Detailansicht

Die Differenz übersetzen
zeitgenössische Bürgerkriegsliteratur aus Peru
Katharina Hübner
Art der Arbeit
Diplomarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Zentrum für Translationswissenschaft
Betreuer*in
Mary Snell-Hornby
Volltext herunterladen
Volltext in Browser öffnen
Alle Rechte vorbehalten / All rights reserved
DOI
10.25365/thesis.3266
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-29227.75082.917563-5
Link zu u:search
(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)

Abstracts

Abstract
(Deutsch)
Gedanklichen Ausgangspunkt dieser Arbeit bildete jener bewaffnete Konflikt, der in den 80er und 90er Jahren rund 69.000 Peruanern das Leben kostete. Anhand der Beschäftigung mit der Darstellung dieses Krieges in zwei zeitgenössischen Romanen (Lituma en los Andes von Mario Vargas Llosa und Qantu. Flor y Tormenta von Félix Huamán Cabrera) soll gezeigt werden, auf welch unterschiedliche Weise die angenommene ‚peruanische Heterogenität’ – die zumeist mit der ethnischen Konstellation des Landes in Verbindung gebracht wird - literarisch thematisiert bzw. problematisiert wird. Heterogenität ist allerdings, wie in der Einleitung ausgeführt wird, in vieler Hinsicht kein unproblematischer Begriff; nicht zuletzt, weil er unter Umständen die Hierarchien verschleiert, die ihm zugrunde liegen. Heterogenität findet aber in vielen sozial- und literaturwissenschaftlichen Arbeiten zu Peru Verwendung, weswegen er auch hier aufgegriffen wird. Der peruanische Bürgerkrieg ist mitunter als ethnischer Konflikt bezeichnet worden. Doch selbst wenn man der Tatsache Rechnung trägt, dass der Begriff ‚ethnischer Konflikt’ auf einem unsicheren Fundament aufbaut, nämlich dem Konstrukt Ethnie, und er kaum mehr bedeuten kann als die (ev. gewaltsame) Instrumentalisierung eines ‚Wir’, dessen Basis als ‚ethnisch’ argumentiert wird, so kann dieser Konflikt dennoch schwerlich als ein solcher bezeichnet werden, da die Guerilla, die 1980 in den Anden den bewaffneten Kampf aufnahm, niemals explizit kulturelle Rechte einforderte, sondern eine maoistische Rhetorik verfolgte. Jedoch agierte die Guerilla primär in Regionen mit einem hohen Anteil an indigener Bevölkerung und thematisierte die angenommenen Widersprüchlichkeiten der peruanischen Gesellschaft, zu denen der Gegensatz zwischen Küste und Hochland oder die Hierarchisierung über Ethnizität zählt. Nachdem grundlegende Überlegungen zu Ethnizität in der peruanischen Gesellschaft angestellt worden sind (u.a. aus dem Blickwinkel der Intersektionalitäts-Debatte), soll skizziert werden, auf welche Art und Weise der ‚ethnische Diskurs’ innerhalb peruanischer Literatur, die oft mit dem Indigenismo assoziiert wird, eine literarische Strömung, die ihren Höhepunkt in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts hatte, aufgegriffen worden ist. Darauf aufbauend werden die beiden oben erwähnten Romane diskutiert. Mit Vargas Llosa und Huamán Cabrera wurden zwei Schriftsteller ausgewählt, deren literarisches Schaffen kaum unterschiedlicher könnte. Ersterer ist der mit Abstand bekannteste lebende Literat Perus, letzterer dürfte außerhalb Perus kaum Leser haben. Während Vargas Llosa den kulturellen Raum der Anden teilweise aus dem Blickpunkt radikaler Fremdheit beschreibt, so ist dieser für Huamán Cabrera Ausgangspunkt eines Identitätsdiskurses. Sein Roman Qantu. Flor y Tormenta kann als Versuch kultureller ‚Über-setzung’ mit emanzipa-torischem Anspruch gesehen werden. Übersetzung ist als Metapher für einen Prozess geprägt worden, welcher der ‚anderen Kultur’ Ausdruck verleiht (Bhabha z.B. 2000; vgl. Hall 2004). Der kulturelle Kontext, in welchem ein Text entsteht, ist selten ein homogenes Gebilde, sondern vielmehr ein Raum, in dem Differenz formuliert und praktiziert wird. Davon ausgehend versucht diese Arbeit jene Herausforderungen anzusprechen, denen ÜbersetzerInnen gegenüberstehen, wenn sie mit Texten arbeiten, die versuchen, eine ‚innere’ Heterogenität, die sich oft in Form von Zweisprachigkeit auf die sprachliche Ebene überträgt, darzustellen. Im Verweis auf postkoloniale Übersetzungskritik wird argumentiert, dass Strategien gefragt sind, die den Anderen im Übersetzungsprozess weder unsichtbar werden lassen, noch ihn im Vergleich zum Ausgangstext exotisieren. Zum einen um nicht zu verschleiern, und zum anderen, um den emanzipatorischen Anspruch dieser Werke nicht zu unterminieren. Zulange ist Übersetzen als rein ästhetisches Handeln begriffen worden, und ideologische Probleme wurden vernachlässigt. Der Entstehungsprozess dieser Arbeit war von dem Versuch begleitet, der fruchtbaren Annäherung etwa zwischen Cultural Studies oder Postkolonialer Theorie und der Translationswissenschaft, die in den letzten Jahren stattgefunden hat, Rechnung zu tragen. Die Verfasserin dieser Arbeit ist davon überzeugt, dass ein solcher Austausch sehr wertvoll sein kann. Der Nutzen ist ein gegenseitiger: Die Übersetzungswissenschaft kann von einem stärker sozialwissenschaftlich ausgerichteten Einfluss, bzw. von dessen Sensibilität für Machtdiskurse profitieren. Genauso wichtig ist das Verständnis dessen, dass Übersetzung, in den Worten Even-Zohars, in der (potentiellen) Macht von Veränderung ist (zit. in Bassnett 1998:126).

Schlagwörter

Schlagwörter
(Deutsch)
Peru Bürgerkriegsliteratur postkoloniale Übersetzung
Autor*innen
Katharina Hübner
Haupttitel (Deutsch)
Die Differenz übersetzen
Hauptuntertitel (Deutsch)
zeitgenössische Bürgerkriegsliteratur aus Peru
Publikationsjahr
2008
Umfangsangabe
II, 127 S.
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Mary Snell-Hornby
Klassifikationen
17 Sprach- und Literaturwissenschaft > 17.45 Übersetzungswissenschaft ,
70 Sozialwissenschaften allgemein > 70.99 Sozialwissenschaften allgemein: Sonstiges
AC Nummer
AC07627774
Utheses ID
2856
Studienkennzahl
UA | 324 | 351 | 360 |
Universität Wien, Universitätsbibliothek, 1010 Wien, Universitätsring 1