad zu erwachen, kann davon ausgehen,
daß er für heute ausreichend im Leben erzielt hat. Jedes Bestehen auf etwas Zusätzliches
wäre unbescheiden".
(Donnerstag, 24. Juli 1975)
In der Kinderpoesie wird er als ein Autor angesehen, der eine Epoche abschließt, die mit
dem Drachen begann, und der die nächste mit Radović beginnt. In der kurzen literarischen
Form blieb er ohne präzise Qualifikation, aber mit der Eigentümlichkeit der "Belgrader"
Folklore. Er probierte auch das Schreiben von Texten für alle derzeit bestehende
Massenmedien. Den Höchstpunkt der Originalität der Bestimmung seiner Worte erzielte er im
Feld, das vor und nach ihm kein Künstler berührt hat – im Bereich der Hochzeit. Auch heute
schließt man in Belgrad die Ehe mit den Versen von Dušan Radović, die wie auch alle seine
anderen Texte aktuell sind wie vor fast einem halben Jahrhundert, als sie geschrieben wurden:
(…)„Seid eifersüchtig, aber nicht auf einander, sondern auf Eure Ehe. Bewahrt sie und
schützt sie vor allen Versuchungen, betrachtet sie als wertvoll für Euer Schicksal und
Glück.“(…)
Dušan Radović wurde am 29. November 1922 in Niš geboren. Mit sechs Jahren zieht er
mit seiner Familie nach Subotica, wo er die Grundschule und die sechste Klasse des
Gymnasiums absolviert. Im Jahr 1941. macht er das Abitur in Belgrad und lebt in der
Hauptstadt bis zu seinem Tod. Unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg arbeitet er als
Redakteur der Pionierzeitung, ab 1952. als Redakteur des Kindeprogramms bei Radio Belgrad
und ab 1960. als Redakteur der Kinderprogramme bei Radio- Televizija Belgrad.
Als Mitarbeiter im Atelier für Propaganda und Design und als Journalist, arbeitet er ab
1967.für die Zeitung „Borba“. Ab 1973. ist er als Hauptredakteur und Gründer des Blattes
Poleterac bis zu seiner Auflösung tätig. Im Jahr 1975. fängt er als Redakteur im Studio B an
und geht 1983. in Pension. Ein Jahr nach seiner Pensionierung stirbt er in Belgrad.
Schlagwörter
Schlagwörter
(Deutsch)
Multimedialer Aspekt
Autor*innen
Biljana Gratt
Haupttitel ()
Multimedialer Aspekt im Werk von Dušan Radović
Hauptuntertitel ()
Multimedialni aspekt u delu Dušana Radovića
Publikationsjahr
2013
Umfangsangabe
102 S. : Ill.
Sprache
Beurteiler*in
Katja Sturm-Schnabl
Klassifikation
17 Sprach- und Literaturwissenschaft > 17.10 Sprache in Beziehung zu anderen Bereichen der Wissenschaft und Kultur
AC Nummer
AC10736888
Utheses ID
23553
Studienkennzahl
UA | 243 | 364 | |
