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Die Ordnung der Dinge im Asylverfahren – oder wie mensch von Flucht erzählt
zur Konstruktion des 'genuinen' Flüchtlings anhand einer empirischen Analyse der Glaubwürdigkeitsprüfung
Milena Merkac
Art der Arbeit
Diplomarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Philologisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
Betreuer*in
Ataç Ilker
DOI
10.25365/thesis.31525
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-29550.93230.973865-7
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Abstracts
Abstract
(Deutsch)
Seit dem Inkrafttreten der Genfer Flüchtlingskonvention (1954) und dem Zusatzprotokoll (1967) ist der Begriff des Flüchtlings in Österreich - sowie in 148 anderen Staaten, die diese Konvention und/oder das Protokoll mittlerweile ratifiziert haben - juristisch definiert. Ob eine Person in Österreich als Flüchtling anerkannt wird, wird in einem Asylverfahren entschieden und hängt maßgeblich von den Einvernahmen in diesem Verfahren ab. Die Kategorie des Flüchtlings wird nicht nur durch die juristische Definition vorausgesetzt, sie wird auch durch die Prüfung dieses Status reproduziert und aufrecht erhalten.
Vor dem Hintergrund von Überlegungen zu Recht, Macht und Wahrheit und der Beschäftigung mit dem Sujet der Glaubwürdigkeit als zentralem Moment im Asylverfahren fasse ich letzteres in dieser Arbeit als paradigmatischen Ort der Wahrheitsproduktion. In einer qualitativen Analyse ausgewählter Erkenntnisse des österreichischen Asylgerichtshofes gehe ich der Frage nach, auf welcher Grundlage zwischen glaubwürdigem und unglaubwürdigem Erzählen unterschieden wird und wie dadurch Grenzen des Möglichen durch eine vom Gericht vorgegebene Logik abgesteckt sind. Die Entscheidungsfindung in der Glaubwürdigkeitsprüfung beschreibe ich in diesem Sinne als eine Form der Wahrheitsfindung: Indem das Gericht behauptet, zu wissen, wie ein Flüchtling erzählen würde und einer Fluchtgeschichte beziehungsweise einem Erzählverhalten Authentizität im Sinne von Glaubwürdigkeit zu- oder abspricht, wird die Maßfigur eines „genuinen“ Flüchtlings konstruiert. Angesichts dessen, dass Entscheidungen im Asylverfahren und die darin enthaltenen Logiken der Asylbehörden und -gerichte selten Einzug in öffentliche Debatten finden, richte ich den Blick auf diese Seite, das heißt auf das Sinnsystem der Entscheider_innen und Beschreiber_innen. Durch eine Herausarbeitung der Erzählanforderungen, mit denen Asylwerber_innen im Verfahren konfrontiert werden, werden Verknüpfungen von Macht, Wahrheit und Wissen im Asylverfahren offengelegt, und somit diskutier- und kritisierbar gemacht.
Abstract
(Englisch)
Since the Geneva Convention (1954) and its supplementary protocol (1967) came into effect, the term refugee gained a legal definition in Austria, as well as in 148 other states that have meanwhile ratified this convention and/or the protocol. Whether or not a person is recognized as a refugee in Austria is decided in an asylum process and largely depends on the hearings in this process. The category refugee is not only presupposed by the judicial definition but is reproduced and maintained by the assessment of this status.
Against the backdrop of considerations about law, authority and truth and the notion of credibility as a central factor in the asylum process, in this thesis, I conceptualize the latter as a paradigmatic place where truths are produced. In a qualitative analysis of selected decisions of the Austrian Asylum Court, I will explore the question on which basis believable and unbelievable assertions are distinguished from one another and how the boundaries/limits of what is deemed possible are defined by the logic of the court.
In this sense, I would describe the decision-making process in the examination of credibility as a form of truth-finding: with the court claiming to know how a refugee would recount their story and thus adjudge or deny authenticity, i.e. credibility, to a flight story or a certain manner of telling a story, the normative figure of a “genuine” refugee is constructed. Considering that rulings in the asylum process and the logics of the asylum courts and administrations are seldom a topic of public debate, I have decided to focus on this aspect, i.e. the of the decision-makers’ and describers’ system of meaning. By elaborating the requirements of narration with which asylum seekers are confronted in the process, entanglements between authority, truth and knowledge are disclosed and thus rendered discussable and criticizable.
Schlagwörter
Schlagwörter
(Englisch)
asylum procedure credibility truth production
Schlagwörter
(Deutsch)
Asylverfahren Glaubwürdigkeit Wahrheitsproduktion
Autor*innen
Milena Merkac
Haupttitel (Deutsch)
Die Ordnung der Dinge im Asylverfahren – oder wie mensch von Flucht erzählt
Hauptuntertitel (Deutsch)
zur Konstruktion des 'genuinen' Flüchtlings anhand einer empirischen Analyse der Glaubwürdigkeitsprüfung
Publikationsjahr
2014
Umfangsangabe
II, 131 S.
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Ataç Ilker
Klassifikationen
10 Geisteswissenschaften allgemein > 10.00 Geisteswissenschaften allgemein: Allgemeines ,
70 Sozialwissenschaften allgemein > 70.00 Sozialwissenschaften allgemein: Allgemeines ,
89 Politologie > 89.32 Staatsformen, Regierungsformen ,
89 Politologie > 89.35 Demokratie ,
89 Politologie > 89.42 Staat und Bürger ,
89 Politologie > 89.50 Politische Prozesse: Allgemeines
AC Nummer
AC12005541
Utheses ID
28027
Studienkennzahl
UA | 057 | 390 | |
