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Meinungsloses Meinen mittlerer Existenzen
Opportunismus in der österreichischen Kultur- und Literaturgeschichte
Robert Weichinger
Art der Arbeit
Dissertation
Universität
Universität Wien
Fakultät
Philologisch-Kulturwissenschaftliche Fakultät
Betreuer*in
Hilde Haider-Pregler
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Alle Rechte vorbehalten / All rights reserved
DOI
10.25365/thesis.33727
URN
urn:nbn:at:at-ubw:1-29260.97221.832461-4
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Abstracts

Abstract
(Deutsch)
In dieser Arbeit wurde der Versuch unternommen, ein genaues Bild gesellschaftlicher Erscheinungsformen entstehen zu lassen. Diesen sozialgeschichtlichen Hintergrund analysierend interessierte das Denk- und Verhaltensmuster des Homo austriacus. Es zeigte sich, dass in der textlichen und literarischen Ausformung des Opportunisten gesellschaftliche Erscheinungsformen ihren Ausdruck finden, die imstande sind, präzise mentalitätsgeschichtliche Beiträge zu liefern. Die Ausgangsfrage lautete, worin liegen die Ursachen, dass in diesem Land Menschen, die sich aus Nützlichkeitserwägungen schnell und bedenkenlos der jeweiligen Lage anpassen, derart verbreitet sind? Eine brüchige Habsburgermonarchie und nach deren Ende rasch wechselnde staatliche Identitäten trugen wesentlich zur Ambiguität des Österreichers bei. Das politische Unvermögen, Voraussetzungen für mündige Bürger zu schaffen, wurde bis an die Schwelle des 21. Jahrhunderts hinein verspielt, statt dessen finden wir jede Menge Platz für labile Zeitgenossen, Kleinbürger mit Untertanenseele. Opportunismus als ubiquitäre Haltung lässt sich seit dem Anfang des 18. Jahrhunderts massiv nachweisen. Deshalb war das Kleinbürgertum mit seiner Gefährdung nach innen und dem Gefährdenden nach außen in seiner kulturellen Praxis zu untersuchen. Dass für den Homo politicus Opportunismus das a priori seines Taktierens darstellt, lässt sich an der historischen Figur Fouché herausarbeiten. Der französische Opportunist hat auch in der österreichischen Kultur- und Geistesgeschichte seinen Niederschlag hinterlassen. Von den Naderern des Vormärz über Heugeign nach der gescheiterten 1848er-Revolution, Horváths Opportunisten der Zwischenkriegszeit, bis zu Zehetner und dem Herrn Karl – der reiche Vorrat an opportunistischen Figuren in auf Österreich bezogenen Texten muss auch als Indikator betrachtet werden, denn Literatur entsteht nicht losgelöst von der historischen Wirklichkeit. Die mentalitätsgeschichtliche Vergangenheitsanalyse zeigt, dass im Durchschnittsbürger auch ein gemeiner und gemeingefährlicher Mittäter steckt.
Abstract
(Englisch)
The basic aim of this work was to render an exact picture of social manifestations. The main interest of the author was an analysis of the social-historical background for the mental and behaviour patterns of the homo austriacus. It appears that the literary elaborations of the opportunist are able to deliver exact mentality-historical contributions. What are the reasons for the fact that a large number of people in this very country show explicit characteristics of opportunism? This was the prime question. A doomed Habsburg's monarchy and the consecutive swift changes of democratic and non-democratic governments and even the Nazi terror regime certainly have contributed substantially to the special Austrian ambiguity. Opportunism as a specific attitude of the middle class is to be traced to the beginning of the 18th century. The petty bourgeoisie turns out to be endangered and dangerous at the same time: existentially endangered and - on the other hand - dangerous in political respects. The inherent opportunism of the homo politicus can be shown using the example of Joseph Fouché. This influential French opportunist has left his footprints not only in France but in the Austrian cultural history and the history of ideas as well. From the police spies, the so called Naderer in the time of Lord Chancellor Metternich to the Heugeign in Nestroy’s burlesque Lady und Schneider set after the failed 1848th Revolution and Horváth’s opportunists and Jura Soyfer’s Zehetner in between the years of the two World Wars up to Merz’s/Qualtinger’s Der Herr Karl in the postwar period, the rich stock of opportunistic contemporaries must be looked upon as an indicator for this phenomenon. Literature is necessarily connected to historical reality. The analysis shows the average citizen as a dangerous collaborator and culprit to the general public.

Schlagwörter

Schlagwörter
(Englisch)
Opportunism Homo austriacus Homo politicus Lower middle class Petty bourgeoisie Ambiguity History of mentality Pre-March era Industrialisation Period between the world wars National-Socialism Post-war Austria Sealsfield Nestroy Kraus Soyfer Horváth Canetti Qualtinger Bernhard Zykan
Schlagwörter
(Deutsch)
Opportunismus Mentalitätsgeschichte Homo austriacus Homo politicus Kleinbürgertum Doppeldeutigkeit Spießer Vormärz Industrialisierung Zwischenkriegszeit Regierungsdiktatur Nationalsozialismus Nachkriegs-Österreich Sealsfield Nestroy Kraus Soyfer Horváth Canetti Qualtinger Bernhard Zykan
Autor*innen
Robert Weichinger
Haupttitel (Deutsch)
Meinungsloses Meinen mittlerer Existenzen
Hauptuntertitel (Deutsch)
Opportunismus in der österreichischen Kultur- und Literaturgeschichte
Publikationsjahr
2014
Umfangsangabe
227 S. : Ill.
Sprache
Deutsch
Beurteiler*innen
Hilde Haider-Pregler ,
Wolfgang Greisenegger
Klassifikationen
02 Wissenschaft und Kultur allgemein > 02.00 Wissenschaft und Kultur allgemein: Allgemeines ,
02 Wissenschaft und Kultur allgemein > 02.01 Geschichte der Wissenschaft und Kultur ,
10 Geisteswissenschaften allgemein > 10.03 Methoden und Techniken der geisteswissenschaftlichen Forschung
AC Nummer
AC12002403
Utheses ID
29950
Studienkennzahl
UA | 092 | 317 | |
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