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Möglichkeiten des Politischen
drei Theorien zur Politik, drei Analysen von God's Entertainments "Österreicher integriert euch!"
Magdalena Meindl
Art der Arbeit
Diplomarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Philologisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
Betreuer*in
Brigitte Marschall
DOI
10.25365/thesis.29865
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-29254.61473.537755-3
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)
Abstracts
Abstract
(Deutsch)
Der Ausgangspunkt dieser Arbeit ist ein Gefühl der Unruhe, das unter anderem im zeitgenössischen Kunstbetrieb spürbar ist: Wie kann Kunst heute 'gesellschaftlich', 'politisch' relevant sein und worauf zielt diese Relevanz? Wie lässt sich unser gegenwärtiges System verstehen, das jede Kritik in sich aufzunehmen scheint, um an ihr zu lernen? Ist es (noch) möglich, eine alternative Position zu formulieren?
Ausgehend von diesen Gedanken werden drei AutorInnen einer neueren oder zeitgenössischen politischen Theorie/Philosophie auf ihre Begriffe des Politischen, der Politik hin befragt. Mit Ernesto Laclau/Chantal Mouffe, Jacques Rancière und Jean-François Lyotard werden unterschiedliche Denkweisen des Politischen vorgestellt. Besondere Aufmerksamkeit liegt außerdem auf den variierenden Kunstbegriffen und darauf, wie sich die Verhältnisse zwischen 'Kunst' und 'Politik' jeweils darstellen. Gleichzeitigkeit wird die Aktion Österreicher integriert euch! – 2012 im Rahmen der Wiener Festwochen umgesetzt – des Wiener KünstlerInnenkollektivs God's Entertainment auf verschiedene Ebenen des Politischen hin untersucht. Jedes der drei theoretischen Konzepte liefert das Werkzeug zu einer Analyse.
Besonders wichtig ist, dass alle drei Blickwinkel – so unterschiedlich und einander ausschließend sie teilweise auch sein mögen – Möglichkeiten liefern, wie mit dem Politischen in der Kunst umgegangen werden kann. Sie zeigen auf, dass es durchaus Wege gibt, Kritik zu formulieren. Keines der drei Konzepte soll den andere vorgezogen werden, eher wird mit ihrer Kompilierung die Absicht verfolgt, der Unabschließbarkeit und Offenheit der Theorie und des Kunstwerkes entgegen zu arbeiten.
Mit Ernesto Laclau und Chantal Mouffe wird ein Politikbegriff erarbeitet, der die Infragestellung einer Hegemonie durch opponierende Wünsche und Bedürfnisse ins Zentrum stellt. Öffentliche Institutionen sollen den uns allen angeborenen Antagonismus in einen entschärften Agonismus umlenken. Kunst kann in diesem Kontext eine Möglichkeit sein, bestehenden Verhältnissen Alternativen entgegenzusetzen. Österreicher integriert euch! wird hier als ein Versuch gelesen, einen Antagonismus um die Integrationsdebatte in Österreich sichtbar zu machen, um anschließend in der Installation des 'Integrationslagers' einen agonistischen Raum zu erzeugen.
Bei Jacques Rancière bedeutet Politik jenen raren Moment, in dem die Aufteilung des Sinnlichen – also jene Konvention, die beispielsweise bestimmt, was gesehen werden kann und was nicht, wer gehört werden kann und wessen Stimme nur als Lärm vernommen wird – durch eine neue Gleichheit durchbrochen wird. Für die Kunst unterscheidet Rancière zwischen 3 'Regimen' der Identifizierung, wobei in unserem Kontext vor allem das ästhetische Regime der Kunst von Bedeutung ist. Entscheidend für die Politik der Ästhetik ist hier, dass im ästhetischen Regime die Verknüpfungen von Ursache und Wirkung aufgehoben sind und dass damit das Kunstwerk dem (politischen) Willen der Kunstschaffenden voraus geht. Österreicher integriert euch! wird dahingehend untersucht, wie es in bestehende Aufteilungen eingreift, um im selben Atemzug neue zu errichten.
Jean-François Lyotard schließlich verortet das Politische dort, wo dem Unartikulierbaren stattgegeben wird. Die Diskurse, so schreibt er, stehen stets miteinander in Widerstreit, doch gibt es keine Möglichkeit, zwischen ihnen zu entscheiden, ohne zumindest einem von ihnen Unrecht zu tun. Der unartikulierbare Rest, der zwischen den Diskursen bestehen bleibt, ist auch in der Kunst anzutreffen – etwa im Erhabenen. Österreicher integriert euch! wird auf jene Momente hin befragt, in denen Diskurse miteinander in Widerstreit geraten, ohne sich gegenseitig vollständig aufzulösen. Mit einem Exkurs zu Christoph Schlingensiefs Aktion Bitte liebt Österreich wird eine „Politik des Zweifelns“ vorgeschlagen.
Schlagwörter
Schlagwörter
(Deutsch)
Politische Theorie Politik der Kunst Theater Performance God's Entertainment Chantal Mouffe Jacques Rancière Jean-François Lyotard
Autor*innen
Magdalena Meindl
Haupttitel (Deutsch)
Möglichkeiten des Politischen
Hauptuntertitel (Deutsch)
drei Theorien zur Politik, drei Analysen von God's Entertainments "Österreicher integriert euch!"
Publikationsjahr
2013
Umfangsangabe
123 S. : Ill.
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Brigitte Marschall
Klassifikationen
24 Theater > 24.03 Theorie und Ästhetik des Theaters ,
89 Politologie > 89.05 Politische Theorie
AC Nummer
AC11133257
Utheses ID
26632
Studienkennzahl
UA | 317 | | |
