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Antisemitische Postkarten
die Synthese von Nationalismus und Antisemitismus im Deutschen Kaiserreich
Katharina Fersterer
Art der Arbeit
Diplomarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Historisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
Betreuer*in
Alois Ecker
DOI
10.25365/thesis.30395
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-29640.67191.824059-4
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)
Abstracts
Abstract
(Deutsch)
Was befremdet einen Betrachter und eine Betrachterin des 21. Jahrhunderts mehr: eine antisemitische Vertreibungsfantasie mit expliziter Gewaltaufforderung oder eine leidenschaftliche Liebesnachricht, beschrieben auf einer antisemitischen Vertreibungsfantasie? Beide Fälle finden wir auf antisemitischen Postkarten der Sammlung Wolfgang Haney wieder, welche in etwa 1000 Stück umfasst. Man unterscheidet hier grundsätzlich zwischen kommerziellen Judenspottkarten und antisemitischen Propagandakarten. Diese erlebten, wie das revolutionäre und idyllische Medium der Postkarte allgemein, im wilhelminischen Deutschland ihr goldenes Zeitalter. Kommerzielle Judenspottkarten zeichnen sich durch ihre vermeintliche Heiterkeit aus und illustrieren den schlummernden Alltagsantisemitismus. Sie vermochten die Profitgier vieler Hersteller zu befriedigen. Die antisemitischen Propagandakarten der deutschnationalen Vereine treten jedoch meist durch die Radikalität des Dargestellten hervor und demonstrieren, an Stelle des Alltagsantisemitismus, die wahrlich verheerende Synthese von radikalem deutschen Nationalismus und modernem Antisemitismus. Diese konnten nur ein kleineres Publikum in den Bann ziehen. Welche Art der antisemitischen Postkarte ist nun bedrohlicher - der zahme Humor kommerzieller Judenspottkarten oder die dezidiert hetzerischen Propagandakarten? Die einen stellen den Juden als lächerlichen Fremdkörper in der deutschen Gesellschaft dar, die anderen gehen einen Schritt weiter, deklarieren das Judentum zum Feind und fordern meist seine Vertreibung aus dem Deutschen Kaiserreich. Sowohl Judenspottkarten als auch Propagandakarten liefern jedoch unweigerlich einen grotesken visuellen Beweis dafür, dass sich die bürgerliche Gesellschaft des Deutschen Kaiserreiches gegen die Juden konstruierte. Als zynische Zeitgenossen und Zeitgenossinnen des 21. Jahrhunderts könnte man nun behaupten, dass die Geschichtswissenschaften nicht noch mehr Zeit, Mühe und Geld in die Erforschung des Antisemitismus investieren sollten. Der Höhepunkt wurde lange erreicht, die Öffentlichkeit und Medien haben sich diesem einzigartigen Bemühen verschrieben. Doch dann veröffentlicht ein politischer Repräsentant dieses Landes, H.C. Strache, eine derart altmodische, antisemitische Karikatur und meint weder die Bühne räumen zu müssen noch einzugestehen, dass dies alter Antisemitismus ist. Dazwischen verweilt jedoch der systematische Massenmord an 6 Millionen Juden, die Shoah.
Abstract
(Englisch)
The current interest the public, media and historical sciences display towards anti-Semitism and the Shoah, the systematic mass murder of approximately 6 million Jews, is unprecedented. Despite this vast research, however, little is known about the existence of anti-Semitic postcards in the German Empire (1870/71-1918). Concerning these postcards, a distinction is made between cards employing (allegedly) harmless, commercial mockery, and cards demonstrating explicit propaganda used for political purposes. This study sets out to explore this colorful and absurd world: First, the golden age of this once revolutionary medium is reconstructed before the focus shifts towards anti-Semitic postcards, when exploring the producers and consumers, the texts written on these cards and the various anti-Semitic stereotypes exploited. Secondly, since the German Empire provides the historical context, a thorough analysis of the two modern phenomena anti-Semitism and nationalism is provided. Finally, selected postcards are analyzed meticulously in order to illustrate how the German Nation constructs itself against the Jews. Whether it concerns harmless mockery or explicit propaganda, every postcard emphasizes the construction of the German Nation against the Jews. This study adds valuable insights to the extensive body of research, since the anti-Semitic stereotypes employed on anti-Semitic postcards of the German Empire did not require significant transformation during the Nazi regime.
Schlagwörter
Schlagwörter
(Englisch)
anti-Semitic postcards German Empire nationalism and anti-Semitism
Schlagwörter
(Deutsch)
Antisemitische Postkarten Deutsches Kaiserreich Nationalismus und Antisemitismus
Autor*innen
Katharina Fersterer
Haupttitel (Deutsch)
Antisemitische Postkarten
Hauptuntertitel (Deutsch)
die Synthese von Nationalismus und Antisemitismus im Deutschen Kaiserreich
Publikationsjahr
2013
Umfangsangabe
132 S. : Ill.
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Alois Ecker
Klassifikation
15 Geschichte > 15.43 Deutsche Geschichte des 19. und 20. Jahrhunderts
AC Nummer
AC11124842
Utheses ID
27095
Studienkennzahl
UA | 190 | 344 | 313 |
