Detailansicht

Nachhaltige Energie aus Biomasse, eine gesellschaftliche Streitfrage
Patricia Schindler
Art der Arbeit
Diplomarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Philologisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
Betreuer*in
Stefan Brocza
Volltext herunterladen
Volltext in Browser öffnen
Alle Rechte vorbehalten / All rights reserved
DOI
10.25365/thesis.29024
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-29555.60616.682662-7
Link zu u:search
(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)

Abstracts

Abstract
(Deutsch)
Das Thema alternative Energien hat in den letzten Jahren an gesellschaftlicher Relevanz gewonnen. Auch die EU hat ihre Klima- und Energiepolitik dementsprechend angepasst und sich zum energiepolitischen Ziel gesetzt verstärkt auf die Nutzung von Energie aus Biomasse zurückzugreifen. Argumentiert wird mit einer klima- und umweltfreundlichen Energieproduktion. Ein regelrechter Weltmarkt für Bioenergie ist entstanden und mit ihm auch die gesellschaftlichen Zweifel an einer nachhaltigen Produktion. Kritische Stimmen über die Konsequenzen der Energiegewinnung aus Biomasse, insbesondere für Entwicklungsländer, werden stetig lauter. Eine massive Förderung von Bioenergie hat weitreichende ökologische und soziale Folgen: Überbewirtschaftung der Böden, übermäßiger Einsatz von Dünger und Pestiziden führen zu ausgelaugten Böden, Wasserverschmutzungen. Hinzu kommt die Abholzung oder Rodung der Regenwälder, die eine Reduktion der Biodiversität, schwerwiegenden Luftverschmutzungen und weitere Treibhausgasemissionen zur Folge haben. Auf der sozialen Ebene führt der Anbau von Energiepflanzen zu einer Flächenkonkurrenz von Energie- und Nahrungspflanzen, Ernährungsunsicherheit und zur Vertreibung ländlicher Bauern von fruchtbaren Böden. Um der harschen Kritik entgegenzuwirken und weiterhin die Produktion von Bioenergie zu fördern, hat die Europäische Kommission dazu aufgerufen Nachhaltigkeitszertifikate für Biokraftstoffe und flüssige Brennstoffe zu entwickeln. Die EU hat nationale Ziele für den Anteil erneuerbarer Energie gesetzt. Um für diese angerechnet werden zu können und um Fördermittel zu erhalten, müssen in der EU verwendete sowie importierte Biokraftstoffe und flüssige Brennstoffe Nachhaltigkeitszertifikate vorweisen. Es stellt sich die Frage, ob die Zertifizierungssysteme dazu geeignet sind, eine nachhaltige Produktion zu gewährleisten oder ob es der EU lediglich um eine weitere Vermarktung der Bioenergie geht, um wirtschaftliches Wachstum zu ermöglichen. Mittels eines eigens entwickelten Kriterienkatalogs wurden drei der insgesamt vierzehn Zertifizierungssysteme auf ihre Nachhaltigkeit hin untersucht. Es konnte festgestellt werden, dass die Anforderungen der EU zu schwach sind um die Nachhaltigkeit von Bioenergie zu gewährleisten. Der leichte Zugang zu Zertifizierter Bioenergie lässt ihr Qualitätskriterium der Nachhaltigkeit wertlos erscheinen. Die Anwendung der Regulationstheorie auf die Klima- und Energiekrise bringt die Erkenntnis, dass die Zertifizierungssysteme der EU als Regulationsmaßnahme dienen, um die aktuelle Krise zu überwinden und die kapitalistische Akkumulation zu fördern. Durch das erhöhte Umweltbewusstsein der Gesellschaft ist es nötig dem Bioenergiemarkt durch spezielle Maßnahmen Stabilität zu verleihen. Zertifizierungssysteme stellen eine dieser Maßnahmen dar, die dem Verbraucher eine nachhaltige Produktion von Energie garantieren sollen und somit den Markt stabilisieren und zu wirtschaftliches Wachstum verhelfen. Es kann festgestellt werden, dass im Vordergrund der Energiewende in erster Linie die Sicherung neuer Energiequellen für die wirtschaftliche Produktion steht und der Erhalt der Umwelt einen nützlichen Nebeneffekt darstellt, den es zu vermarkten gilt.
Abstract
(Englisch)
The topic of renewable energy has become one of major interest in our society. The European Union has adjusted its climate and energy policy towards promoting the use of energy from biomass. The argument behind this decision is an energy production that is environmentally compatible. A worldmarket for bioenergy has emerged and at the same time critical voices especially from NGOs around the world have made themselves heard. The criticism particularly concerns the consequences for developing countries. A massive promotion of bioenergy has ecological as well as social impacts: the depletion of soils, the excessive use of fertilizers and pesticides lead to drained soil and water pollution. This comes along with deforestation, loss of biodiversity, air pollution and greenhousegas emissions. On a social level the cultivation of energy crops leads to competition between space needed for energy crops and space needed for other agricultural uses. It also leads to food insecurity and land grabbing. To counter the harsh criticism and further promote the production of bioenergy, the European Commission has requested to develop certification schemes for sustainably produced biofuels and bioliquids. The European Union has set national objectives for the share of renewable energy. Where biofuels and bioliquids are to be taken into account for these goals, member States shall require economic operators to show that the sustainability criteria have been fulfilled. The question is, whether certification schemes are eligible to provide a sustainable production of bioenergy or whether the main objective of the European Union is merely to promote the commercialization of bioenergy to enable economic growth. To answer this question a criteria check list has been developed, by which three certification schemes have been analysed against their sustainability criteria. It can be asserted that the requirements of the European Union are to weak to ensure sustainably produced bioenergy. By applying the regulation theory to the climate and energy crises it can be shown that the certification systems can be used as a mode of regulation, with the objective to overcome the crises and to promote capitalist accumulation. Because of the demanding environmental awareness of society, it is necessary to ensure stabilisation through special measures. One of these measures are certification systems. They ought to guarantee a sustainable production of bioenergy and to stabilise the market together with economic growth. There is strong evidence that the main function in energy transformation primarily concerns the development of new energy sources for economic production whereas the preservation of the environment is nothing more than a usefull sideeffect that needs to be merchandised.

Schlagwörter

Schlagwörter
(Deutsch)
Energie Bioenergie Biomasse erneuerbare Energie Zertifizierung
Autor*innen
Patricia Schindler
Haupttitel (Deutsch)
Nachhaltige Energie aus Biomasse, eine gesellschaftliche Streitfrage
Publikationsjahr
2013
Umfangsangabe
115 S.
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Stefan Brocza
Klassifikationen
43 Umweltforschung, Umweltschutz > 43.33 Umweltfreundliche Nutzung natürlicher Ressourcen ,
52 Maschinenbau, Energietechnik, Fertigungstechnik > 52.56 Regenerative Energieformen, alternative Energieformen
AC Nummer
AC11045895
Utheses ID
25903
Studienkennzahl
UA | 057 | 390 | |
Universität Wien, Universitätsbibliothek, 1010 Wien, Universitätsring 1