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Solidarische Ökonomie
ein Weg zu alternativer und nachhaltiger Entwicklung? ; Betrachtung anhand des Projekts ‚Finca comunitaria La Florida’ in Guatemala
Karin Scholz
Art der Arbeit
Diplomarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Philologisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
Betreuer*in
Harald Wilfing
DOI
10.25365/thesis.29402
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-29278.42159.132760-8
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)
Abstracts
Abstract
(Deutsch)
Die vorliegende Arbeit beschäftigt sich mit Solidarischer Ökonomie und ihrer Bedeutung für nachhaltige Entwicklungszusammenarbeit. Vor dem Hintergrund vieler bisher erfolgloser Ansätze zur Reduktion von Armut und den daraus folgenden Konsequenzen wächst das Interesse an alternativen Lösungsansätzen. Nach der Dependenztheorie ist Armut und Unterentwicklung eine Folge der Unterdrückung, die seit der Kolonialzeit bis heute von den kapitalistischen Zentren ausgeht. Auf regionaler Ebene spiegelt sich dieses Verhältnis durch die Abhängigkeit der LandarbeiterInnen zu den LandeigentümerInnen wieder. Außerdem hat sich die Lebenssituation von Klein- und SubsistenzbäuerInnen in den letzten 30 Jahren aufgrund schwankender Rohstoffpreise, immer weniger verfügbarem Land und auch durch Umweltprobleme stetig verschlechtert. Diese Probleme gehen oft mit intensiver, großflächiger und kapitalgesteuerter Produktion einher. Daher ist die Verbindung von sozialen, ökonomischen und ökologischen Fragen für eine nachhaltige Entwicklung unerlässlich.
Auf ökonomischer Ebene entsprechen die ungleichen Machtverhältnisse zwischen KapitaleigentümerInnen und ArbeiterInnen der marxschen Theorie einer Spaltung der Gesellschaft in zwei Klassen. Ansätze, die innerhalb dieses kapitalistischen Systems versuchen, die Lebensbedingungen der Ausgebeuteten zu verbessern, scheitern oft an einem systemimmanenten Interessenskonflikt. Solidarische Ökonomie bietet hier eine Alternative, da sie den gemeinschaftlichen Besitz der Produktionsmittel, die gerechte Aufteilung der Einnahmen und partizipative Entscheidungsprozesse propagiert. Ihre Zielsetzung ist die Bedürfnisbefriedigung anstelle von Kapitalanhäufung und Profitmaximierung. Daher stellt dieser Ansatz eine mögliche Alternative zu bisherigen Unternehmungen der Entwicklungszusammenarbeit dar und bietet Potential für die Armutsreduktion und die nachhaltige Nutzung natürlicher Ressourcen. Um dieses besser einschätzen und verifizieren zu können, geht die vorliegende Arbeit der Frage nach, unter welchen Umständen Solidarische Ökonomie zu Unabhängigkeit, Armutsreduktion und nachhaltiger ländlicher Entwicklung beitragen kann. Sind solidarische Initiativen eine Möglichkeit für erfolgreiche Entwicklungszusammenarbeit?
Anhand des Fallbeispieles der Gemeinschaftsfinca La Florida in Guatemala werden Rückschlüsse auf die praktische Umsetzung solidarischer Projekte gezogen, um Aspekte herauszufiltern, die für die Reduktion von Armut und die Förderung von Empowerment und Ownership ausschlaggebend sind. Dafür wurden 14 teilstrukturierte Interviews mit ProjektteilnehmerInnen durchgeführt und die Erkenntnisse aus deren Analyse mit jenen aus der Literaturbearbeitung anhand der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring verglichen und ergänzt. Außerdem wird der Versuch einer Kategorisierung solidarischer Projekte zu definitorischen Zwecken unternommen.
Dabei wurde klar, dass vor allem eine grundlegende Bereitschaft zu solidarischer Zusammenarbeit, geteilte Überzeugungen, entsprechend ausreichende Ressourcen, klare Regeln und partizipative Problemlösung innerhalb der Gemeinschaft essentiell für das langfristige Bestehen von solidarischen Initiativen sind. Zudem erleichtern sie die Partizipation am Produktionsprozess durch geteiltes Risiko und bieten ein soziales Sicherheitsnetz. Das gemeinschaftliche Eigentum führt zu Ownership, mehr Unabhängigkeit und Selbstbestimmung. Außerdem fördert es Empowerment bei den ArbeiterInnen und bietet ihnen eine Alternative zu kapitalistischer Wachstums- und Akkumulationslogik. Gibt es ein entsprechendes Bewusstsein für Umweltschutz, können solidarische Projekte auch zu ökologischer Nachhaltigkeit beitragen. Je nach Ausprägung ist dieses Potential zur Armutsreduktion und Umweltschutz jedoch unterschiedlich groß, was weitere Forschung im Hinblick auf definitorische und praktische Fragen notwendig macht. Auch die Analyse weiterer Fallbeispiele in anderen Weltregionen ist ausschlaggebend für die Beantwortung nach der Universalisierbarkeit der Erfahrungen aus Guatemala und für die Umsetzbarkeit in konkreten Projekten der Entwicklungszusammenarbeit.
Abstract
(Englisch)
This thesis concerns itself with Solidary Economy and it’s relevancy for sustainable development. Against the background of many ineffective approaches to reduce poverty and it’s consequences the interest in alternative solutions is rising. According to dependency theory poverty and underdevelopment are results of the repression that still emenates from the capitalist centers since the colonial period.
On a regional level these relations become visible through the dependency of landworkers from the landowners. Furthermore the living conditions of small- and subsistence farmers declined troughout the past 30 years because of unsteady prices at the world market, declining available land and environmental problems. These problems are often connected to intensive, large-scale and capital-oriented production. Hence it is essential to combine social, economic and ecologic questions to create sustainable development.
In economical terms the unequal distribution of power between capital owners and workers equates to Marx’ theory of a division of society in classes. Approaches which aim to improve the living conditions of the expoited class, but continue operating within the capitalistic system often fail because of an innate conflict of interests. Solidary Economy provides an alternative, because it propagates common ownership of resources, just distribution of benefits and participative desicionfinding. It’s aim is to satisfy needs instead of accumulation of capital and maximising profits. Therefore it’s a possible alternative approach to previous efforts of development cooperation and has potential to reduce poverty and lead to sustainable use of natural resources. For a better evaluation and verification of this potential the question about the circumstances, in which Solidary Economy can lead to independency, poverty reduction and sustainable rural development is investigated. Are solidary projects a possibility for successfull development cooperation?
On the basis of the case study of the community finca La Florida in Guatemala conclusions on the practical implementation of such projects are drawed. Aspects that are crucial for poverty reduction and the encouragement of Empowerment and Ownership are identified. For this purpose 14 members of the finca were interviewed and the findings of their analysis were combined with the ones from the qualitative content analysis after Mayring. Furthermore an attempt is made to categorise solidary projects for definitory porpuses.
It became clear that above all a fundamental willingness to cooperate in solidarity, shared beliefs, adequate resources, clear rules and participatory problem solving within the community are essential for the long-term existence of solidary initiatives. They also facilitate the participation in the production process through shared risks and provide a social safety net. The joint ownership of the resources leads to more independence and self-determination. It also promotes empowerment among workers and offers them an alternative to capitalist growth and accumulation logic.
In case there is an awareness of environmental problems, solidary projects can also contribute to environmental sustainability. Depending on the specific characteristic, the potential for poverty reduction and environmental protection can vary. This makes further research with regard to definitory and practical issues required. Also the analysis of other case studies in other regions of the world is crucial for finding an answer to the universal applicability of the experience in Guatemala and to the practicability for concrete projects of development cooperation.
Schlagwörter
Schlagwörter
(Englisch)
Solidary Economy sustainable development community project project analysis Guatemala rural development
Schlagwörter
(Deutsch)
Solidarische Ökonomie nachhaltige Entwicklung Gemeinschaftsprojekt Projektanalyse Guatemala ländliche Entwicklung
Autor*innen
Karin Scholz
Haupttitel (Deutsch)
Solidarische Ökonomie
Hauptuntertitel (Deutsch)
ein Weg zu alternativer und nachhaltiger Entwicklung? ; Betrachtung anhand des Projekts ‚Finca comunitaria La Florida’ in Guatemala
Publikationsjahr
2013
Umfangsangabe
132 S. : Ill., graph. Darst.
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Harald Wilfing
AC Nummer
AC11044996
Utheses ID
26231
Studienkennzahl
UA | 057 | 390 | |
