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Die Lebensgestaltung oaxaquenischer Kleinbäuerinnen und ihre Rolle in der agroökologischen Transformation der Landwirtschaft
eine Fallstudie aus El Carmen, Mexiko
Caroline Sommeregger
Art der Arbeit
Diplomarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Philologisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
Betreuer*in
Martina Kaller-Dietrich
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Alle Rechte vorbehalten / All rights reserved
DOI
10.25365/thesis.31694
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-29419.85602.900570-2
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)

Abstracts

Abstract
(Deutsch)
Der kleinbäuerliche Sektor in Mexiko befindet sich seit Mitte der 1960er Jahre in einer Krise. Die zunehmende Weltmarktintegration in Verbindung mit einer kleinbäuerinnenfeindlichen Politik, die mit dem Abschluss des Freihandelsabkommens NAFTA 1994 ihren Höhepunkt erreichte, hat die Lage der geschätzten 18 Millionen Kleinbäuerinnen und Bauern kontinuierlich bedroht. Eine zunehmende Marktabhängigkeit, Migration und eine Feminisierung der ländlichen Arbeit waren die Folge. Die vorliegende Arbeit liefert einen Beitrag zur Analyse der mexikanischen Kleinbauernschaft aus der Perspektive von fünf Kleinbäuerinnen aus El Carmen, Oaxaca. Im Zentrum steht eine qualitative Forschungsarbeit über die Lebensgestaltung bzw. die verschiedenen Arbeits- und Tätigkeitsfelder von fünf Kleinbäuerinnen und ihren Erfahrungen mit dem Projekt Agricultura para necesidades báscias, mit speziellem Fokus auf die Escuela de Campo und die Aneignung, Anwendung und Bedeutung agroökologischer Praktiken. Die empirische Datengrundlage basiert auf einem viereinhalbmonatigen Forschungsaufenthalt in Oaxaca, die Feldforschung in El Carmen wurde zwischen Oktober und November 2012 durchgeführt. Wissenschaftstheoretisch und methodisch wurzelt die Arbeit in einem transdisziplinären Forschungszugang, der einen offenen, reflexiven und mehrere AkteurInnen einschließenden Forschungsprozess gewährleisten sollte, sowie die gesellschaftliche Relevanz der Forschung. Als methodisches Werkzeug diente die teilnehmende/dichte Beobachtung, das leitfadengestützte Interview, die qualitative Themenanalyse und eine erzählerische Wiedergabe der Forschungsergebnisse. Die Lebensgestaltung der Kleinbäuerinnen bzw. ihre Arbeitsfelder sind vielfältig: Neben der Verrichtung der Reproduktions- und Hausarbeit sind alle Frauen zentrale Akteurinnen in der Landwirtschaft, verrichten produktive, bezahlte Tätigkeiten, besetzen Ämter im Usos-y-Costumbres-System und gelten als primäre Zielgruppe, wenn es um (teil-)staatliche Regierungsprogramme zur Grundbedürfnissicherung geht. Zudem sind alle intensiv in das Projekt Agricultura para necesidasdes báscias vom Centro de Desarrollo Comunitario Centéotl involviert. Die Tätigkeiten der Frauen lassen sich größtenteils als Schattenarbeit bezeichnen, was aufgrund der Unsichtbarkeit der Arbeiten eine Mehrfachausbeutung der Frauen ermöglicht. Die genannten Frauenarbeiten können im Spannungsfeld einer teils autonomen, in einer sozioökonomischen Gemeindestruktur eingebetteten Lebensweise in El Carmen und der Unterordnung unter das nationale/internationale Kapital verortet werden. Deshalb ist eine starre, dichotome Differenzierung zwischen reproduktiven und produktiven Tätigkeiten nicht zielführend, vielmehr handelt es sich um ein komplexes Nebeneinander und Ineinanderfließen verschiedener Tätigkeiten, die unter dem Terminus der Pluriaktivität subsumiert werden können. Die intensive Beteiligung am Projekt A4N, und insbesondere an der ECA, hat bei meinen Forschungspartnerinnen in erster Linie persönliche Veränderungen initiiert. Abstrahierend können die geschilderten Veränderungsprozesse als Elemente im persönlichen und kollektiven Ermächtigungsprozess beschrieben werden. Als problematisch stellte sich der erhöhte Zeit- und Arbeitsaufwand durch die intensive Partizipation am Projekt heraus. Zentrale Elemente der ECA für die Forschungspartnerinnen sind die Vermittlung von (organischen) Anbaumethoden zur Diversifizierung von Gemüse- und Nutzpflanzen, sowie von agroökologischen Praktiken zum Recycling von Nährstoffen innerhalb der bäuerlichen Einheit bzw. zur Verbesserung der organischen Bodensubstanz (Mischdünger, organische Blattdüngung und Schädlingsbekämpfung, organische Düngemethoden). Die Anwendung agroökologischer Praktiken bedeutete für die Kleinbäuerinnen neben der erhöhten Arbeitsbelastung eine Verringerung der Abhängigkeit von zuzukaufenden landwirtschaftlichen Vorprodukten, eine erhöhte Verfügbarkeit verschiedener Kräuter, Gemüse und Getreidearten und die Erwirtschaftung zusätzlicher Einkommen durch den Verkauf der Produkte.
Abstract
(Englisch)
The mexican peasantry is experiencing a deep crisis since the mid 1960s. The ongoing integration into a world market, accompanied with unfavourable policies for the peasantry, which peaked with Mexico signing the NAFTA in 1994, has continously threatened about 18 millionen peasants. A growing market-dependency, migration and a feminisation of rural work were the result. This thesis contributes to the studies of the mexican peasantry, based on the experiences of five female peasants from El Carmen, Oaxaca. Main objectives of the qualitative resarch are their livelihood strategies, the different working fields and their experiences with the project agricultura para necesidades báscias, focusing on the escuela de campo and the acquisition, the use and the meaning of agroecological practices for the women. The empirical data is based on a research stay in Oaxaca (August to December 2012). In El Carmen fieldwork was conducted in October and November. In terms of epistemology and methodology my work is based on a transdisciplinary approach, to allow an open, reflexive research process integrating several actors. To this effect a research, relevant for society, should be guaranteed. The empirical data analysed have been collected through participant observations and semi-structured interviews and were interpreted by using qualitative thematic analysis. A narrative approach was used to describe the research-results. The women‘s livelihood-strategies and their different working fields are manifold: Besides conducting reproductive work, all women can be described as main actors in agriculture, they conduct productive and paid work, officiate in the system of usos-y-costumbres and can be seen as primer target group, when it comes to (semi)state-run programmes to ensure basic needs. Furthermore, all research-partners are intensely involved in the project agricultura para necesidasdes báscias by the Centro de Desarrollo Comunitario Centéotl. Generally, the women’s work can be largely described as „shadow work“. Due to the invisible character of the different working fields in national statistics, a super-exploitation is facilitated. The work done by the women has to be seen, too, in between the contrasting poles of a largely autonomous, socio-economic village structure in El Carmen and the subordination to the national/international capital. Therefore a fixed, dichotomous differentiation between reproductive and productive labour isn’t useful. Rather, a complex coexistence and intertwining of different reproductive and productive activities can be observed, which is best subsumed to the term of pluriactivity. The intensive involvement into the projekt A4N, particularly into the ECA, has primarily caused personal changes in the lifes of the research partners. The initiated changes can be interpreted as elements in a personal and collective process of empowerment. A problematic issue in some cases was the expenditure of time and labour due to the intensive participation in the project. Concerning to the ECA, the following agroecological practices can be described as important for my research partners (abstract): the transfer of (organic) practices to diversify their vegetable and crop stocks and agroecological practices to recycle nutrients on the farm and enhance soil organic matter (mixed fertiliser, organic leaf fertilisers and pest control, organic fertilisers). The use of agroecological practices resulted in an expenditure of agricultural labour on the one hand and in a lesser dependence on agricultural inputs, a higher availability in herbs, vegetables and cereals and the generating of complementary income on the other hand.

Schlagwörter

Schlagwörter
(Englisch)
peasantry women-studies agriculture agroecology Oaxaca Mexico Post-Development livelihood
Schlagwörter
(Deutsch)
Kleinbauernschaft Frauenforschung Landwirtschaft Agroökologie Oaxaca Mexiko Post-Development Lebensgestaltung
Autor*innen
Caroline Sommeregger
Haupttitel (Deutsch)
Die Lebensgestaltung oaxaquenischer Kleinbäuerinnen und ihre Rolle in der agroökologischen Transformation der Landwirtschaft
Hauptuntertitel (Deutsch)
eine Fallstudie aus El Carmen, Mexiko
Publikationsjahr
2014
Umfangsangabe
159 S.
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Martina Kaller-Dietrich
Klassifikation
70 Sozialwissenschaften allgemein > 70.99 Sozialwissenschaften allgemein: Sonstiges
AC Nummer
AC11993338
Utheses ID
28180
Studienkennzahl
UA | 057 | 390 | |
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