Detailansicht
Über die Rezeption der traditionellen Musik Japans durch den Westen
Oliver Lasselsberger
Art der Arbeit
Diplomarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Philologisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
Betreuer*in
Rinko Fujita
DOI
10.25365/thesis.26581
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-29084.39737.900953-7
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Abstracts
Abstract
(Deutsch)
Die Rezeption der traditionellen japanischen Musik im Westen blickt auf eine lange
Geschichte zurück. Die Isolation des Landes ließ es jedoch lange Zeit nicht zu, dass mehr als einige
Individuen einen Einblick in die Kultur und die Musik des Landes gewinnen konnten.
Dementsprechend unvorbereitet waren diese Menschen aus dem Westen, als sie die japanische
Musik rezipierten, deren Mechanismen auf völlig andere Weise funktionieren, als die der
europäischen Musik, was zu entsprechenden Interpretationschwierigkeiten führte.
Das Tempo in der japanischen Musik ist ständigen Schwankungen unterworfen, die als
Mittel des Ausdruckes gebraucht werden. Die Auseinandersetzung mit der Forschung Abrahams
und Hornbostels zeigte, dass der Eindruck der beiden Forscher, dass die Temposchwankungen
willkürlicher Natur wären, auf dem westlichen Idealbild des Tempos beruhte. Die erhobenen Daten
der Forscher wurden mit dem japanischen Tempo-Prinzip jo-ha-kyû verglichen, und die
Schlussfolgerung gezogen, dass sich die Temposchwankungen in den meisten Fällen damit erklären
lassen. Das Tempo stellte sich also als nicht-willkürlich heraus. Als zweiter großer Punkt der
Zeitauffassung in der japanischen Musik wurde die Segmentierung von Zeit untersucht. Unter dem
musikpsychologischen Prinzip der Gruppierung von Schallereignissen wurden die Faktoren der
Elastizität des Rhythmus, des langsamen Vortragstempos und der fehlenden Funktionsharmonik in
der japanischen Musik betrachtet. Es wurde die Schlussfolgerung gezogen, dass all diese
Eigenheiten der traditionellen Musik Japans es dem westlich sozialisierten Musikhörer schwer
machen, solche Gruppierungen vorzunehmen, und durch dieses Erfolgserlebnis Genuss zu erfahren.
Danach wurde die Rezeption des gagaku in der Gegenwart untersucht, und die Tendenz festgestellt,
diese Musik durch Wahrnehmungsmuster zu hören, die ein Jahrhundert früher noch nicht
existierten.
Die Klangfarbe nimmt in der Musik Japans eine Stellung ein, die auf weit mehr als nur den
Geschmack zurückgeht, und ihre Wurzeln in der japanischen Naturauffassung und dem
konfuzianistischen Ideal einer harmonischen Gesellschaft hat. Beide Punkte wurden durch einen
Vergleich von Japan zum Westen untersucht. Aus den verschiedenen Naturauffassungen wurde der91
Schluss gezogen, dass der Westen eine Trennung zwischen Natur und Musik sieht, während diese
Begriffe in Japan viel näher bei einander stehen. Dadurch ergibt sich im Westen ein künstliches, von
Ballast befreites Klangideal, das in einem Gegensatz zum japanischen steht, das das Geräusch als
Teil der Natur in der Musik wertschätzt. Die Rolle der Musik im Konfuzianismus wurde mit der
Rolle der Musik im antiken Griechenland verglichen und dabei eine starke Überschneidung
festgestellt. Da die Entwicklung der europäischen Musik jedoch in anderen Bahnen verlief als in
Japan, wurde die Musik zur Unterhalterin, während Japans Musiktradition weiter an diesen Werten
festhielt. Die verschiedenen Entwicklungen der Ensemblegrößen und Dynamik-Ideale in der Musik
der beiden Kulturräume wurden auf diese Wertvorstellungen zurückgeführt, und so manche der
Bewertungen erklärt, die in Rezeptionsdokumenten getätigt wurden.
Tôru Takemitsus Werk „November Steps“ wurde als Repräsentant der traditionellen Musik
Japans in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts sowohl auf die Rezeption durch das Publikum als
auch auf die Rezeption der japanischen Musik selbst durch das Stück betrachtet. Die
musikkulturellen Veränderungen in dieser Zeit führten zwar nicht zum Verständnis der japanischen
Musik, doch zu einer erhöhten Akzeptanz gegenüber fremden Klangfarben und Reinterpretationen
nach neuen Deutungsmustern.
Danach wurde die musikalische Rezeption der traditionellen Musik Japans anhand der Oper
„Madama Butterfly“ des Komponisten Puccini untersucht, und einige der Mechanismen betrachtet,
mit deren Hilfe das Werk im Kontext der orientalistischen Oper des 19. und beginnenden 20.
Jahrhunderts das Attribut „japanisch“ rechtfertigte.
Ebenfalls auf westlichem Boden fanden die Tourneen der Kawakami-Truppe und zahlreicher
kabuki-Gruppen statt. Hier richtete sich die Rezeption stark auf die dramaturgischen und visuellen
Komponenten der Theater-Gattungen aus, und nahm die Musik oft nur als untermalendes Beiwerk
war. Dies hatte zur Folge, dass relativ wenige Bewertungen der Musik als eigenständige Kategorie
stattfanden. Diese Tendenz zeigt sich sowohl in der Kawakami-Tournee am Anfang des 20.
Jahrhunderts, als auch in den kabuki-Tourneen in der zweiten Hälfte des selbigen.
Schlagwörter
Schlagwörter
(Deutsch)
Japan Rezeption Musik Ongaku Westen
Autor*innen
Oliver Lasselsberger
Haupttitel (Deutsch)
Über die Rezeption der traditionellen Musik Japans durch den Westen
Publikationsjahr
2013
Umfangsangabe
104 S. : graph. Darst., Notenbeisp.
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Rinko Fujita
Klassifikation
24 Theater > 24.98 Musik: Sonstiges
AC Nummer
AC10770890
Utheses ID
23761
Studienkennzahl
UA | 316 | | |
