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Soziale Nachhaltigkeit im Neoliberalismus?
neoliberale Reformen, Ungleichheit und solidarische Gegenbewegung in Bolivien 1985 - 2010
Robert Rybaczek-Schwarz
Art der Arbeit
Diplomarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Philologisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
Betreuer*in
Christian Rammel
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Alle Rechte vorbehalten / All rights reserved
DOI
10.25365/thesis.31985
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-29933.03834.845953-5
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Abstracts

Abstract
(Deutsch)
Vorliegende Diplomarbeit beschäftigt sich mit dem Verhältnis des Neoliberalismus zum Konzept Sozialer Nachhaltigkeit. Sie geht der Frage nach, inwiefern die Annahmen und Prämissen des neoliberalen Denkens bzw. Konsequenzen neoliberaler Wirtschaftspraxis den Prinzipien Sozialer Nachhaltigkeit widersprechen. Methodische Grundlage bilden das Gesellschaftsverständnis und die Analysekategorien der Neuen Politischen Ökonomie. Inhaltlich schließt die Arbeit an Argumentationen der Ökologischen Ökonomie an, welche die Umsetzbarkeit starker Nachhaltigkeit – die die Grenzen des ökologischen Systems berücksichtigt – in einem kapitalistischen Wirtschaftssystem bezweifelt. Diese These wird hier für die soziale Dimension der Nachhaltigkeit entwickelt und sowohl auf theoretischer Ebene als auch für das Fallbeispiel Bolivien überprüft. Dazu werden in einem ersten Schritt (relative) Gleichheit und Solidarität als zwei Kernelemente Sozialer Nachhaltigkeit ermittelt, die sich aus dem distributiven Gerechtigkeitsverständnis der Nachhaltigkeits-Idee ableiten lassen. Anschließend werden einige zentrale Annahmen des neoliberalen Denkens – insbesondere der einflussreichen Gesellschaftstheorie von Friedrich A. von Hayek – ergründet, die auf neoklassischen Theorien und dem methodologischen Individualismus des Homo oeconomicus basieren. Die Gegenüberstellung der zentralen Annahmen und Werthaltungen der beiden Konzepte bringt deutliche Gegensätze zutage, unter anderem was das Gerechtigkeits- und Freiheitsverständnis, den Zugang zu Demokratie und die Haltung gegenüber sozialer Ungleichheit betrifft. Der zweite Teil der Arbeit beschäftigt sich mit den Widersprüchen auf praktischer Ebene anhand des Fallbeispiels Bolivien. Dazu werden neoliberale Strukturanpassungsprogramme, durch die in Bolivien ab 1985 marktwirtschaftliche Strukturen eingeführt bzw. liberalisiert wurden, hinsichtlich ihrer Auswirkungen auf (Un)Gleichheit und gesellschaftliche Solidarität untersucht. Im Mittelpunkt der Analyse steht dabei das Instrument der Privatisierung. Die Daten weisen eindeutig auf eine Zunahme sozialer Ungleichheit hin. Die negativen Auswirkungen auf gesellschaftliche Solidarität werden zwar in einigen Studien behandelt, diese sind allerdings schwer quantifizierbar. Soziale Ungleichheit und Neoliberalisierungsprozesse sind jedoch deutliche Motive für umfangreiche Proteste von solidarischen sozialen Bewegungen, die ab dem Jahr 2000 zu einem Bruch mit dem neoliberalen System führten und einen demokratischen Transformationsprozess einläuteten. In der neuen Verfassung wurden mit den Grundsätzen der Plurinationalität und des Buen Vivir zwei Prinzipien verankert, die als nachhaltige Gegenkonzepte zum Neoliberalismus interpretiert werden können. Die Gegensätze, die sowohl auf theoretischer wie auf praktischer Ebene feststellbar sind, legen nahe, dass es eine Änderung des Wirtschaftssystems braucht, wenn Soziale und damit auch ganzheitliche Nachhaltigkeit tatsächlich realisiert werden soll.
Abstract
(Englisch)
The present diploma thesis deals with the relationship between neo-liberalism and the concept of social sustainability. It deals with the question to which extent assumptions and premises of neo-liberal thinking and consequences of neo-liberal economic practice, respectively contradict the principles of social sustainability. The understanding of society and categories of analysis of the New Political Economy constitute the methodical basis. As regards contents, this paper follows the reasoning of ecological economy, which doubts the feasibility of strong sustainability, which takes into consideration the limits of the ecological system, in a capitalist economic system. In this context, this thesis has been developed for the social dimension of sustainability, and is examined on a theoretical level as well as in the case example of Bolivia. For this purpose, in a first step (relatively) equality and solidarity as two core elements of social sustainability are identified, which can be deduced from the distributive concept of justice concerning the idea of sustainability. Subsequently, some central assumptions of neo-liberal thinking, especially the influential social theory of Friedrich A. von Hayek, are researched, which are based on neoclassical theories and the methodological individualism of the homo oeconomicus. The comparison of the central assumptions and value preservations of these two concepts reveals clear contradictions, amongst others concerning the understanding of justice and liberty, access to democracy, and the attitude towards social inequality. The second part of this paper deals with contradictions with respect to practice, using the case example of Bolivia. For this purpose, neo-liberal structural adjustment programs, which have introduced and liberalized, respectively free-market structures in Bolivia starting from 1985, are examined with regard to their effects on (in)equality and social solidarity. The focus of the study is drawn on the instrument of privatization. The data clearly indicate an increase of social inequality. Although the negative consequences for social solidarity are shown in some studies, they can hardly be quantified. Social inequality and processes of neo-liberalism are, however, clear motives for large protests of solidly united social movements, which have lead to disruption of the neo-liberal system starting from the year 2000, and have opened a democratic process of transformation. In the new constitution, the principles of plurinationalism and Buen Vivir have been integrated as two principles, which can be interpreted as sustainable counter-concepts to neo-liberalism. The opposites, which can be established on a theoretical as well as on a practical level, suggest strongly that a change of the economic system is required, if social and thus integral sustainability shall actually be implemented.

Schlagwörter

Schlagwörter
(Englisch)
Social sustainability sustainable development neoliberalism social inequality solidarity structural adjustment privatization social movements plurinationalism Buen Vivir
Schlagwörter
(Deutsch)
Soziale Nachhaltigkeit Nachhaltige Entwicklung Neoliberalismus Soziale Ungleichheit Solidarität Strukturanpassung Privatisierung Soziale Bewegungen Plurinationalität Buen Vivir
Autor*innen
Robert Rybaczek-Schwarz
Haupttitel (Deutsch)
Soziale Nachhaltigkeit im Neoliberalismus?
Hauptuntertitel (Deutsch)
neoliberale Reformen, Ungleichheit und solidarische Gegenbewegung in Bolivien 1985 - 2010
Publikationsjahr
2014
Umfangsangabe
129 S. : graph. Darst.
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Christian Rammel
Klassifikationen
70 Sozialwissenschaften allgemein > 70.00 Sozialwissenschaften allgemein: Allgemeines ,
83 Volkswirtschaft > 83.00 Volkswirtschaft: Allgemeines ,
89 Politologie > 89.93 Nord-Süd-Verhältnis
AC Nummer
AC11453577
Utheses ID
28443
Studienkennzahl
UA | 057 | 390 | |
Universität Wien, Universitätsbibliothek, 1010 Wien, Universitätsring 1