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Die "Naive" - ein unterschätzter Rollentyp
Rita Hatzmann
Art der Arbeit
Diplomarbeit
Universität
Universität Wien
Fakultät
Fakultät für Philosophie und Bildungswissenschaft
Betreuer*in
Hilde Haider-Pregler
DOI
10.25365/thesis.33186
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-29579.69573.542754-6
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(Print-Exemplar eventuell in Bibliothek verfügbar)
Abstracts
Abstract
(Deutsch)
Die Anfänge der theaterhistorischen Entwicklung von naiven Rollentypen liegen im 18. Jahrhundert, im 19. erreichten sie den Höhepunkt ihrer Popularität. Nachdem die fixen Fachbezeichnungen, die der Einordnung dienten, in den Ensembleverträgen der deutschsprachigen Theater ab den 20er/30er Jahren des 20. Jahrhunderts bereits wieder abkamen, hielt sich die Bezeichnung Naive trotzdem für die betreffenden Figuren der Literatur weiter fort. Naivität charakterisiert einen unverdorbenen, frischen Zugang zur Welt und enthält die Möglichkeit aus eigener Kraft, durch Witz und Charme diese zu entdecken. Die grundlegenden Vorgaben des dazugehörenden Frauenbildes ergaben sich aus Beschränkungen zu Bildungsmöglichkeiten und ungleichen Machtverhältnissen. So konnten sich Mädchen und Frauen lange Zeit in vielen Fällen nur über eine unterstützende Funktion, erst im elterlichen Haushalt als Tochter, dann als Ehefrau und Mutter definieren.
Beispielhafte Mädchenfiguren wie Agnès von Molière, die in Dramen vielfach kopiert und weitergeführt wurde, so auch von Destouches mit La Fausse Agnès, schaffen es nach etlichen Hindernissen, sich durch angeborene Schlauheit in einer von Männern dominierten Gesellschaft zu behaupten. Kleist schuf mit Das Käthchen von Heilbronn eine junge Frau, die sich durch nichts davon abhalten lässt, ihre Bestimmung zu erfüllen, sie steht in Verbindung zu ihrem Unbewussten und, obwohl ihr grundlegende Informationen fehlen, geht sie nach vielen Mühen als Gewinnerin hervor. Malchen in Der Alpenkönig und der Menschenfeind ist die typische Tochterrolle, sie liebt ihren Vater und hilft ihm, wieder auf den richtigen Weg zurück zu finden. Bernhard Shaw griff mit Pygmalion den Wunschtraum eines Mannes auf, ein noch ungeformtes Geschöpf nach seinem Geschmack zu bilden. Die Hauptfigur Eliza behält sich ihre innere Unabhängigkeit und kann so von der Zeit bei ihrem Sprachlehrer profitieren. Mit der mythologischen Figur Helena zeigte Giraudoux in Kein Krieg in Troja den problematischen Zusammenhang von naiver Unbedachtheit und Schönheit.
Im Laufe des 20. Jahrhunderts nahmen die neuen Medien Film und Fernsehen die naiven Typen auf. Während am Theater Rollen nicht mehr in Fächer eingeteilt, sondern als eigenständige Charaktere angesehen wurden, forderte der Absatzmarkt des Kinos eine Spezialisierung. Ein Starsystem entstand, SchauspielerInnen wurden von PR-Abteilungen in Zeitschriften und Illustrierten immer wieder in eine bestimmte Richtung präsentiert. Auch das Privatleben sollte auf die, als passend erachtete Richtung, ausgerichtet werden und die Stars spielten oft ähnliche Typen in den unterschiedlichen Filmen. Am Beispiel Romy Schneider lässt sich diese eingeschränkte Zuordnung zum jungfräulich-unschuldigen Typus der Naiven nachverfolgen. Erst als sie in Frankreich lebte, konnte sie sich aus den Zwängen dieser Rollen befreien. Ihr Weg spiegelt das Bestreben vieler Frauen, aus nicht selbstgewählter Unmündigkeit und einem auf bestimmte Muster festgelegten Leben zu ganzheitlichen Gestaltungsmöglichkeiten im Beruf und auch privat zu gelangen.
Schlagwörter
Schlagwörter
(Deutsch)
Rollenfach Naive Agnese Rita Hatzmann Schauspielerin Agnès Molière Destouches Käthchen von Heilbronn Eliza Pygmalion Malchen Helena Romy Schneider Sissi
Autor*innen
Rita Hatzmann
Haupttitel (Deutsch)
Die "Naive" - ein unterschätzter Rollentyp
Publikationsjahr
2014
Umfangsangabe
124 S. : Ill.
Sprache
Deutsch
Beurteiler*in
Hilde Haider-Pregler
AC Nummer
AC12053824
Utheses ID
29476
Studienkennzahl
UA | 317 | | |
