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Die Rolle der FEANF (Fédération des étudiants d’Afrique noire en France) für ihre Mitglieder 1958-1968
Wezi Graf
Art der Arbeit
Diplomarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Philologisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
Betreuer*in
Sarr Amadou-Lamine
DOI
10.25365/thesis.31368
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-29200.37652.170455-6
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Abstracts
Abstract
(Deutsch)
Studenten der durch Frankreich kolonisierten Gebiete Westafrikas - als Teil der afrikanischen Intelligenzija - waren in den 1950er- und 1960er-Jahren zentrale Akteure des Dekolonisierungs- sowie des postkolonialen Prozesses des nation building. Weiters sorgten die im Zuge des Kolonialismus etablierten und im nachkolonialen Kontext manifestierten elitären politischen Systeme in Westafrika mitunter dafür, dass Bildungs- und politische Elite deckungsgleich waren. In diesem Zusammenhang stellten Studenten die angehenden führenden Meinungsbildner dar. Diese begannen sich verstärkt ab den 1950er-Jahren besonders in Frankreich in Vereinen und Organisationen zusammenzuschließen. Die FEANF (Fédération des étudiants d’Afrique noire en France) entwickelte sich nach ihrer Gründungs- und Konsolidierungsphase von 1950 bis 1955 zur wichtigsten Organisation afrikanischer Studenten in Frankreich, die mehrere Generationen der frankophonen afrikanischen Intellektuellen weitgehend prägte.
In der vorliegenden Arbeit wird erarbeitet, welche Rolle Mitglieder der Föderation in den 1960er-Jahren der Organisation in ihrem Leben zuschreiben.
Die FEANF fungierte als Brückenkopf und soziales Netzwerk für neu angekommene afrikanische Studenten. Die Föderation wusste sich diese Rolle, für die Rekrutierung neuer Mitglieder und deren politische Sensibilisierung und Mobilisierung zu Nutze zu machen. Die Betroffenen erlebten diesen Prozess wiederum als Schule politischer Bewusstseinsbildung, welchem sie einen wichtigen Stellenwert in ihrem Leben zuschreiben.
Die Organisation trug maßgeblich zur Entwicklung eines konkreten Selbstbildes der afrikanischen Intelligenzija als politische Avantgarde bei. Diese selbst zugeordnete Rolle und die polit-ideologische Orientierung der Organisation standen in enger Interdependenz.
In der FEANF konnten sich ab 1955 die kolonial-kritischsten und Marxismus-nahen Mitglieder durchsetzen, wodurch sich die ideologische Orientierung der Föderation ab diesem Zeitraum radikalisierte. Im kolonialen Kontext bedeutete dies die Forderung nach sofortiger und absoluter Unabhängigkeit der afrikanischen Kolonien Frankreichs. Im nachkolonialen Zusammenhang wiederum wurden die postkolonialen Strukturen, also die enge Zusammenarbeit und Abhängigkeit der neuen Machthaber mit den ehemaligen Kolonialmächten und der neuen Hegemonialmacht USA, als Neo-Kolonialismus definiert. Die FEANF setzte es sich zum Ziel, diesen Strukturen entgegenzuwirken. Den Analysen der Föderation zufolge konnten die neo-kolonialen Verhältnisse vor allem durch die Politisierung und Mobilisierung der afrikanischen Massen bekämpft werden. In diesem Zusammenhang schrieben sich die Mitglieder der Föderation als Avantgarde politischen und sozialen Wandels die Aufgabe zu, die afrikanische Bevölkerung politisch zu sensibilisieren. Dabei wurde Bildung eine zentrale Rolle eingeräumt. Das Postulat der FEANF der Integration der breiten Bevölkerung in die politische Arena wurde bereits Ende der 1950er-Jahre ein zentrales Anliegen der Organisation. Allerdings erreichte es seinen Höhepunkt in den 1960er-Jahren und schlug sich auf die Organisationsstrukturen der FEANF nieder, indem sie durch die Rekrutierung außer-universitärer junger Immigranten ihre soziale Basis ausweitete.
Die Mitglieder der FEANF schreiben der Partizipation in der Organisation die Rolle zu, ihr politisches Bewusstsein geweckt und das nötige Handwerkszeug für politischen Aktivismus beigebracht zu haben.
Abstract
(Englisch)
Students from the former French colonies in West-Africa form a part of the African intelligentsia. In the 1950s and 1960s they were important stakeholders in the processes of decolonisation and of nation building. The colonial state and its legacies established elite state structures. Within these structures the political elite resembled the educated elite. In this context African students constitute the future elite. From the 1950s on, African students began to form student associations and organisations especially in France. After its founding and consolidation from 1950 to 1955, the FEANF (Fédération des étudiants d’Afrique noire en France) became the most important African student organisation in France. The federation was very influential on the francophone African intelligentsia for generations. This thesis explores the roles of the federation for its members in the 1960s.
The FEANF was support and a social network for newly arrived African migrants. The federation used this position for recruiting new members, for political mobilisation and political awareness rising. The members of the organisation experienced this process as education of their political consciousness, which became an important part in their lives. The organisation played a key role in the development of the created self-image of the African intelligentsia as a political avant-garde. This image and the political and ideological orientation of the federation are closely interdependent.
From 1955 on, critical and Marxist-oriented members of the FEANF maintained the leadership of the federation. The impact of this leadership was a radicalisation of the organisations political and ideological orientation. In the colonial context, members were demanding the immediate and total independence of the African colonies. In the postcolonial area, the FEANF condemned neo-colonialism that was classified as close relationship between the new heads of states and the former colonial powers including the U.S. as new hegemony power. The strategy deployed by the FEANF to fight this neo-colonialism was the union between the African intelligentsia and the broader African masses. To reach their goals, the FEANF members contributed education a key role. The demand of the federation for the integration of the masses into the political sphere started at the end of the 1950s and found its climax in the 1960s. This conjuncture also got visible in the organisations structures as it started to recruit non-university members.
The FEANF members define their participation in the organisation as a crucial part of their live as it evoked their political consciousness and provided know-how of political activism.
Schlagwörter
Schlagwörter
(Englisch)
African student organisations FEANF
Schlagwörter
(Deutsch)
afrikanische Studentenbewegung FEANF
Autor*innen
Wezi Graf
Haupttitel (Deutsch)
Die Rolle der FEANF (Fédération des étudiants d’Afrique noire en France) für ihre Mitglieder 1958-1968
Publikationsjahr
2014
Umfangsangabe
127 S.
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Sarr Amadou-Lamine
Klassifikation
15 Geschichte > 15.06 Politische Geschichte
AC Nummer
AC11993172
Utheses ID
27891
Studienkennzahl
UA | 057 | 390 | |
