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Die Inszenierung des Künstlerdaseins durch die Autobiografie
vergleichende Analyse von Thomas Bernhards "Ein Kind" und Elias Canetts "Die gerettete Zunge"
Kerstin Hackl
Art der Arbeit
Diplomarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Philologisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
Betreuer*in
Werner Michler
DOI
10.25365/thesis.31548
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-29284.03842.265959-2
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)
Abstracts
Abstract
(Deutsch)
Die vorliegende Arbeit trägt den Titel „Die Inszenierung des Künstlerdaseins durch die Autobiografie. Vergleichende Analyse von Thomas Bernhards ,Ein Kind´ und Elias Canettis ,Die gerettete Zunge´“ und beschäftigt sich exemplarisch mit Besonderheiten der modernen literarischen Autobiografie des 20. Jahrhunderts.
Die Analyse wird von den Fragen geleitet, welche Künstlerbilder sich aus den individuellen künstlerischen Selbststilisierungen der Autoren Thomas Bernhard in „Ein Kind“ und Elias Canetti in „Die gerettete Zunge“ ergeben und welche erzähltheoretischen Auffälligkeiten sich auf der Ebene der Darstellung zeigen.
Zur Gattung der Autobiografie gehört es in dem „Individuellen zugleich das Allgemeine zu sehen“ (Hähner, 199, S. 9) und deshalb wird in dieser Analyse der Versuch unternommen, sowohl auf erzähltheoretischem als auch auf hermeneutischem Weg, Gemeinsamkeiten und Unterschiede dieser beiden Künstlerautobiografien herauszuarbeiten. Der Vergleich zwischen Bernhard und Canetti ist vor allem interessant, da sie sich intellektuell als Gegner bezeichneten (vgl. Göbel, 2005, S. 121) und dadurch kann eher ausgeschlossen werden, dass sie einander als Vorbilder genommen haben. Deshalb sprechen Gemeinsamkeiten dieser Werke für eine kulturelle Komponente, von denen Künstlerautobiografien geprägt sind.
Jedes der beiden analysierten Werke ist natürlich sowohl durch Tradition als auch durch einen ausgeprägten individuellen Stil geprägt. Es kann konstatiert werden, dass sich neben anderen Elementen auch die historischen Rahmenbedingungen bzw. die Umwelt auf das frühe Künstlerleben auswirken. Die konstanten Elemente der Künstlerautobiografie nach Ernst Kris und Otto Kurz (1995, S. 131) als auch nach Christopher Laferl und Anja Tippner (2011, S. 10) sind das frühe Talent, die Virtuosität, die Außergewöhnlichkeit bzw. die Überlegenheit der Künstlerpersönlichkeit gegenüber anderen Personen, die Genialität, die tiefer gehende Weltsicht und die Extravaganz und diese erwiesen sich als gattungsimmanente Merkmale der beiden Werke. Die beiden Autobiografien wurden auch hinsichtlich variierender Elemente von Künstlerautobiografien untersucht, anhand der vier Komponenten nach John Clausen (1980, S. 207), den persönlichen Ressourcen, die Ressourcen an Unterstützung und Anleitung, dem Zugang zu Lebenschancen und den persönlichen Bemühungen und Anstrengungen. Für alle vier variierenden Elemente konnten Entsprechungen in den Werken gefunden werden. Bei diesen Werken erwiesen sich auch die schwierigen Lebensumstände aufgrund der historischen und familiären Rahmenbedingungen als entscheidend für die Ausbildung wichtiger Künstlerqualitäten. Die intellektuelle Unterstützung erscheint auch von Bedeutung zu sein, die nach der Analyse dieser beiden Werke unabhängig ist von der sozioökonomischen Stellung der Familie.
Erzähltheoretisch wurden diese Werke hinsichtlich eines Beschreibungsmodells nach drei Kategorien aus der Erzähltheorie von Martin Scheffel und Matías Martìnez (2012) untersucht.
Thomas Bernhard unterscheidet sich unter anderem durch seine „Methode, die Vergangenheit in der Gegenwart mitzudenken“ (Jesse, 2000, S. 102) von einer klassischen Autobiografie. Die Analyse zeigt, dass sich Canetti ebenfalls dieser Methode bedient.
Die moderne Autobiografie erweist sich sowohl bei Canetti als auch bei Bernhard als Konstrukt, in dem Orientierungsleistungen beschrieben und erklärt werden, die sich aus individuellen und aus sozialisierten individuellen Wahrnehmungsprozessen, die auch aus Emotionen bestehen, ergeben. Natürlich hängen die Autobiografien auch von der kultur- und zeitspezifischen Betrachtungsweise des Lebens ab. Bei diesen modernen Autobiografen fallen die Wahrnehmung, die Erkenntnis und die Interpretation des Erlebten zusammen und diese ergeben die autobiografische Wirklichkeit, die natürlich keiner realitätsgetreuen Abbildung entsprechen kann. Vom Bild eines klassischen Bildungsromans entfernen sich diese Autoren bewusst, denn das Ziel der Lebensdarstellung liege nach der Analyse eher in der Selbstfindung und in der Inszenierung des Lebens auf eine gewünschte Darstellungsform und nicht auf die Nacherzählung eines idealen Lebensentwurfes. Die zwei Erzählweisen der Ironie und der karikierenden Übertreibung kann man bei beiden Autobiografien finden und diese zeigen wiederum, dass Canetti und Bernhard gerne mit der Sprache gespielt haben. Die Autobiografien wirken sich auch auf die Rezeption der anderen Werke dieser Autoren aus. Die literaturwissenschaftliche Rezeption der autobiografischen Erzählungen führt oftmals zum Versuch der Belegung von Deutungen anderer Werke. Doch diese Vorgehensweise unterliegt dem Fehlschluss, dass andere Werke durch den autobiografischen Hintergrund aus den autobiografischen Erzählungen erklärt werden können. Die Analyse dieser Arbeit zeigt jedoch auf, dass die Autoren deutlich mit ihren Erinnerungen gespielt, sie inszeniert und interpretiert dargestellt haben. Deshalb sollten sich Interpretationen anderer Werke nicht auf die Angaben der autobiografischen Erzählungen stützen, denn die autobiografischen Erzählungen können nicht als Beleg für den realitätsgetreuen lebensgeschichtlichen Hintergrund der Autoren gelten.
Schlagwörter
Schlagwörter
(Deutsch)
Inszenierung des Künstlerdaseins Künstlerkonzeptionen Künstlerbilder Autobiografische Erzählungen Thomas Bernhards "Ein Kind" Elias Canettis "Die gerettete Zunge"
Autor*innen
Kerstin Hackl
Haupttitel (Deutsch)
Die Inszenierung des Künstlerdaseins durch die Autobiografie
Hauptuntertitel (Deutsch)
vergleichende Analyse von Thomas Bernhards "Ein Kind" und Elias Canetts "Die gerettete Zunge"
Publikationsjahr
2014
Umfangsangabe
121 S.
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Werner Michler
Klassifikation
17 Sprach- und Literaturwissenschaft > 17.00 Sprach- und Literaturwissenschaft: Allgemeines
AC Nummer
AC11424357
Utheses ID
28049
Studienkennzahl
UA | 190 | 299 | 333 |
