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Demokratie braucht eine Wahl
gegen die Alternativlosigkeit repräsentativer Demokratie
Hannes Schindler
Art der Arbeit
Masterarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Fakultät für Sozialwissenschaften
Betreuer*in
Stefanie Wöhl
DOI
10.25365/thesis.28735
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-30146.11709.796754-1
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Abstracts
Abstract
(Deutsch)
Diese Arbeit setzt sich mit der Frage auseinander: „Was ist Demokratie?“. Sie zeigt, dass ‚Repräsentation’ die bedeutsamste Antwort auf diese Frage ist. Es existiert ein hegemoniales Modell von Demokratie, das dieses auf Repräsentation reduziert. Diese Arbeit stellt demgegenüber die Frage, was Demokratie bedeutet, wenn Demokratie als ein Widerspruch in sich selbst verstanden wird. Jacques Rancière und Chantal Mouffe verstehen Demokratie nicht als Staatsform, sondern als einen Moment des Widerstandes gegen Hegemonie. Demokratie kann deshalb niemals von Dauer sein, und jede Realisierung von Demokratie muss sich selbst widersprechen. Die Konsequenz aus diesem Paradoxon ist nicht, Demokratie aufzugeben, sondern diesen Widerspruch als Existenzbedingung von Demokratie zu verstehen. Jede Form von Herrschaft ist eine Form von Hegemonie und enthält somit die Ausschlüsse, die in der Konstruktion von Hegemonie begründet liegen. ‚Demokratische Institutionen’ sind darum nicht als Realisierung von Demokratie zu verstehen, sondern eine spezifische Form der Einschränkung von Demokratie die sich immer wieder selbst zur Disposition stellen. In dieser Arbeit wird das Repräsentative Modell vorgestellt und gezeigt, dass Repräsentation im Wesentlichen aus einem aristokratischen Diskurs entstanden ist und dazu gedacht war, Gesellschaften zu stabilisieren, um die herrschenden Macht- und Besitzverhältnisse vor einem demokratischen Zugriff zu schützen. Repräsentation und Demokratie waren ursprünglich Gegensätze. Dieses Arbeit zeigt, wie dieses aristokratische Erbe noch heute Wirkung zeigt, und dass sich das Ziel der Stabilisierung von Gesellschaften durch Repräsentation in den zentralen Institutionen heutiger repräsentativer Systeme nachweisen lässt. Repräsentation ist somit ein System, das erstens Widerspruch innerhalb des Systems verhindert oder so transformiert, dass die herrschende Hegemonie nicht in Gefahr gerät, und das zweitens politische Anwesenheit entpolitisiert und so Widerspruch außerhalb des Systems unsichtbar macht. Diejenigen, die unsichtbar Widerspruch üben, erscheinen sprachlos und werden zum Teil der schweigenden Mehrheit, auf der das System beruht. Repräsentation als einzig legitimer Ausdruck des Politischen verwandelt externen Widerspruch in interne Zustimmung. Repräsentation ist somit ein System, in dem jeder für Andere spricht und niemand für sich selbst.
Repräsentation ist somit eine Einschränkung von Demokratie, wie jede andere Form der Realisierung von Demokratie. Als einzige Form von Demokratie kann Repräsentation aber keine demokratische Institution sein, sondern dient schlicht der Stilllegung von Demokratie. Daher ist eine Alternative zu repräsentativer Demokratie notwendig, um eine Wahl zwischen verschiedenen Formen der Einschränkung von Demokratie zu ermöglichen. Im Gegensatz zu Repräsentation schlägt diese Arbeit daher eine Form von Demokratie vor, die auf der Anwesenheit der Menschen beruht. Präsenzdemokratie ist aber kein Bauplan für eine demokratische Institution, sondern ein Angriff auf die Hegemonie repräsentativer Demokratie. Jede Form der Realisierung von Demokratie ist eine spezifische Einschränkung dieser und daher braucht es andere Formen, die Demokratie annehmen kann. Demokratien brauchen eine Wahl, nicht die Wahl darüber, welche Menschen herrschen sollen, sondern eine Wahl darüber, wie demokratische Herrschaft, die Herrschaft über uns selbst, funktionieren soll.
Abstract
(Englisch)
This paper poses the question: “What is democracy?“. It shows ‘representation’ as the most popular answer. This hegemonic concept of democracy reduces democracy to representation. Opposing this narrow concept this paper explores the meaning of democracy as a paradox. Jacques Rancière and Chantal Mouffe do not understand democracy as a form of government, but as a moment of resistance against hegemony. Hence democracy can never be permanent and its realization has to contradict itself. The paradox does not imply giving up on democracy, but to comprehend this contradiction as its condition of existence. In social relations every form of power is hegemonic and leads to some form of exclusion due to the antagonistic social construction of hegemony. ‘Democratic institutions’ are therefore no implementation of democracy but a specific way of containing democracy. However a ‘democratic institution’ has to put itself and its containment of democracy into question. This paper will describe the representative model and reconstruct its aristocratic heritage and how representation has been stabilizing society by protecting the existing power- and property-relations. Originally, representation and democracy were opposites. This paper reveals today’s impact of this aristocratic heritage and how central institutions of the representative system still aim to stabilize society. Therefore representation is a system that inhibits opposition from within or transforms opposition, rendering it harmless for the hegemony in power. This system also depoliticizes political presence and turns the opposition outside the system invisible. Those turned invisible by representation seem speechless and thus become part of the silent majority. It is this silent majority that the representative system rests on. Representation as the only legitimate expression of the political turns external opposition into internal compliance. Therefore, representation is a system having everyone speaking for somebody else and no one for themselves.
Consequently, representation is a constriction of democracy as is every other implementation of democracy. In the case of representation being the only possible form of democracy, it cannot be a ‘democratic institution’. It only serves to constrict and control the demos. Hence, an alternative to representative democracy is a necessity, enabling the demos to choose between different forms of constricting democracy. In opposition to representation, I propose a different form of democracy: a form of democracy based on real presence of the demos instead of representation. This ‘presentist democracy’ is no blueprint for constructing a democratic institution but an attack on the hegemony of the representative form of democracy. Every implementation of democracy will constrict democracy in a specific way. Pluralistic forms of democracy are needed so the demos can choose between them. Democracy needs a choice, not an election. A choice, not between who rules but in how the demos rules itself.
Schlagwörter
Schlagwörter
(Englisch)
democracy representation radical democracy presentist democracy
Schlagwörter
(Deutsch)
Demokratie Repräsentation radikale Demokratie Präsenzdemokratie
Autor*innen
Hannes Schindler
Haupttitel (Deutsch)
Demokratie braucht eine Wahl
Hauptuntertitel (Deutsch)
gegen die Alternativlosigkeit repräsentativer Demokratie
Paralleltitel (Englisch)
Democracy needs a choice, not an election
Publikationsjahr
2013
Umfangsangabe
140 S.
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Stefanie Wöhl
AC Nummer
AC10918739
Utheses ID
25659
Studienkennzahl
UA | 066 | 824 | |
