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Disziplinierung und Liegekur
die Behandlung der Tuberkulose in Volksheilstätten um 1900 am Beispiel von Davos
Robert Kislinger
Art der Arbeit
Diplomarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Historisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
Betreuer*in
Hubert Christian Ehalt
Alle Rechte vorbehalten / All rights reserved
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-30494.10551.948865-8
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)

Abstracts

Abstract
(Deutsch)
Um 1900 forderte die Tuberkulose in Mitteleuropa unter allen Krankheiten die meisten Todesopfer. Obwohl spätestens durch Robert Kochs Entdeckung des Tuberkelbazillus 1882 der Nachweis der Übertragbarkeit der Tuberkulose erbracht war, kannte man bis zur Entwicklung des Streptomycins Mitte des 20. Jahrhunderts kein geeignetes Heilmittel zur wirkungsvollen Bekämpfung der Krankheit. Die Hoffnungen vieler Heilungsbedürftiger richteten sich auf die Bakteriologie, die allerdings nach dem Tuberkulin-Fiasko 1890 massiv an Glaubwürdigkeit verlor. In der Folge gewannen die Vertreter der Heilstättentherapie, von Deutschland ausgehend, größere Beachtung, wodurch der Bau von zahlreichen Volksheilstätten ermöglicht werden konnte. In diesen Einrichtungen sollten finanziell weniger begüterte Lungenkranke Aufnahme finden. In der Schweiz entstanden mehrere kantonale Volksheilstätten, wobei hier die vermeintliche Wirksamkeit des Höhenklimas eine besondere Rolle spielte. Im Hochgebirgsort Davos hatte nach 1850 der deutsche Arzt Alexander Spengler eine Heilmethode entwickelt, bei der die Vorzüge des vorherrschenden Klimas – allen voran trockene Luft und Sonnenreichtum – eine besondere Rolle bei der Behandlung Lungenkranker spielen sollten. Davos erwarb sich alsbald den Ruf eines mondänen internationalen Lungenkurorts, der um 1900 seinen Höhepunkt erreichte. Dies hatte der Ort einer vergleichsweise erfolgreichen Propaganda zu verdanken, an der die Davoser Ärzteschaft im Verbund mit Unternehmern und Meteorologen tatkräftig mitwirkte. Hierbei sollte vor allem eine vermögende Kurklientel in den Hochgebirgsort gelockt werden. Weniger begüterte Kranke fanden daher vorrangig in mehreren Volkssanatorien Aufnahme, um deren Bau sich die Davoser mit Nachdruck bemüht hatten. Diese geschlossenen Einrichtungen folgten einem strikten Reglement, der Tagesablauf der Kranken war bis ins Detail geregelt, die Einhaltung der Liegekur wurde streng überwacht. Die Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit stand im Vordergrund, beispielsweise in der Basler Heilstätte, die sich gleichermaßen als Erziehungsanstalt verstand, in welcher den Kranken eine hygienische und sittlich richtige Lebensführung eingeimpft werden sollte. Prophylaktische Maßnahmen sollten schließlich bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts bei der Bekämpfung der Tuberkulose die wichtigste Rolle einnehmen.

Schlagwörter

Schlagwörter
(Deutsch)
Davos Volksheilstätte Tuberkulose
Autor*innen
Robert Kislinger
Haupttitel (Deutsch)
Disziplinierung und Liegekur
Hauptuntertitel (Deutsch)
die Behandlung der Tuberkulose in Volksheilstätten um 1900 am Beispiel von Davos
Publikationsjahr
2013
Umfangsangabe
94 S.
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Hubert Christian Ehalt
Klassifikation
15 Geschichte > 15.08 Sozialgeschichte
AC Nummer
AC10793709
Utheses ID
23622
Studienkennzahl
UA | 312 | | |
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