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Die Todesstrafe an Jugendlichen in der Islamischen Republik Iran
Johanna Georgina Petra Sailer
Art der Arbeit
Diplomarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Philologisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
Betreuer*in
Hannes Tretter
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Alle Rechte vorbehalten / All rights reserved
DOI
10.25365/thesis.31655
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-29617.12563.682155-3
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)

Abstracts

Abstract
(Deutsch)
Die Praxis der Hinrichtung von Minderjährigen verstößt in mehrfacher Hinsicht gegen internationale Menschenrechtsstandards. Einerseits ist die Todesstrafe an sich, wie sie im iranischen Recht geregelt ist, menschenrechtswidrig. So darf die Todesstrafe nach den wichtigsten Menschenrechtskonventionen nur für schwerste Verbrechen verhängt werden und soll nur eine Maßnahme für Ausnahmefälle sein. Das iranische Strafrecht sieht jedoch die Todesstrafe schon für vergleichsweise geringfügige Vergehen vor, wie etwa Drogendelikte, unerlaubten Geschlechtsverkehr, Konversion vom Islam zu einer anderen Religion, Beleidigung des Islam oder Homosexualität. Das iranische Strafrecht basiert auf dem islamischen Recht. Kinder gelten nach islamischem Recht schon sehr früh als deliktsfähig. So können Mädchen ab dem Alter von 9 Jahren und Jungen ab dem Alter von 15 Jahren für von ihnen begangene Straftaten zur Verantwortung gezogen werden. Eine Strafmilderung für jugendliche StraftäterInnen ist im iranischen Recht nicht vorgesehen. Dies hat zur Folge, dass die Todesstrafe auch über Kinder und Jugendliche verhängt werden kann. Zahlreiche Menschenrechtsübereinkommen, darunter auch die Kinderrechtskonvention, verbieten jedoch die Verhängung der Todesstrafe, wenn die Straftat von einer Person, die bei Begehung der Tat unter 18 Jahre alt war, begangen wurde. Der Iran hat die Kinderrechtskonvention ratifiziert. Allerdings hat er sich vorbehalten, die Konvention nur solange anzuwenden, als sie islamischen Grundsätzen nicht widerspricht. Auch der Internationale Pakt über bürgerliche und politische Rechte enthält ein Verbot der Verhängung der Todesstrafe über Minderjährige. Ihm ist der Iran noch vor der Revolution von 1979 vorbehaltslos beigetreten. In dieser Diplomarbeit wird dargestellt, wie nicht nur die Hinrichtung selbst, sondern auch die der Hinrichtung vorangehenden Verfahren internationalen Menschenrechtsstandards widersprechen. Es wird gezeigt, in welchen Fällen die Todesstrafe für Kinder im iranischen Recht möglich ist. Weiters wird veranschaulicht, welchen Menschenrechtskonventionen, die die Todesstrafe an Kindern verbieten, der Iran beigetreten ist und inwieweit sich der Iran durch diese verpflichtet hat. Vorgestellt werden auch praktische Fälle für die Hinrichtung von Jugendlichen. Schließlich werden in der Diplomarbeit Standards für die Verhängung und Vollstreckung der Todesstrafe an Kindern vorgeschlagen, wenn schon entgegen internationaler Menschenrechtsstandards die Todesstrafe an Kindern verhängt und vollstreckt wird. Dieser Vorschlag ist keinesfalls eine Rechtfertigung für die Todesstrafe an Kindern. Er soll vor dem Hintergrund gesehen werden, dass die Einhaltung gewisser Standards, wie einem fairen Verfahren, zumindest einen Beitrag zur weniger häufigen Verurteilung von Jugendlichen zum Tode führen kann.
Abstract
(Englisch)
The execution of minors violates international human rights standards in multiple ways. First of all, the death penalty itself – as it is settled in Iranian laws – is contrary to human rights law. According to the most important human rights conventions the death penalty shall be imposed only for the most serious crimes and should be an exceptional measure. The Iranian criminal law however, allows for the death penalty for relatively insignificant crimes, such as drug crimes, extramarital intercourse, apostasy, blasphemy, conversion or homosexuality. Iranian criminal law is based on Islamic law. According to Islamic law children are held criminally responsible at a very young age. Thus girls can be held responsible at the age of 9 years and boys at the age of 15 years. Mitigation of punishment for juvenile offenders does not exist in Iranian law. This results in the fact that cruel sentences and capital punishment can be imposed even on minors. Several human rights treaties - among them the Convention on the Rights of the Child - prohibit capital punishment for offences committed by persons below eighteen years of age. Iran has ratified the Convention on the Rights of the Child. However it reserved the right not to apply any provisions or articles of the Convention that are incompatible with Islamic Laws. Also the International Covenant on Civil and Political Rights contains a ban on juvenile capital punishment. Iran joined the Covenant before the Revolution in 1979 without any reservation. This thesis shows how the execution and the aforegoing proceedings violate international human rights standards. It illustrates the cases, in which the death penalty for minors is possible under Iranian law. It further explains the human rights conventions which prohibit the execution of minors and which Iran ratified. Practical cases of juvenile executions are presented to illustrate the proceedings of the imposition of the death penalty on minors. Finally the thesis proposes standards for the imposition and enforcement of the death penalty on children, that should be complied with when executing minors and that could contribute to a fair trial which could make the imposition of the death penalty on the juvenile offender less probable.

Schlagwörter

Schlagwörter
(Englisch)
death penalty capital punishment execution juvenile death penalty juvenile minor child youth justice criminal law criminal responsibility Iran Islamic Republic of Iran islamic law islamic criminal law sharia human rights children's rights
Schlagwörter
(Deutsch)
Todesstrafe Hinrichtung Exekution jugendlich minderjährig Kinder Strafrecht Strafbarkeit strafrechtliche Verantwortlichkeit Iran Islamische Republik Iran islamisches Recht islamisches Strafrecht Scharia Menschenrechte Kinderrechte
Autor*innen
Johanna Georgina Petra Sailer
Haupttitel (Deutsch)
Die Todesstrafe an Jugendlichen in der Islamischen Republik Iran
Paralleltitel (Englisch)
The Juvenile Death Penalty in the Islamic Republic of Iran
Publikationsjahr
2014
Umfangsangabe
146 S.
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Hannes Tretter
Klassifikationen
86 Recht > 86.05 Rechtssoziologie, Rechtspsychologie ,
86 Recht > 86.10 Recht einzelner Länder, Gebiete und Völker ,
86 Recht > 86.39 Jugendstrafrecht ,
86 Recht > 86.84 Völkerrecht: Allgemeines ,
86 Recht > 86.85 Menschenrechte
AC Nummer
AC11999472
Utheses ID
28146
Studienkennzahl
UA | 057 | 390 | |
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