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Ñande reko - nuestra forma de ser
Ethnizität in den Diskursen sozialer und zivilgesellschaftlicher Organisationen in Santa Cruz, Bolivien
Birte Mareike Spilger
Art der Arbeit
Diplomarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Philologisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
Betreuer*in
Georg Grünberg
DOI
10.25365/thesis.28657
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-30011.58582.898465-3
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)
Abstracts
Abstract
(Deutsch)
Im Rahmen dieser Diplomarbeit wurde die Rolle der Ethnizität in den Diskursen sozialer und zivilgesellschaftlicher Organisationen im Departement Santa Cruz, Bolivien analysiert. Dabei wurde der Forschungsfrage nachgegangen, aus welchen Gründen die Kategorie der Ethnizität in Bolivien und speziell im Departement Santa Cruz diskursiv verwendet wird. Es wurde untersucht welche Akteursgruppen derartige Diskurse aufgreifen und reproduzieren und auf welche Art und Weise ethnisch geprägte Diskurse bewusst eingesetzt werden, um spezifische Ziele und Interessen zu legitimieren und durchzusetzen.
Um die aktuelle Wirkmächtigkeit ethnisch geprägter Diskurse besser nachvollziehen zu können, wurde die Bedeutung der Ethnizität in der Vergangenheit Boliviens im Rahmen einer Makroanalyse näher untersucht. Durch die Beleuchtung zurückliegender Diskurse um Ethnizität wurde deutlich, dass die heute gängigen ethnischen Identitätskategorien während der Kolonialzeit entstanden und eng mit gesellschaftlichen Strukturen und Machtverhältnissen verwoben waren. Ethnisch gefärbte Diskurse ziehen sich seitdem wie ein roter Faden durch die Geschichte Boliviens, die ethnische Zugehörigkeit bestimmt auch in der neokolonialen Phase des Landes die Lebensverhältnisse und die soziale Stellung eines Großteils der Bevölkerung. Durch das Erstarken indigener Bewegungen wurden tief verankerte Machtverhältnisse in Bolivien aufgebrochen und neu geordnet. Der Bezug auf eine gemeinsame ethnische Zugehörigkeit diente als verbindendes Element zwischen den indigenen Völkern und bot eine Plattform, um spezifische Forderungen und Interessen zu artikulieren. Diese nationale Entwicklung wurde durch einen internationalen Prozess begleitet, welcher Diskurse um Indigenität in die Aufmerksamkeit einer breiten Öffentlichkeit rückte und indigenen Gruppierungen weltweit den Rücken stärkte. Neben den indigenen Bewegungen bedienten sich weitere Akteursgruppen ethnisch geprägter Diskurse, darunter das nach departamentaler Autonomie strebende Bürgerkomitee Comité pro Santa Cruz und die Bewegung Nation Camba.
Die Ergebnisse der Makroanalyse zeigten die Bedeutung der Ethnizität in der Vergangenheit Boliviens auf, durch eine Mikroanalyse konnte bestätigt werden, dass der Kategorie der Ethnizität nach wie vor eine zentrale Bedeutung in den Diskursen sozialer und zivilgesellschaftlicher Bewegungen zukommt. Der diskursive Bezug auf die Ethnizität spielt sowohl eine Rolle bei den Bestrebungen Zugang zu Macht zu erlangen als auch spezifische Machtverhältnisse zu erhalten und zu reproduzieren. Die Ergebnisse der Diskursanalyse bestätigten zudem die These, dass ethnische Diskurse von einigen sozialen und zivilgesellschaftlichen Gruppierungen im Departement Santa Cruz gezielt verwendet werden, um spezifische Interessen und Forderungen zu legitimieren und durchzusetzen. Die Zugehörigkeit zu einer ethnischen Gruppe wird diskursiv direkt mit Argumentationen für spezielle Rechte verknüpft und dient als Legitimationsbasis grundlegender Ziele und Interessen, wie dem Zugang zu Land, natürlichen Ressourcen und Formen der Autonomie.
Abstract
(Englisch)
This thesis aims to analyze the role of ethnicity in discourses of social and civil organizations in the department of Santa Cruz, Bolivia. The overall objective is to understand why ethnicity is used discursively in Bolivia and especially in the department of Santa Cruz. Addressing this research question, an analysis of different actor groups is carried out to understand which actors are using and reinforcing the discourses. In addition, the manner in which those discourses are used consciously to legitimize and enforce specific aims and interests will be analyzed carefully.
In order to make the current efficacy of ethnic discourses more comprehensible, the meaning of ethnicity in Bolivia’s history was closely examined by using macro analysis. Hereby it became obvious that today’s ethnic identity patterns were created in the colonial past and are closely connected to societal structures and power dynamics. Since this time, ethnic discourses are a central theme in Bolivia’s history. Ethnic belonging still influences the living conditions and social rank of the majority of the population in neo-colonial times.
The strengthening of indigenous movements first lead to a breakdown of deeply rooted power structures in Bolivia, which was followed by a rearrangement of power relations within the society. Common ethnic belonging was used as a connecting element between different indigenous peoples and offered a platform to articulate specific claims and interests. This national development was accompanied by an international process which brought ethnic discourses to a broad public. Besides the indigenous movements, additional actors used ethnic discourses for their own goals, for example the civil committee “Comité pro Santa Cruz” which was seeking for departmental autonomy, or the movement “Nation Camba”.
The findings of the macro analysis show a strong meaning of ethnicity in the history of Bolivia, while the micro analysis confirms that ethnicity still has a central meaning in the discourses of social and civil-society movements. The reference to ethnicity in discourses plays a decisive role in efforts gain power as well as in the maintenance and reinforcement of existing power structures. Findings of the discourse analysis confirm the assumption that ethnic discourses of some social and civil-societal groups in the department of Santa Cruz are aimed at legitimizing and enforcing specific interests and claims. The belonging to ethnic groups is connected directly to the argumentation of claims to specific rights. At the same time it is used as a legitimizing basis for general aims and interests like access to land, natural resources and autonomy.
Schlagwörter
Schlagwörter
(Englisch)
Bolivia ethnicity indigenous movements
Schlagwörter
(Deutsch)
Bolivien Ethnizität indigene Bewegungen zivilgesellschaftliche Bewegungen Diskursanalyse
Autor*innen
Birte Mareike Spilger
Haupttitel (Deutsch)
Ñande reko - nuestra forma de ser
Hauptuntertitel (Deutsch)
Ethnizität in den Diskursen sozialer und zivilgesellschaftlicher Organisationen in Santa Cruz, Bolivien
Publikationsjahr
2013
Umfangsangabe
188 S. : Ill., graph. Darst., Kt.
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Georg Grünberg
Klassifikation
70 Sozialwissenschaften allgemein > 70.00 Sozialwissenschaften allgemein: Allgemeines
AC Nummer
AC10898704
Utheses ID
25585
Studienkennzahl
UA | 057 | 390 | |
