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Über die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung als Deutungsangebot für verzweifelte Eltern
eine kritische Diskursanalyse
Rosmarie Weissensteiner
Art der Arbeit
Diplomarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Fakultät für Psychologie
Betreuer*in
Thomas Slunecko
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Alle Rechte vorbehalten / All rights reserved
DOI
10.25365/thesis.30746
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-29555.05419.510561-0
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Abstracts

Abstract
(Deutsch)
Die vorliegende Arbeit unternimmt den Versuch, sich dem Phänomen der breiten gesellschaftlichen Akzeptanz hinsichtlich der kinderpsychiatrischen Diagnose Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung über die Perspektive betroffener Eltern zu nähern. Auf der Basis kulturpsychologischer Überlegungen wird ADHS als diskursive Formation verstanden, als Teil einer Kultur, die dieses Wissen hervorgebracht hat und nur im Kontext dieser Kultur Sinn gewinnen kann. Mit Blick auf die historische und kulturelle Gebundenheit wird dem sich wandelnden Wissen um ADHS nachgegangen und aufgezeigt, dass sich die Diagnose in einem vorwiegend biomedizinisch orientierten Psychiatriediskurs konstituiert, der auch gegenwärtig nicht einheitlich sondern in verschiedenen Formen und Varianten besteht. Ausgehend von der Überlegung, dass die Deutung bestimmter, kindlicher Verhaltensweisen als psychiatrisches Störungsbild mit der Lebenswelt von Eltern vereinbar sein muss um deren Anerkennung und Akzeptanz zu erfahren, wird im Rahmen einer Kritischen Diskursanalyse die Passung von psychiatrischer Diagnose und Lebenswelt der Eltern untersucht. Den thematischen Ort der Analyse bildet der Diskurs über ADHS aus der Perspektive ‚befürwortender‘ Eltern – ein Ort, an dem sich elterliche Lebenswelt und psychiatrisches Deutungsangebot in Akzeptanz verbinden. Die Materialbasis bilden Elternbeiträge aus einem deutschsprachigen Selbsthilfeforum zum Thema ADHS. Dabei wird ein von Leistungsdruck geprägtes Gesellschaftssystem sichtbar, unter dessen Anforderungen sowohl Eltern als auch Kinder leiden. Es zeigen sich Eltern, die verzweifelt versuchen die gesellschaftlich geforderten Erziehungserwartungen an das Entsprechen ihrer Kinder zu erfüllen, die aber trotz systemkonformer Bemühungen mit dem Vorwurf der Erziehungsverfehlung konfrontiert sind. Es zeigen sich Kinder, die dem Übermaß an Druck und Unverständnis durch Schule und Eltern vor allem mit Aggressionen, aber auch mit Unruhe und Passivität begegnen, die sich durch ungehorsames Verhalten bemerkbar machen und sich dem System gewissermaßen widersetzen. Gleichzeitig wird deutlich, dass sich die Diagnose ADHS über genau jene gesellschaftlichen Verhaltensnormen definiert, die von Kindern gefordert werden. Die Diagnose konstituiert sich also im System und repräsentiert dieses gleichsam. Damit bietet das System den vom System zur Verzweiflung gebrachten Eltern eine Erklärung für das unruhige und rebellische Verhalten ihrer Kinder, ohne ihnen ein individuelles Versagen an gesellschaftlichen Anforderungen vorzuwerfen. Es stellt mit dem Angebot therapeutischer Maßnahmen an die Eltern die Anpassung der Kinder und damit die Hoffnung in Aussicht, der erwarteten Elternrolle gerecht werden zu können und stabilisiert damit gleichzeitig bestehende Gesellschaftsstrukturen.
Abstract
(Englisch)
The presented thesis tries to investigate the phenomenon of broad social acceptance of Attention Deficit/Hyperactivity Disorder diagnoses by looking at the parents’ perspectives. Grounded in cultural-psychology considerations, ADHD is understood as discursive formation, and part of a culture that generated this knowledge. Only in this specific cultural context ADHD can gain meaning. Looking at the historic and cultural background, the changing concept of ADHD is illustrated. It is pointed out, that the diagnosis is established within a predominantly biomedical orientated psychiatric discourse, which even nowadays does not present itself as homogenous, but rather as a field of contradictory opinions. Considering, that in order to gain acceptance the interpretation of specific child behavior according to psychiatric concepts has to be compatible with their parents’ living environment, a critical discourse analyses has to be applied investigating the question how the psychiatric diagnose is linked with the social system parents are living in. Hence, the topical site of this investigation is the discourse about ADHD from the perspective of endorsing parents – the place, where the parents’ living environment and the psychiatric offer of interpretation unite in acceptance. Drawing on parents’ internet postings provided by a German speaking self-help discussion board, the analyses shows a performance-orientated social system, where parents and children suffer from unquestioned requirements. Parents are shown, who desperately try upbringing their children in a requested manner, which means in fact that children have to live up to social demands. Although parents try hard to comply with social expectations, they are confronted with social sanctions. Furthermore children are shown, who face exorbitant pressure and lack of understanding by school and parents alike. As a result they express aggression in particular, but also agitation and passivity. They get themselves noticed by undutiful behavior voicing resistance against the system. At the same time the diagnosis ADHD is defined by norms, which represent the norm for social behavior of children. Hence, it can be shown that the diagnosis ADHD is anchored within society by representing its social norms. Parents who struggle with social requirements receive an explanation without being blamed for individual failure, offered by the same system that generates the norms they fail to fulfill. Furthermore, the system promises hope through therapeutical treatment of the diagnosed children while protecting the dominant social structures at the same time.

Schlagwörter

Schlagwörter
(Englisch)
Attention Deficit/Hyperactivity Disorder ADHD ADD critical discourse analyses cultural-psychology
Schlagwörter
(Deutsch)
Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung Hyperkinetische Störung ADHS ADS HKS kritische Diskursanalyse Kulturpsychologie
Autor*innen
Rosmarie Weissensteiner
Haupttitel (Deutsch)
Über die Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung als Deutungsangebot für verzweifelte Eltern
Hauptuntertitel (Deutsch)
eine kritische Diskursanalyse
Publikationsjahr
2013
Umfangsangabe
151
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Thomas Slunecko
Klassifikationen
77 Psychologie > 77.24 Kritische Psychologie ,
77 Psychologie > 77.55 Kinderpsychologie ,
77 Psychologie > 77.70 Klinische Psychologie
AC Nummer
AC11224429
Utheses ID
27377
Studienkennzahl
UA | 298 | | |
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