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Die Stellung des Französischen im luxemburgischen Schulsystem
Kinga Zamolyi
Art der Arbeit
Diplomarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Philologisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
Betreuer*in
Rosita Schjerve-Rindler
DOI
10.25365/thesis.26668
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-29808.95966.662265-5
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Abstracts
Abstract
(Deutsch)
Die leitende Forschungsfrage, die dieser Arbeit durchgehend unterlag, war welche Rolle Französisch im luxemburgischen Schulsystem spielt, und zwar im Besonderen in der Sekundarstufe.
Um auf diese Frage eingehen zu können, war es wichtig zuerst die Stellung von Französisch in der Gesellschaft zu analysieren. Aufschluss darüber gibt die Geschichte Luxemburgs, in der die französiche Sprache druchgehend präsent ist. Französisch war öfters Verwaltungssprache und wurde ab dem 15. Jahrhundert besonders vom Adel gebraucht. Dies hat bis heute Auswirkungen, da es als eine prestigeträchtige Sprache angesehen wird (vgl. Fehlen, 2002, 93). Seit 1984 ist Französisch neben Deutsch und Luxemburgisch eine der drei offiziellen Sprachen des Landes. Die französische Sprache wurde früher hauptsächlich von der Elite verwendet, jedoch hat sich dies in letzter Zeit verändert, da es auch Sprache der Immigration wurde. Neben verschiedenen anderssprachigen Personen immigrierte auch eine große Anzahl an romanophonen (hauptsächlich italienisch-, portugiesisch- und auch französischsprachigen) Personen nach Luxemburg. Darüber hinaus pendeln 42% der arbeitenden Bevölkerung täglich aus den Nachbarländern nach Luxemburg, von denen ungefähr 80% französischsprachig sind (vgl. Horner & Weber, 2008,70). Da viele Pendler, aber auch Immigranten in Restaurants, Cafés oder als Verkaufspersonal arbeiten, wird mit Kunden oft auf Französisch gesprochen (vgl. Berg & Weis, 2005,44). Dies bestätigte sich zum Teil in der quantitativen Studie, da die Lehrer/innen sowie auch die Schüler/innen zu gleichen Teilen Französisch und Luxemburgisch als Sprachen angaben, die sie in der öffentlichen Umgebung mit Fremden auf der Straße, im Zug oder im Bus verwendeten. Die Gruppe der Schüler/innen gab sogar an, am meisten Französisch mit Verkäufer/innen im Supermarkt zu sprechen, während die Lehrer/innen zu gleichen Teilen Französisch und Luxemburgisch am meisten verwendeten. Durch die starke Immigration, die besonders in den letzten hundert Jahren stattfand, besitzen heute 43,8% der luxemburgischen Bevölkerung einen ausländischen Pass. Dies spiegelte sich auch bei den Schüler/innen wieder, da unter den 51 befragten Personen neben der luxemburgischen noch 13 andere Nationalitäten vorhanden waren. Bei der Gruppe der Lehrer/innen jedoch hatten alle die luxemburgische Nationalität, bis auf eine/n Lehrer/in, die neben der luxemburgischen auch die portugiesische Staatsbürgerschaft besaß.
Um mehr über die Rolle der französischen Sprache im luxemburgischen Schulsystem zu erfahren, war es wichtig in Erfahrung zu bringen, wann Französisch von den Schüler/innen sowie Lehrer/innen verwendet wird. Daher wurde eine Domänenalayse durchgeführt, um den Sprachgebrauch der Schüler/innen und Lehrer/innen genauer kennenzulernen. In den Domänen der Familie, Schule, Freunde, Arzt und Nachbarn stellte sich heraus, dass ein Großteil der Lehrer/innen und Schüler/innen Luxemburgisch am meisten verwenden, jedoch auch viele verschiedene andere Sprachen mäßig verwendet werden. Im Bereich des Lesens, geben die Schüler/innen bei Büchern und Internet am meisten Deutsch an, während weniger Personen auch Französisch verwenden. Comics und die Zeitung werden jedoch von Schüler/innen am meisten auf Französisch, gefolgt von Deutsch gelesen. Bei den Lehrer/innen werden Bücher und Zeitungen am meisten auf Französisch und Deutsch gelesen. Im Internet wird jedoch am meisten Englisch, gefolgt von Deutsch und Französisch von den Lehrer/innen verwendet. Ferngesehen wird von den Lehrer/innen und Schüler/innen am meisten auf Deutsch, während das Radio hauptsächlich auf Luxemburgisch gehört wird. DVDs werden von den Schüler/innen am meisten auf Deutsch angesehen, während die Lehrer/innen am meisten die englische Sprache verwenden. Beim Schreiben bevorzugen die meisten Schüler/innen Luxemburgisch mit Familie, Freunden und Lehrer/innen. Jedoch verwenden einige Schüler/innen auch Deutsch und Französisch. Bei den Lehrer/innen wird am meisten Französisch für offizielle Briefe und E-Mails verwendet, an Freunde wird auf Luxemburgisch geschrieben, jedoch korrespondiert man mit der Familie auf Deutsch.
Diese Resultate zeigen, dass alle drei offiziellen Sprachen Luxemburgs im täglichen Leben der Luxemburger eine wichtige Rolle spielen. Französisch spielt zwar im mündlichen Bereich eine nicht allzu große Rolle, jedoch wird Französisch in den Bereichen Lesen, Hören und Schreiben von den Schüler/innen sowie den Lehrer/innen öfters gebraucht. Die Gefühle die mit Französisch Sprechen, Lesen, Hören und Schreiben verbunden werden, unterscheiden sich jedoch bei der Gruppe der Lehrer/innen und der Gruppe der Schüler/innen. Generell zeigte ein Großteil der Lehrer/innen eine positive Einstellung zu Französisch Sprechen, Lesen, Hören und Schreiben, während bei den Schüler/innen eher eine ausgeglichene Meinung, mit ähnlich vielen positiven wie negativen Antworten, sichtbar wurde.
Subjektiv innerhalb der befragten Gruppe scheint Französisch einen hohen Stellenwert einzunehmen, da ungefähr 70% der Lehrer/innen wie auch der Schüler/innen angaben, oft zu hören, dass Französisch eine wichtige Sprache ist. Darüber hinaus gaben 83,3% der Lehrer/innen an, zu glauben, dass Französisch eine wichtige Sprache für die Zukunft der Schüler/innen ist. Ein Grund für diese Aussagen könnte sein, dass die französische Sprache am luxemburgischen Arbeitsmarkt sehr gefragt ist (vgl. Fehlen, 2009,141). In der Studie stimmte ein Großteil der Lehrer/innen und Schüler/innen den Aussagen zu, dass Französisch wichtig ist um eine gute Arbeit zu bekommen, um studieren zu können, wie auch um ins Ausland gehen zu können. In der Schule spiegeln sich die Werte, die in der Gesellschaft vertreten werden wieder, da ein Großteil der Schüler/innen Französisch für eine wichtige Sprache erachtet, um gute Noten zu bekommen. Der Grund dafür ist, dass Französisch ab dem ersten Sekundarschuljahr Unterrichtssprache in Mathematik wird und ab dem vierten Sekundarschuljahr Unterrichtssprache aller Sachfächer. Dies bedeutet, dass die französische Sprache umso wichtiger wird, je länger sich die Schüler/innen im enseigement secondaire befinden.
Trotz dieser Tatsachen muss festgehalten werden, dass die meisten Befragten (Lehrer/innen und Schüler/innen) dem Erlernen der englischen Sprache in der Schule mehr Gewicht beimaßen, als dem Erlernen aller anderen Sprachen (siehe Tabelle 40 und 112 im Anhang).
Um die Forschungsfrage beantworten zu können, musste auch in Erfahrung gebracht werden, welche Sprachen während dem Unterricht gebraucht werden. Eigentlich schreibt der Lehrplan meist eine bestimmte Unterrichtssprache vor. Verschiedene Autoren jedoch meinen, dass das Miteinbeziehen von verschiedenen Sprachen dem Sprachunterricht förderlich sein kann (vgl. Cook, 2008,233; Erhart, 2010,224; Baker, 2006,297). Es war interessant festzustellen, dass Schüler/innen wie auch Lehrer/innen verschiedene Sprachen als Unterrichtssprachen erwähnten, und nicht nur die vorgeschriebenen Sprachen des Lehrplans anführten. Luxemburgisch wurde neben der vorgeschriebenen Unterrichtssprache in jedem Fach als mäßige oder sogar meistgesprochene Sprache von Schüler/innen wie auch Lehrer/innen angeführt. Auch Französisch fand mäßig in manchen Fächern Erwähnung, obwohl es nicht die vorgeschriebene Sprache des Faches ist (siehe Tabelle 71, 72, 73, 75, 77, 78, 146). Aus diesen Resultaten kann man schließen, dass die Lehrer/innen trotz der Verordnungen des Lehrplans einen mehrsprachigen Unterricht in den verschiedenen Fächern praktizieren. So scheint es, dass die aktuelle Unterrichtssituation tatsächlich mehr in Richtung der in den obigen Theorien vorgeschlagenen mehrsprachigen Sprachverwendung geht, statt dem im Lehrplan vorgeschriebenen einsprachigen Unterricht zu folgen.
Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die französische Sprache eine wichtige Rolle im luxemburgischen Schulsystem, und im Besonderen in der Sekundarstufe spielt. Französisch ist wichtig, da es die Unterrichtssprache von Mathematik ist und später als Unterrichtssprache für Sachfächer fungiert. Der Grund warum Französisch wichtig in der Schule ist, ist dass es auch in der Gesellschaft als wichtige Sprache verankert ist. Der luxemburgische Arbeitsmarkt verlangt gute Französischkenntnisse und durch die Einwanderung aus den Nachbarstaaten, sowie anderen romanophonen Ländern ist Französisch eine wichtige Verkehrssprache in Luxemburg geworden.
Wir können anhand unserer Studie nun feststellen, dass der hohe Stellenwert des Französischen in Luxemburg durch geschichtliche Aspekte (Verwendung in Elitekreisen der Gesellschaft und als Verwaltungssprache), sowie aktuelle wirtschaftliche Aspekte (Nähe zur französischen Wirtschaft, hohe Anzahl der romanophonen Einwanderer und Pendler) bedingt ist. Diese Kombination von historischen und rezenten Ereignissen führte dazu, dass Französisch auch fest im luxemburgischen Schulsystem verankert wurde. Die Befragungsergebnisse zeigen uns jedoch die hohe Komplexität der Sprachverwendung in Luxemburg mit mehreren, parallel nebeneinander in verschiedenen Situationen benützten Sprachen. In dieser alltäglich gelebten Mehrsprachigkeit kommt neben Französisch, aber auch Luxemburgisch und Deutsch eine wichtige Rolle zu.
Abstract
(Englisch)
The Luxemburgish school system is unique in comparison to other school systems in the whole world given the fact that students are taught in the three official languages of the state, Luxemburgish, German and French. While German is the language of instruction during primary school, French takes over this role during the fourth form of secondary school.
Therefore, this work has the aim of analysing the role of the French language in the Luxemburgish school system, especially in secondary schooling. In order to investigate this topic, a quantitative study in two Luxemburgish secondary schools has been carried out. Questionnaires have been designed focusing on the attitudes of students as well as teachers towards the change of the language of instruction and the French language, including the way how languages are employed during the lessons. The study has shown that French is indeed seen as an important language by the respondents, given the fact that French is needed by most respondents on an instrumental level to get a good job, to be able to study or to go to foreign countries. Generally teachers displayed a rather positive attitude towards French and towards the change of language of instruction, while students had a balanced view, given the fact that approximately the same amount of students displayed positive as well as negative attitudes towards research areas in question. Furthermore, the study showed that besides the generally prescribed single language of instruction (German or French), teachers as well as students declared Luxemburgish as language used in all the polled subjects, as well as sometimes also French and German. This gives evidence to the hypothesis that although teaching should take place in one language according to the curriculum, in reality many languages are employed, which is also advised in modern pedagogical approaches.
Schlagwörter
Schlagwörter
(Englisch)
luxemburgish schoolsystem
Schlagwörter
(Deutsch)
luxemburgisches Schulsystem
Autor*innen
Kinga Zamolyi
Haupttitel (Deutsch)
Die Stellung des Französischen im luxemburgischen Schulsystem
Publikationsjahr
2013
Umfangsangabe
X,143, 70 S. : zahlr. graph. Darst.
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Rosita Schjerve-Rindler
Klassifikationen
17 Sprach- und Literaturwissenschaft > 17.10 Sprache in Beziehung zu anderen Bereichen der Wissenschaft und Kultur ,
17 Sprach- und Literaturwissenschaft > 17.23 Mehrsprachigkeit
AC Nummer
AC10810440
Utheses ID
23848
Studienkennzahl
UA | 236 | 346 | |
