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Das mathematisch-wissenschaftliche Messbesteck Kaiser Ferdinands III.
(mögliche) Funktionen und kulturhistorische Implikationen
Oliver Karlik
Art der Arbeit
Diplomarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Historisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
Betreuer*in
Marianne Klemun
Alle Rechte vorbehalten / All rights reserved
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-30301.62169.832961-9
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)

Abstracts

Abstract
(Deutsch)
Johann Melchior Volkmairs wissenschaftliches Messbesteck ist ein seit Jahrhunderten wenig beachtetes Objekt der Kunstkammer des Kunsthistorischen Museums, das aufgrund seiner nur als durchschnittlich bewerteten künstlerischen Qualität kaum eine besondere Aufmerksamkeit erregte. Volkmairs Werk ist aber mehr als nur eine Ansammlung von Messinstrumenten, die in einem Verwahrungskästchen untergebracht sind. Dies erschließt sich durch den besonderen Umstand, dass neben den erhaltenen Instrumenten auch eine handschriftliche Gebrauchsanweisung existiert, die einen einzigartigen Blick in die Welt der Wissenschaft des 17. Jahrhunderts ermöglicht. Das nur etwa 60 Zentimeter hohe Kästchen beherbergt Geräte, die den Bereichen Astronomie, Geometrie, Mathematik, Kartografie, Landvermessung, Kriegstechnik und auch einigen Aspekten des Bauingenieurwesens zugeordnet werden konnten. Sämtliche Funktionen wurden mithilfe Volkmairs Beschreibung entschlüsselt und im Hinblick auf Korrektheit und Praxistauglichkeit beurteilt. Dabei stellte sich heraus, dass zwar alle Instrumente voll funktionstüchtig sind, jedoch ihre Tauglichkeit in der praktischen Verwendung oft nur in einem sehr geringen Maß gegeben ist. Durch die Analyse der von Volkmair in seiner Gebrauchsanweisung geschilderten Messmethodik konnte verdeutlicht werden, dass nicht das Messergebnis, sondern die Demonstration des Messvorganges selbst das bestimmende Element in der Gestaltung der Instrumente bildet. So spielt auch die effiziente und genaue Anordnung der Skalen nur eine untergeordnete Rolle in Volkmairs Werk. Der Anspruch der Messgenauigkeit wird der Darstellung und Demonstration geometrischer Formen und Prinzipien untergeordnet. Somit stellt das Werk Volkmairs nicht nur ein aus wertvollen Materialien gefertigtes kunstvolles Objekt dar, das Kästchen ist ein Mikrokosmos, der die Wissenschaft selbst repräsentiert. Durch die Konfrontation mit einer dinglichen mit einer schriftlichen Quelle, konnte auch die bisher kaum greifbare Person des Hofkammergoldschmiedes Johann Melchior Volkmair etwas besser erfasst werden. Volkmair war bestimmt kein innovativer Mensch. Seine Ansichten und sein Handeln spiegeln eine stets durch traditionelle Muster geprägte Denkweise wieder, die sowohl in seinen Instrumenten als auch in den verwendeten schriftlichen Quellen erkennbar ist. So benutzte er als kartografisches Vorbild für die Gestaltung der Landkartenplatten und des Globus ein damals schon 70 Jahre altes Kartenmaterial, obwohl ihm die moderneren Landkarten von Gerhard Mercator zweifellos zur Verfügung standen. In seiner Gebrauchsanweisung orientierte er sich stark an den damals weit verbreiteten Instrumentenbüchern und Vermessungsschriften. Die Gestaltung der Instrumente basierte auf einer, seit vielen Jahren nahezu unveränderten Bauform, die schon sein Vater und sein älterer Bruder verwendet hatten - beide bedeutende Goldschmiede und Instrumentenmacher seiner Zeit. Der Auftrag von Ferdinand III. für das wissenschaftliche Besteck kam nicht aufgrund außergewöhnlicher naturwissenschaftlicher Interessen des Kaisers zustande. Die Tatsache, dass sich Ferdinand trotz der finanziell sehr angespannten Zeiten des Dreißigjährigen Krieges dieses Objekt leistete, kann zum einen mit dem Anspruch Ferdinands als Verkörperung eines naturwissenschaftlich gebildeten Idealherrschers, zum anderen mit dem enorm hohen Stellenwert der Geometrie in der adeligen Weltanschauung erklärt werden.

Schlagwörter

Schlagwörter
(Deutsch)
Messbesteck Instrument Ferdinand III. Johann Melchior Volkmair Geometrie Astronomie Arithmetik Fortifikation Landvermessung
Autor*innen
Oliver Karlik
Haupttitel (Deutsch)
Das mathematisch-wissenschaftliche Messbesteck Kaiser Ferdinands III.
Hauptuntertitel (Deutsch)
(mögliche) Funktionen und kulturhistorische Implikationen
Publikationsjahr
2012
Umfangsangabe
181 S. : Ill., graph. Darst., Kt.
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Marianne Klemun
Klassifikationen
15 Geschichte > 15.99 Geschichte: Sonstiges ,
30 Naturwissenschaften allgemein > 30.01 Geschichte der Naturwissenschaften
AC Nummer
AC11093828
Utheses ID
26951
Studienkennzahl
UA | 312 | | |
Universität Wien, Universitätsbibliothek, 1010 Wien, Universitätsring 1