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Das Wiener Konzerthaus 1930-1945
Philipp Stein
Art der Arbeit
Dissertation
Universität
Universität Wien
Fakultät
Philologisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
Betreuer*in
Michele Calella
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Alle Rechte vorbehalten / All rights reserved
DOI
10.25365/thesis.29710
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-29430.04364.123570-3
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)

Abstracts

Abstract
(Deutsch)
Die Wiener Konzerthausgesellschaft war von Anfang an eine deutschnationale Vereinigung. Das fand Ausdruck in der Satzung der Gesellschaft und in der Beschriftung der Fassade mit dem Zitat aus Wagners Meistersinger: „Ehret eure Deutschen Meister, dann bannt ihr gute Geister.“ Insofern ist es nicht verwunderlich, dass die Gesellschaft die politischen Zeitenwechsel zwischen 1930 und 1945 ohne große Mühen überstand. Mit dem Aufkommen eines wirklichen österreichischen Nationalbewusstseins in der Ära Schirach konnte auch die Konzerthausgesellschaft anfangen sich auf ihre Österreichischen (im Gegensatz zu den vorher gesehenen Deutschen) Wurzeln zu besinnen. Es ist auffällig, wie stark das Deutsche Reich Einfluss auf die Programmgestaltung der Wiener Konzerthausgesellschaft bereits vor 1938 nehmen konnte. Es ist beachtenswert, dass die Konzerthausgesellschaft schon vor 1938 für die Konzerte ihrer Abonnementreihen zahlreiche explizit nationalsozialistische Künstler verpflichtete. So hielt die Gesellschaft trotz zahlreicher Schwierigkeiten mit den Österreichischen Behörden daran fest Leopold Reichwein, den bekennenden Nationalsozialisten, als Dirigent ihrer eigenen Konzerte einzusetzen. Diese Konzerte entwickelten sich deshalb zu wahren Versammlungsorten der verbotenen österreichischen NSDAP. Nicht ganz zufällig fand die Uraufführung der Drei Melodramen im Geiste Adolf Hitlers von Reichwein im Großen Saal des Wiener Konzerthauses statt. Schlussendlich fiel die Gesellschaft in Berlin positiv auf und wurde als eine mögliche Partnerin bei einem allfälligen Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich wahrgenommen. Programmatisch brauchte sich im betrachteten Zeitraum nicht sehr viel zu ändern. Programme, die den Bürgern der Monarchie, der ersten Republik und Ständestaat gefielen, waren den Nationalsozialisten kein Dorn im Auge. Allerdings standen bei der Programmgestaltung wirtschaftliche Überlegungen oft im Vordergrund, so dass kostenintensive Eigenveranstaltungen mit geringen Einnahmemöglichkeiten durch besser verkaufbare, billigere Programme ersetzt wurden. Insbesondere die groß besetzten Chor und Orchesterkonzerte führten regelmäßig zu unerfreulichen Abschlussrechnungen. Um etwas größere Sicherheit zu haben wurden schließlich die Künstler selbst am finanziellen Risiko der Veranstaltungen beteiligt. Nach dem Bürgerkrieg 1934 verschlechterte sich die finanzielle Situation der Konzerthausgesellschaft so weit, dass sie ihren Saal nun nicht mehr nur für, im weitesten Sinne, kulturelle Veranstaltungen öffnete, sondern auch Sportveranstaltungen zuließ. Interessanterweise nahmen nach der Ausrufung des österreichischen Ständestaates die Konzerte mit zeitgenössischer Musik zu. Dies ist in sofern verwunderlich, als der Ständestaat zum einen eine eher rückwärtsgewandte Kultur anstrebte, zum anderen aber die Wiener Konzerthausgesellschaft insbesondere nationalsozialistische Komponisten erklingen ließ. So kamen unter anderem Werke der Nationalsozialisten Friedrich Bayer, Wilhelm Jerger und Friedrich Reidinger zur Aufführung im Wiener Konzerthaus. Offensichtlich hatte der Ständestaat nicht die Kraft diese Nationalsozialistische Machtdemonstration zu unterbinden. Zur großen Freude der Konzerthausgesellschaft verkündete schließlich Reichskommisar Bürckel am 10. April das Ergebnis der Volksabstimmung zum Anschluss aus dem Großen Saal nach Berlin. In ihrem 25. Jubiläumsjahr war die Gesellschaft auf diese prominente Rolle ganz besonders stolz. Von nun an erhöhten die zahlreichen Veranstaltungen der KdF und anderer Parteigruppierungen, die Mieteinnahmen der Gesellschaft erfreulich. Der Gesellschaft gelang es selbstständig erhalten zu bleiben. Zu guter letzt ist es noch bezeichnend, wie die Konzerthausgesellschaft mit ihren jüdischen Stiftern und Direktionsmitgliedern umging. Die Erleichterung, mit der der „freiwillige Austritt“ der jüdischen Direktionsmitglieder im April 1938 zur Kenntnis genommen wird, spricht für sich. Dass auch noch nach dem Krieg hier kein wirkliches Bewusstsein vorherrschte, kann an der Begrüßung des Ehrenmitglieds Felix Stransky bei der ersten Direktionssitzung nach dem Krieg abgelesen werden: „Besonders Begrüßen möchte ich Herrn Direktor Stransky, das Ehrenmitglied unserer Gesellschaft und deren langjähriger Vicepräsident, der nun erstmalig nach vielen Jahren wieder in unserer Mitte weilt.“ Stransky war am 10. Juli 1945 aus dem Konzentrationslager Theresienstadt nach Wien zurückgekehrt.

Schlagwörter

Schlagwörter
(Deutsch)
Musikwissenschaft Zeitgeschichte Wiener Konzerthaus
Autor*innen
Philipp Stein
Haupttitel (Deutsch)
Das Wiener Konzerthaus 1930-1945
Publikationsjahr
2013
Umfangsangabe
186 S. : graph. Darst.
Sprache
Deutsch
Beurteiler*innen
Michele Calella ,
Birgit Lodes
Klassifikationen
15 Geschichte > 15.07 Kulturgeschichte ,
24 Theater > 24.50 Historische Musikwissenschaft
AC Nummer
AC11079941
Utheses ID
26489
Studienkennzahl
UA | 092 | 316 | |
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