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Erfahrungen junger Lesben in Bulgarien
die individuell erlebte Homophobie in der Familie als Spiegelbild der gemeingesellschaftlichen Homophobie? ; eine Erstuntersuchung
Lora Novachkova
Art der Arbeit
Diplomarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Philologisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
Betreuer*in
Patricia Zuckerhut
DOI
10.25365/thesis.32630
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-29889.56427.712453-9
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)
Abstracts
Abstract
(Deutsch)
Diese Arbeit legt einen Fokus auf die Erfahrungen junger Lesben in Bulgarien. Dabei
werden primär ihre Erfahrungen in der Familie in Bezug auf ihr Lesbischsein
untersucht, wobei der Mikrokosmos der Familie immer ein Spiegelbild der patriarchalheterosexistischen
Gesellschaftsstrukturen darstellt. Darüber hinaus fungiert der
familiäre Kontext als Machtraum regulativer, gewaltvoller Praxen, wo Individuen
normiert werden und dadurch in den Herrschaftsverhältnissen verankert werden.
Auffallend ist, dass der (familiäre) Alltag von Lesben von einer Reihe subtiler
Gewaltformen, der sie ausgesetzt sind, geprägt ist: Gewaltformen, die als
Grenzüberschreitungen empfunden werden, meistens aber nicht als Gewalt von den
Lesben selbst definiert werden, da sie zu einer Alltagserfahrung gehören, wodurch sie
ihre Normalisierung erfahren. Diese subtilen Gewaltformen inkludieren verschiedene
homophobe Umgangsformen auf familiärer und gesellschaftlicher Ebene wie zum
Beispiel ein Totschweigen des Lesbischseins der Tochter, Pathologisierung ihrer nichtnormativen
Sexualität, die als defizitäre Entwicklung aufgefasst wird. Die „Hoffnung“
und der „feste Glaube“ der Eltern daran, dass diese „Fehlentwicklung“ eine
vorübergehende Phase darstellt, die durch äußere Faktoren wie schlechter Einfluss
durch den FreundInnenkreis, Enttäuschungs- oder Gewalterlebnisse mit Männern usw.
bedingt war. Markant ist, dass, wenn es überhaupt zu einer Wahrnehmung dessen
kommt, dass Lesbischsein nicht ernst genommen wird. Dabei wird die weibliche
Homosexualität nicht als eine Hinwendung zu Frauen aufgefasst, sondern als eine
Abwendung von Männern. Aus diesem Grund, so die These verschiedener
ForscherInnen, werden Lesben durch homophobe Gewalt bestraft – nicht so sehr wegen
ihrer Frauenliebe, sondern wegen der Nicht-Erfüllung patriarchaler Rollenmodelle,
wegen ihres „Nicht-zur-Verfügung-Stehens-für-Männer“. Somit erweist sich, dass
Homophobie und im Speziellen Lesbophobie keine Einzelerscheinung darstellt, sondern
eine Logik, die durch die Institutionen des Patriarchats, der Heteronormativität und des
Heterosexismus bedingt ist. Weiter soll Lesbophobie immer in Zusammenhang mit
Gewalt gegen Frauen allgemein gesehen werden, denn Lesben unterliegen den gleichen
gewaltvollen, sexistischen Gesellschaftsstrukturen, was ihre Erfahrungen von den
Erfahrungen schwuler Männer deutlich unterscheidet. Meistens wird unter
Homosexualität hauptsächlich männliche Homosexualität verstanden. Ähnlich verhält
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es sich auch mit dem öffentlichen Bewusstsein für Gewalt gegen Homosexuelle. In den
meisten Fällen bleiben die Erfahrungen von Lesben unausgesprochen und unter dem
Horizont der Gewalt gegen Schwule subsumiert. Beides führt aber zu einer weiteren
Unsichtbarmachung lesbischer Erfahrungen und dient gleichzeitig zur Verschleierung
struktureller Sexismen und einer allgegenwärtig(en) (ausgeprägten) Lesbophobie, die
als gesellschaftliche Problematik aus dem öffentlichen Bewusstsein (nicht nur in
Bulgarien) völlig ausgeblendet wird.
Abstract
(Englisch)
This work focuses on the experiences made by young lesbian women in Bulgaria. To
this end, it primarily examines their homosexuality-related domestic experiences by
observing family as a microcosmic reflection of the generally established patriarchal
and hetero-normative structures within society. Moreover, it shows how the familiar
background often provides for coercive and violent practices, thus imposing conformity
norms and oppressive mechanisms upon individuals. A close attention is paid to the
different forms of subtle violence that these women are exposed to in their everyday
(domestic) life. These occurrences, however, are not necessarily perceived as excessive
violence but rather considered to be routine due to their habitual character. One of the
main characteristics of such violence is an evident homophobic attitude within the
family or society in general, manifested in ignorance of the sexual orientation of the
daughter or labeling it as an erroneous development and a repugnant pathological
condition. The latter is being normally attributed to external factors, such as malicious
influence by peers or traumatic man-related experiences. Regardless of the alleged
reasons, it is remarkable how female homosexuality, if perceived as such at all, is
considered as distaste for men rather than intimate attraction towards women. In this
connection, different studies on that matter describe homophobic abuse, experienced by
lesbian women as a punishment for not abiding by the classical patriarchal model,
which subordinates a woman to a man within the hierarchy of the conventional family.
In this line of thoughts, the present work attempts to prove that homophobia,
particularly manifested in the form of lesbophobia, derives from patriarchal,
heteronormative and heterosexist rationales. Moreover, this work aims to put
lesbophobia in the context of violence against women in general as an additional factor,
differentiating female from male homosexuality-related experiences. In the public
discourse, homosexuality in general remains mainly associated with male
homosexuality and so does violence on homophobic grounds. Therefore, lesbian
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experiences tend to remain underrated. Both these tendencies lead to a concealment of
homosexual experiences by women, thus camouflaging structural sexism under the veil
of falsely perceived lesbophobia and blanking this topic out of the public consciousness.
Schlagwörter
Schlagwörter
(Englisch)
lesbians Bulgaria homophobia lesbophobia violence invisibility
Schlagwörter
(Deutsch)
Lesben Bulgarien Homophobie Lesbophobie Gewalt Unsichtbarkeit
Autor*innen
Lora Novachkova
Haupttitel (Deutsch)
Erfahrungen junger Lesben in Bulgarien
Hauptuntertitel (Deutsch)
die individuell erlebte Homophobie in der Familie als Spiegelbild der gemeingesellschaftlichen Homophobie? ; eine Erstuntersuchung
Publikationsjahr
2014
Umfangsangabe
133 S.
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Patricia Zuckerhut
Klassifikation
10 Geisteswissenschaften allgemein > 10.99 Geisteswissenschaften allgemein: Sonstiges
AC Nummer
AC11736921
Utheses ID
28973
Studienkennzahl
UA | 057 | 390 | |
