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Understanding of iconic gestures in Chimpanzees and four-year-old human children
Manuel Bohn
Art der Arbeit
Diplomarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Fakultät für Psychologie
Betreuer*in
Lieselotte Ahnert
DOI
10.25365/thesis.28697
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-29670.67096.820462-4
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Abstracts
Abstract
(Deutsch)
Diverse Theorien zu den evolutionären Ursprüngen der menschlichen Kommunikation betonen die Bedeutung von ikonischen Gesten als wichtiges Kommunikationsmittel im Übergang von primaten-typischer zu spezifisch menschlicher Kommunikation (Armstrong & Wilcox, 2007; Tomasello, 2008). Ikonische Gesten sind Körper und/oder Handbewegungen die ihrem Referenten ähneln. Sie ermöglichen eine reichhaltige, „natürliche“ Kommunikation über perzeptuell abwesende Entitäten ohne dabei auf Kommunikationsnormen zu basieren. Wenig ist jedoch bekannt über die evolutionären Ursprünge dieser Gesten. Einige Beobachtungsstudien an Menschenaffen berichten sowohl von Verständnis als auch von Produktion von ikonischen Gesten (Tanner & Byrne, 1996; Pika & Mitani, 2004, 2006). Es ist jedoch unklar in wie fern diese Gesten aufgrund ihrer Ikonizität verstanden werden.
Auf der anderen Seite zeigen experimentell Studien, dass menschliche Kinder ikonische Gesten ab ihrem zweiten Lebensjahr produzieren und auch verstehen (Behne, Carpenter & Tomasello, 2010; Namy, 2008). Es ist jedoch unklar in wie fern Kinder ikonische Gesten anders wahrnehmen als arbiträre Gesten. Möglicherweise Verfügung Kinder über eine generelle Fähigkeit zur Symbolisierung, welche auf jedes potentielle Kommunikationsmittel angewandt wird. Um diesen Fragen nachzugehen wurden Schimpansen (Pan troglodytes) und vierjährige Kinder (Homo sapiens), hinsichtlich ihrer Fähigkeit ikonische und arbiträre Gesten in einer Entscheidungssituation als Hinweise zu nutzen, untersucht.
Insgesamt nahmen elf Schimpansen und vierundzwanzig vierjährige Kinder an der Studie teil. Jede/r ProbandIn durchlief zwei Experimentalbedingungen (ikonisch und arbiträr), wobei deren Reihenfolge über die ProbandInnen hinweg ausgeglichen verteilt wurde. Die Aufgabe für die ProbandInnen bestand darin, sich zwischen zwei Alternativen (Orten) zu entscheiden, von denen nur eine belohnt wurde. Als Hinweis, welcher Ort belohnt würde, wurde jeweils eine Geste verwendet. Die Beziehung zwischen Geste und angezeigtem Ort war je nach Bedingung entweder ikonisch oder arbiträr. Die ikonische Beziehung wurde durch die Anwesenheit einer Apparatur am jeweiligen Ort hergestellt. Die Bedienung der Apparaturen erfolgte gemeinschaftlich zwischen ProbandIn und Versuchsleiter. Dabei wurde die Bewegung, welche zur Bedienung der Apparatur notwendig war als Geste verwendet (z.B.: ‚ein Seil herunterziehen‘ oder ‚einen Hebel eindrücken‘). In der arbiträren Bedingung war keine solche Beziehung vorhanden. Beide Spezies wurden mit demselben Versuchsaufbau und denselben Apparaturen getestet. Dabei wurde kodiert ob die von der/m ProbandIn gewählten Alternative mit der durch die Geste angezeigten übereinstimmte. Pro Bedingung erhielt jede/r ProbandIn 24 Durchgänge. Um das Verhalten der Schimpansen über einen längeren Zeitraum hinweg zu untersuchen, erhielten diese zusätzliche Durchgänge.
Zur Datenauswertung wurde ein ‚generalized linear mixed model‘ (GLMM)verwendet. Die Ergebnisse zeigten, dass die ProbandInnen besser abschnitten, wenn sie die ikonische vor der arbiträren Bedingung erhielten (Haupteffekt für Reihenfolge: β =0.66+0.22, z=2.987, p=0.003). Dies impliziert, dass ikonische, nicht aber arbiträre, Gesten dabei helfen eine kommunikative Interaktion herzustellen. Des Weiteren schnitten Kinder in der ikonischen Bedingung besser ab, verglichen mit ihrer eigenen Leistung in der arbiträren Bedingung und der gesamten Leistung der Schimpansen (Interaktion von Spezies und Bedingung: β =0. 77+0.33, z=2.37, p=0.02). Dies deutet darauf hin, dass Kinder, nicht aber Schimpansen, ikonische, nicht aber arbiträre Gesten unmittelbar als kommunikativ wahrnehmen können. Die Analyse der Leistung der Schimpansen über die Zeit hinweg zeigte, dass diese ein bestimmtes Leistungsniveau schneller in der ikonischen als in der arbiträren Bedingung erreichten (Wilcoxon Signed Ranks Test, Z= -2.201, p=0.031).
Diese Ergebnisse zeigen, dass Kinder und auch Schimpansen Zugang zu ikonischer Information in Form von Gesten haben. Nur Kinder sind jedoch in der Lage ikonische Gesten unmittelbar als Kommunikationsmittel zu verstehen. Darüber hinaus scheinen arbiträre Gesten ungeeignet dafür zu sein, eine kommunikative Interaktion zu initiieren.
Abstract
(Englisch)
Iconic gestures, i.e. hand movements or body postures that resemble their referents, have been highlighted as an important means of communication in the evolution of language, as they enable flexible communication without prior conventionalization (Armstrong & Wilcox, 2007; Tomasello, 2008). However, very little is known about their evolutionary origins. Some observational studies report production and understanding of iconic gestures in great apes (Tanner & Byrne, 1996; Pika & Mitani, 2004, 2006) but it is unclear, if these gestures are really understood by means of being iconic. On the other hand, human children produce and understand iconic gestures from around their second birthday (Behne, Carpenter & Tomasello, 2010; Namy, 2008). However, it is unclear whether human children treat iconic gestures differently from arbitrary gestures, when the gesture is informative. To investigate these questions, we compared chimpanzees’ (Pan troglodytes) and four-year-old human children’s (Homo sapiens) ability to use iconic and arbitrary gestures as a cue in a decision making task.
Eleven chimpanzees and twenty-four four-year-old human children participated in the study. In a within-subject design, two conditions (ICONIC and ARBITRARY) were administered in a counterbalanced order. A gesture was used as a cue for the subject to decide between two locations, of which only one yielded a reward. The relationship between the gesture and the location was either iconic or arbitrary, depending on the presence or absence of an apparatus at each location. The actions used as iconic gestures (e.g. ‘pulling down a rope’ or ‘pushing in a lever’) were derived from a mutual activity between the subject and the experimenter (E) at the apparatus. In the ARBITRARY condition, no such relationship was in place. The general setup, the gestures and the apparatus were identical for both species. We coded whether the subject’s choice matched the side indicated by E. Each individual received 24 trials per condition. Additionally, chimpanzees received more trials to investigate their performance over time.
We found, that subjects performed better if they received the ICONIC condition first. This suggests that iconic gestures help to establish a communicative setting. Furthermore, children performed significantly better in the ICONIC condition, compared to their own performance in the ARBITRARY condition and to chimpanzees’ overall performance. This suggests that children, but not chimpanzees, are able to use iconic, but not arbitrary cues, to guide their decision. An analysis of chimpanzees’ performance over time revealed that they reach a certain level of performance faster when provided with iconic gestures as opposed to arbitrary gestures.
These findings suggest that children and chimpanzees distinguish between iconic and arbitrary gestures. However, only human children are able to immediately understand iconic gestures as communicative.
Schlagwörter
Schlagwörter
(Englisch)
iconic gesture chimpanzees four-year-old children
Schlagwörter
(Deutsch)
ikonische Gesten Schimpansen vierjährige Kinder
Autor*innen
Manuel Bohn
Haupttitel (Englisch)
Understanding of iconic gestures in Chimpanzees and four-year-old human children
Paralleltitel (Deutsch)
Zum Verständnis von ikonischen Gesten bei Schimpansen und vierjährigen Kindern
Publikationsjahr
2013
Umfangsangabe
75 S. : Ill., graph. Darst.
Sprache
Englisch
Beurteiler*in
Lieselotte Ahnert
Klassifikationen
77 Psychologie > 77.51 Vergleichende Psychologie ,
77 Psychologie > 77.59 Entwicklungspsychologie: Sonstiges
AC Nummer
AC10885253
Utheses ID
25624
Studienkennzahl
UA | 298 | | |
