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Das christliche Königreich Navarra unter französischem Einfluss
Leitbild für ein gelungenes Zusammenleben verschiedener Gruppen
Christian Fasching
Art der Arbeit
Masterarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Historisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
Betreuer*in
Gottfried Liedl
DOI
10.25365/thesis.30658
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-29727.41427.657355-4
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)
Abstracts
Abstract
(Deutsch)
Das Königreich Navarra wurde im neunten Jahrhundert gegründet. Durch die expansive Politik der Herrscher erweiterte sich das Reich sehr schnell. Nach Sancho dem Großen wurde das Königreich unter seinen Söhnen aufgeteilt, aus denen die späteren Königreiche Kastilien und Aragon hervorgingen. Durch diese Teilung war das Königreich von Navarra nur mehr von anderen christlichen Herrschaftsgebieten umringt und konnte nicht mehr von der Gebietserweiterung durch die Reconquista profitieren. Dennoch war der Einfluss von Navarra bei der Schlacht von Las Navas de Tolosa siegentscheidend.
Im 13. Jahrhundert fiel das Königreich unter französischen Einfluss. Die Bedeutsamkeit schrumpfte im Verhältnis des Gebietswachstums von Kastilien und Aragon. Dadurch konzentrierte sich die Aufmerksamkeit nach „innen“. Regelungen zwischen den unterschiedlichen Gruppen wurden erlassen, modernisiert und verbessert. Das Gewohnheitsrecht wurde nach und nach institutionalisiert und durch königliche Erlässe erweitert.
Doch erst unter dem Hause Évreux gelang es den Juden, sich für den Staat als Finanziers und Steuerpächter zu etablieren. Die Folge davon war, dass sie sich vom Handel zurückzogen. Die Mauren wurden durch ihre technischen Kenntnisse im Agrarbereich eingesetzt. Bei den Menschen jüdischen Glaubens zählte die Intelligenz und Loyalität wie bei den Menschen muslimischen Glaubens ihre Erfahrung in der Landwirtschaft.
Durch die unterschiedlichen Einflüsse und die Lage verschmolzen viele Bräuche miteinander. Nicht nur, das Navarra mit einer Pluralität von kulturellen Einflüssen umgehen musste, sondern auch mit Menschen verschiedenen Glaubens. Dadurch erwuchs schon sehr schnell, ausgehend vom Herrscherhaus eine tolerante Politik, die auf dem Nutzen für das Königreich ausgerichtet war. Vertragliche Regelungen zwischen verschiedenen Personen unterschiedlichen Glaubens wurden einfache Rechtsgeschäfte. Dadurch wurde versucht, eine vernünftige Basis für das Staatssystem zu schaffen. Mit dieser Regelung wurde die Basis gelegt, dass Juden, Christen und Muslime miteinander sehr geschäftlich aktiv waren.
Neben der pluralen Gesellschaft herrschte auch eine mönchische Prägung des Landes vor. Dominkaner, Benediktiner, Zisterzienser und Templer waren mit Klöstern und eigenen Gebäuden sichtbar vertreten. Interessant ist, dass eine starke Konzentration solcher religiösen Gruppierungen auf engem Raum vorherrschte. Als im 12. und 13. Jahrhundert die muslimische Vorherrschaft im Norden der Iberischen Halbinsel endete, war auch die Armut für die jüdische Bevölkerung vorbei. Es boten sich neue politische und ökonomische Möglichkeiten. Erst in den krisenhaften Zeiten Ende des 13. Jahrhunderts erfolgte ein mentaler Umbruch in den unterschiedlichen Gruppen der navarresischen Gesellschaft, der Schritt für Schritt zur zunehmenden Intoleranz gegenüber Menschen jüdischen Glaubens führte. Mit dem IV. Laterankonzil 1215 gab es Einschränkungen für die Juden und deren Handlungsfähigkeit, welche in antijüdische Politik umschlug. Verurteilt wurde v.a. der Wucher.
Durch die convivencia hatten Juden, Christen und Muslime miteinander Kontakt. Die Juden nahmen einen integralen Bestandteil der navarresischen Bevölkerung ein. Der liberale Geschäftsmarkt förderte den Handel. So konnte Land frei verkauft werden - je nach dem Willen des Besitzers. Gemeinsame Interessen wie die Verteilung von Wasser im Bewässerungssystem motivierten die Partizipation in solchen gemeinsamen Unternehmungen. Die bedeutende Rolle von Eigentumstransaktionen von den fideiussores wurde in der Autorität der Gemeinschaft deutlich. Wenn nämlich ein Disput über die Transaktion entbrannte, dann musste der fideiussore kommen, um das Eigentum des Käufers zu schützen. Die Rolle der lokalen Autoritäten war von Region zu Region unterschiedlich. Deren Aufgaben reichten von einem gleichwertigen Austausch von Land bis hin zur Eintreibung von Steuern. Hierbei brauchten sie auch die Gemeinschaft von vecinos, die als Agenten agierten. Sie wurden gebraucht, weil sie kollektive Weisheit besaßen. Der fideiussore bot auch andere Landstücke an, um damit Konflikte zwischen den beiden Parteien zu vermeiden. Er setzte sich meist so lange ein, bis beide Parteien einen Konsens erreicht hatten.
Im 13. Jahrhundert lebten ca. 300-400 jüdische Familien in Navarra. Hauptsächlich in Tudela und Pamplona. Weiter stellt J. N. HILLGARTH fest, dass die Juden wichtig für den Reichtum und die Industrie in Navarra waren. Denn beim Lernen der Hebräisch-Arabischen Schrift lernten sie eine Kultur und unterschiedliche Traditionen kennen, die der christlichen überlegen war. Die Gruppe der Mudéjaren war kurz nach der erfolgreichen Reconquista sehr groß. In Aragon betrug sie ca. 50%. In Navarra gab es hingegen nur wenige. In Portugal waren diese wichtig für den Agrarbereich.
Es kann festgehalten werden, dass die differenzierten Fähigkeiten der Bevölkerung von Navarra im 13. und 14. Jahrhundert zu einer Vielzahl von Gewerben und Handelskontakten führte. Durch die liberalen gesetzlichen Regelungen wurde mehr Flexibilität erreicht.
Abstract
(Englisch)
Navarra was under French influence in the 13th und 14th Century a state of plurality and mutual. The different religious groups – Jews, Christians and Muslims – worked together in harmony. This was not usual in the time of the reconquista on the Iberian Peninsula. The little Christian state Navarra played a big role in the early days of the reconquista. But after victories against the Muslim hegemony, the state was cut off from the land winnings and had to concentrate on its own inner political stabilization.
The military and economic threat from the greater Christian states like Castilian and Aragon mobilized all human recourses. There was no time to struggle between the different religions. The Christian King of Navarra supported and granted with individual laws the flourish of the Macroeconomy of Navarra. With these actions, Navarre’s Kingdom acted quickly. The result was a rapid notice of agreements for the wealth of the state. With this axiom the greatest possible freedom for the religions groups and the individual actors for the commercial and industrial production were granted.
The selected documents can be dived in royal and non royal documents. The royal documents indicate first the Christian hegemony. On the second look it is obvious, that the other religions know the Christian calendar and their religious festivals. Non royal documents were between private investors or businesspeople. The social status and the exact declaration of the issue with witnesses were their contents.
According to the documents the Muslims were most established in the agrarian sector. On the other hand, the Jews had small businesses in the agrarian sector, greater ones in the financial and international trade. For the Christians there was no direct business with the Muslims, only with the Jews. But they ordered also Jewish people to assist in commercial actions with the Muslims.
The different view of the state Navarra under French influence showed, that religious groups can live together in harmony by respecting their individuality and state granted promises.
Schlagwörter
Schlagwörter
(Englisch)
Navarra groups life together
Schlagwörter
(Deutsch)
Navarra Gruppen Zusammenleben
Autor*innen
Christian Fasching
Haupttitel (Deutsch)
Das christliche Königreich Navarra unter französischem Einfluss
Hauptuntertitel (Deutsch)
Leitbild für ein gelungenes Zusammenleben verschiedener Gruppen
Paralleltitel (Englisch)
The christian Kingdom of Navarra under French influence
Publikationsjahr
2013
Umfangsangabe
120 S. : Kt.
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Gottfried Liedl
Klassifikationen
10 Geisteswissenschaften allgemein > 10.99 Geisteswissenschaften allgemein: Sonstiges ,
15 Geschichte > 15.07 Kulturgeschichte
AC Nummer
AC11158810
Utheses ID
27312
Studienkennzahl
UA | 066 | 688 | |
